Gewichtheber-Club gerade noch vom Sterbebett gehoben

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Werner Klomfass gehört zum Notvorstand.

Soest - „Nein!“ Die jungen Leute stimmten geschlossen dagegen, den AC Soest dichtzumachen, nur weil der jetzt aus der Adamkaserne raus muss. Ihr Widerstand kippte am Mittwoch den Auflösungs-Antrag.

Knapp, aber korrekt und zweimal nachgezählt. In drei Wochen müssen die Gewichtheber noch mal ran: Eine außerordentliche Versammlung wird es geben. Vielleicht auch neue Leute an der Spitze und die Chance für den nächsten Neustart. 

Sie wollen lieber in Soest Klinken putzen, bis sie neue Trainingsräume gefunden haben, als immer 50 Kilometer bis nach Dortmund zu müssen. So erklärte Dima Strelzov dem Anzeiger gestern, warum er gegen die Auflösung gestimmt hat. Er ist 18, büffelt für sein Fachabi, will zum Bund und Flugzeugmechatroniker werden. Und er will weiter Gewichte heben – in Soest. Dass das nicht einfach ist, wissen er und seine Freunde: Gewichtheber brauchen Böden, die richtig was aushalten. 

„Wir gehen los und reden mit den Leuten“, sagt Volker Esch-Alsen, seit Jahren in unterschiedlichen Positionen für die Vereine in der Kaserne aktiv: „Man muss was tun für die jungen Leute.“ Er stellte am Mittwoch den Antrag, die Versammlung zu vertagen, und setzte sich damit durch. Jetzt gibt es drei Wochen Zeit zum Überlegen, wie es weitergehen könnte mit dem AC. 

„Das beschauen wir uns dann in Ruhe“, so wünschte sich Esch-Alsen gestern am Telefon viele Versammlungsbesucher: „Am besten solche, die auch ein Interesse haben, nach vorne zu blicken.“ Der Blick zurück auf die Versammlung geht so: Klaus-Peter Uhlmann war als Neutraler vom Landessportbund eingeladen. Er sortierte die Situation: Keine Räume, immer weniger Mitglieder, kaum noch Leute für den Vorstand. „Da geht ein Verein kaputt“, stellte er fest. 

Gerd Oertel, Kassierer, Geschäftsführer und Jahrzehnte lang Aktivposten im Vorstand, stellte mit Kassenbericht und Mitgliederzahlen dar: „Der Verein ist leider am Ende. Man kann nur noch abwickeln – wer bitte will denn die finanzielle und rechtliche Verantwortung übernehmen?“ „Es waren grandiose Zeiten in den Achtzigern“, sagte Frank Strothkamp, langjähriges Mitglied und treuer Fan. 

„Leider längst vorbei. Man sollte den Verein in Würde sterben lassen.“ Schon mit dem Umzug von der Patroklischule in die Kaserne habe das „Sterben auf Raten“ begonnen, berichteten weitere Teilnehmer. „Kaputte Räume, keine Heizung, Schulden für die Sanierung...“ Die offene Abstimmung über den Vorstands-Antrag zur Auflösung ergab: Elf waren dafür, elf dagegen, vier enthielten sich. 

Die Zweidrittelmehrheit war nicht erreicht. Gerd Oertel und auch der zweite Vorsitzende Hans-Georg Kling traten mit sofortiger Wirkung zurück. Zum Versammlungsende bildeten Vorsitzender Werner Klomfass und Edgar Schmidt den Notvorstand.

Hier geht es zum AC Soest: www.ac-soest.de

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