Adventskalender: Wir öffnen Türen

Am Britischen Weg 2 in Soest bekommen Nachbarn Hilfe

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Vier Zimmer mit Küche und Bad: Eine Wohnung in einem Sechs-Parteienhaus am Britischen Weg dient Elena Schmidt, Oxana Stuckert, Emma Schiller und Hassan Darjan (von links) als Arbeitsplatz.

Soest - Wenn in der Erdgeschosswohnung am Britischen Weg 2 die Rede auf Advent und die Feiertage kommt, dann geht es häufig darum, dass Familien in der Nachbarschaft nur wenig Geld haben und sich schöne Weihnachten nicht leisten können. Es schellt, und Elena Schmidt öffnet. „Ich bastle gerade“, erzählt sie lachend und zeigt auf kleine Sterne, die sie vorbereitet hat. Auf den Baumanhängern aus Pappe stehen Wünsche von Kindern aus dem Viertel, die der Serviceclub der Soroptimistinnen bei seiner Benefiz-Aktion gern erfüllen möchte. 

Jetzt, am späten Nachmittag, ist es ruhig. Doch während der offenen Sprechstunden geht, wie Elena Schmidt erzählt, ein buntes Publikum ein und aus, vom Teenie bis zum knapp 100-Jährigen. Gut 80 Quadratmeter – vier Zimmer mit Küche, Bad – stehen dem Jugendmigrationsdienst und der Migrationsberatung für Erwachsene zur Verfügung. Elena Schmidt, Emma Schiller, Oxana Stuckert und Hassan Darraj, die für die Awo tätig sind, teilen sich die Räume im Sechs-Parteien-Mietshaus, das zentral in der Englischen Siedlung liegt. 

Es ist eng, aber gemütlich. Mit adventlicher Deko bekommen Büros und Besprechungszimmer eine heimelige Atmosphäre. Die vier Kollegen arrangieren sich. Platz ist in der kleinsten Hütte, weiß Hassan Darraj, der sich ab und zu mit seinem Laptop an den Küchentisch zurückziehen muss, um ein ruhiges Eckchen für sich zu haben. Wer zum Britischen Weg 2 kommt und sich an der Tür unten rechts meldet, braucht und bekommt Hilfe in allen Lebenslagen. 

Im Soester Süden leben Menschen aus aller Welt, etliche verstehen die Sprache nicht, sie fühlen sich fremd, es fällt ihnen schwer, komplizierte Anträge auszufüllen oder Briefe vom Amt zu beantworten. An manchen Tagen herrscht daher Hochbetrieb. Für alle, die warten müssen, stehen im kleinen Flur drei Stühle bereit.

„Wir sind ganz nah dran“, berichtet Elena Schmidt. Sie kennt viele Leute im Stadtteil und weiß, wie sie leben. Deshalb hat sie gut im Blick, wer sich zum Beispiel über Karten zum Patenmahl am zweiten Adventssonntag freuen würde. Der Integrationsdienst gehört zu den Ausgabestellen. Bedürftige bekommen die Tickets umsonst, weil Spender Geld geben, um diesen festlichen Abend zu ermöglichen. Die Stadthalle ist dann jedes Mal gut gefüllt. Auf regen Zuspruch hofft das Team auch am Freitag (6. Dezember) beim Nikolausmarkt an der Astrid-Lindgren-Schule, in dessen Organisation die vier eingebunden sind.

„Ich verbringe hier mehr Zeit als zuhause“, stellt Elena Schmidt schmunzelnd fest. Sie stammt wie Oxana Stuckert aus Russland, Emma Schiller kommt aus Kasachstan, Hassan Darraj aus Syrien. Sie haben mit Menschen aus vielen Winkeln der Erde zu tun, die unterschiedlichen Religionen und Kulturen angehören. Mit Christen unterhalten sie sich auch schon mal darüber, wer bei ihnen den Gabentisch füllt. Bei den einen ist das Christkind für die Bescherung zuständig, bei anderen sind Weihnachtsmann und Nikolaus die gern gesehenen Geschenkebringer.

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