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Israeli Ohad Cohen ist Praktikant bei Dombaumeister Jürgen Prigl

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Von: Maximilian Grun

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Über den Dächern von Soest fühlen sie sich wohl: Dombaumeister Jürgel Prigl (rechts) posiert zusammen mit seinem Praktikanten Ohad Cohen aus Isreal auf dem Nordturm der Wiesenkirche. © Dahm

Soest - Höhenangst war noch nie sein Problem: Ohad Cohen (33) stammt aus Safed in Galiläa, der höchstgelegenen Stadt Israels, und arbeitet momentan als Praktikant bei Dombaumeister Jürgen Prigl in schwindelnder Höhe am Nordturm der Soester Wiesenkirche.

Schon früh interessierte sich der Israeli fürs Handwerk, lernte zunächst den Beruf des Schweißers, anschließend war er im Trockenbau tätig. Nach seiner Zeit beim Militär stellte er 23-jährig fest, dass er mit Steinen arbeiten wollte. „Damals wurde eine Synagoge im Nachbardorf restauriert. Ich war begeistert. Ich fragte die Leute, wer diese filigrane Arbeit gemacht hat – es war ein Moslem.“ 

Er habe zwar nichts gegen Andersgläubige, sagt Cohen, doch damals fragte er sich, weshalb es dafür keine guten jüdischen Steinmetze gab. Also schloss er sich einer Restaurierungsfirma an, arbeitete sich schnell nach oben. Als er merkte, dass er dort nichts mehr lernen konnte, sein Wissensdurst nicht zu stillen war, wurde ihm von einem Bekannten Deutschland empfohlen. 

„Mir wurde gesagt, dass es hier die besten Steinmetze der Welt gibt. Ich musste meiner Leidenschaft folgen und wollte unbedingt hierher.“ So zog es ihn ohne Deutschkenntnisse vor über fünf Jahren an die Dombauhütte nach Xanten. Dort machte er zunächst ein Praktikum, bereits nach einem Monat wurde ihm eine dreijährige Ausbildung zum Steinmetz angeboten. „Die Dinge, die ich dort gelernt habe, kann man nirgendwo sonst außerhalb von Deutschland lernen“, sagt er rückblickend. 

Auch nach der bestandenen Gesellenprüfung 2014 war sein Weg als Steinmetz noch lange nicht beendet. „Man lernt nie aus“, sagt er. Und so nahm ihn vor zwei Monaten Dombaumeister Jürgen Prigl in Soest unter seine Fittiche. „Von Jürgen Prigl kann ich noch mehr lernen“, erklärt der wissbegierige Cohen. Gemeinsam restaurieren die beiden den Nordturm der Wiesenkirche. 

„Ohad hat mich gleich überzeugt“, betont Prigl. „Ich sehe sofort, ob jemand Talent hat und Ohad ist außergewöhnlich begabt“, sprudelt es aus dem Dombaumeister heraus. Ein Jahr lang wird Cohen als Praktikant in Soest bleiben und von Prigl lernen. 

Der Israeli ist einer von acht Steinmetzen aus fünf Nationen, die im Moment ihren „European Master of Crafts“ machen. Die Idee für diesen Abschluss und der dazugehörigen internationalen Meisterschule wurde von Prigl und seinen Kollegen Ende der 1990er Jahre in Soest geboren. 

Über drei Jahre geht die Ausbildung zum Master, dabei hospitieren die Schüler in acht verschiedenen europäischen Ländern. In der kommenden Woche geht es für Cohen für zwei Wochen an die Kathedrale von Canterbury in England. Eine weitere Station ist unter anderem der Schiefe Turm von Pisa. „Dort wird er noch vieles lernen und Eindrücke sammeln“, ist sich sein Lehrmeister Prigl sicher. 

Cohen weiß auch schon, wie es nach seinem Abschluss weitergehen soll: „Ich möchte mich in Israel selbstständig machen und meine eigene Firma gründen.“ Sobald es soweit ist, wird Jürgen Prigl selbstverständlich eingeladen.

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