Neue Gärtnergesellen haben grüne Daumen und kühle Köpfe

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Hätten Sie es gewusst? Natürlich ist das, was Marjan Grätsch da bestimmen musste, die Marien-Glockenblume. Oder wie wir Lateiner sagen: die Campanula medium.

Soest – Ein grüner Daumen alleine macht aus einem jungen Pflanzenfreund noch keinen Gärtner für Zierpflanzenbau, dafür braucht es auch eine Menge Herz und Leidenschaft für den Beruf – und einen kühlen Kopf. Ohne den wäre es für die jungen Auszubildenden, die jetzt in der Soester Gärtnerei von Christoph und Jana Brunnberg ihre Abschlussprüfung ablegten, wohl richtig schwer geworden. Wurde es bei den anspruchsvollen Aufgaben auch. Aber nicht zu schwer. 

Viel Praxis und fast ebenso viel Theorie hatten Stefan Brinkmann, Ausbildungsberater bei der NRW-Landwirtschaftskammer, und seine Prüferkollegen für die neun Prüflinge aus ganz Westfalen im Programm – nach drei Jahren Ausbildung, in einigen Fällen um ein Jahr verkürzt, stellte das die jungen Männer und Frauen aber vor keine unlösbaren Aufgaben. 

Für Marjan Grätsch, der aus Bochum angereist war, wo er seine Lehre im Botanischen Garten absolviert hat, war zum Beispiel das Bestimmen von insgesamt 50 Zierpflanzen, inklusive ihrer lateinischen Namen, nahezu ein Klacks: „Ich bin fertig“, konnte er schon vor der dafür vorgesehenen Zeit vermelden und den ausgefüllten Bogen zurückgeben – in seinem Lehrbetrieb hat er mit den meisten der Pflanzen, die er da zu benennen hatte, fast täglich zu tun.

Weiter ging´s, zum Pikieren (für Städter, Männer und Blumendussel: Dabei werden winzig kleine Setzlinge in kleine Töpfe verpflanzt, wo sie weiter wachsen können). Auch das war weder für den jungen Bochumer, noch für seine Kollegen Neuland – im Gegenteil: „Das Vermehren von Pflanzen macht einen großen Teil der Arbeit eines Zierpflanzengärtners aus“, erklärte Christoph Brunnberg – er muss es wissen, führt er den Familienbetrieb am Johannes-Gropper-Weg mit seiner Frau doch bereits in dritter Generation. Der 43-Jährige hat aber nicht nur von Großeltern und Eltern gelernt, sondern auch ganz seriös studiert, was er heute praktisch anwendet und natürlich auch an seine eigenen Auszubildenden weitergibt.

Und was die Prüfer jetzt auch sehen wollten: Gefäße mussten bepflanzt und die Pflanzen auf ganz unterschiedliche Weisen bearbeitet werden, „Ernte und Aufbereitungsmaßnahmen“ wurden ebenso abgenommen wie Techniken aus dem Bereich Pflanzenschutz. Letzteres ist ein besonders weites Feld, bei dem der Einsatz von Chemie nur die „allerletzte Patrone“ ist.

Am Ende eines langen Prüfungstages, der für die Auszubildenden vor 8 Uhr begann und erst am Abend (mit dem ersehnten positiven Ergebnis) beendet war, konnte sich die Branche der Gärtner im Zierpflanzenbau über sieben neue Gesellen freuen, die erwiesenermaßen einen kühlen Kopf und offensichtlich auch viel Herz für ihren Berufe und grüne Daumen haben.

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