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2G-plus: Neue Regeln nerven Gastronomen

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Von: Patrizia Frank

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Pilgrimhaus-Chefin Iris Santana Rodriguez mit Handy
Impfung, Test und Co: Pilgrimhaus-Chefin Iris Santana Rodriguez muss wegen der neuen Verordnungen mehr kontrollieren. © Peter Dahm

Die neuen Corona-Regeln bringen eine Menge mehr Aufwand - und weniger Gäste. Doch nicht alle Soester Gastronomen sehen Grund zur Klage.

Soest – Das erste Wochenende mit 2G-plus-Regel liegt hinter den Soester Gastronomen, die Bilanz fällt durchwachsen aus. Während einige sich über gut laufende Geschäfte freuen, überlegen andere, einen zusätzlichen Ruhetag einzuführen, um den Betrieb ihres Restaurants wirtschaftlich zu halten. Sich ständig ändernde Regeln und uneinsichtige Gäste sorgen für zusätzlichen Frust.

„Für uns ist dieses Wochenende sehr, sehr schlecht gelaufen“, sagt Vladimir Maksimovic. Der Inhaber des Mönchshofs in der Brüderstraße spricht von 60 Prozent Umsatzeinbuße – und glaubt nicht, dass sich die Situation so schnell ändern wird. „Wir haben kaum Reservierungen“, sagt er, die Hälfte seiner Mitarbeiter habe er bereits in Kurzarbeit schicken müssen. Trotzdem, räumt er ein, sei der Betrieb mit den neuen Regelungen besser, als ganz schließen zu müssen: „Die Fixkosten müssen bezahlt werden, wir müssen versuchen, weiter Umsatz zu machen.“

2G-plus: Weniger Gäste und viele ohne gültigen Nachweis

Auch Bernd Bartkowiak, Schichtleiter im Café Extrablatt am Markt, blickt mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Wochenende. „Es lief so lala“, sagt er. „Es kommen deutlich weniger Gäste.“ Und viele, die dann doch kommen, mussten er und seine Mitarbeiter wegschicken: „Es waren bestimmt 20 Personen, die wir nicht reinlassen konnten, weil sie sich nicht an die neuen Bestimmungen gehalten hatten.“

Wegschicken mussten auch die Mitarbeiter des Brauhaus Zwiebel in der Ulricherstraße viele potenzielle Gäste: „Wir hatten so viele Anrufe, aber waren bereits ausgebucht“, erzählt Serviceleitung Tarek Aslan. Alle, die keinen Platz mehr bei ihm bekommen haben, konnten letztlich im benachbarten Aloisius essen gehen, das derzeit nur an den Wochenenden geöffnet ist. „Bisher konnten wir alle unsere Mitarbeiter halten, viele nehmen im Moment frei, weil sie vorher Überstunden aufgebaut hatten“, sagt Aslan und hofft, dass die Geschäfte auch weiterhin so gut laufen.

2G-plus in der Soester Gastronomie: Einziges Testzentrum am Bahnhof

Wer am Samstagnachmittag noch nicht geboostert war und beispielsweise (auch draußen) einen Kaffee trinken wollte, musste einmal durch die komplette Fußgängerzone in Richtung Bahnhof, um sich dort am City-Center testen zu lassen – dort musste eine Wartezeit von mindestens zehn Minuten in der Kälte eingeplant werden. Die anderen Teststationen in der Innenstadt sind Apotheken und waren bereits geschlossen.

Hans-Jürgen Wollenhaupt, Inhaber des Lokals „Der Kater“ in der Nöttenstraße hat vor allem für die immer weiter ausufernden Bestimmungen kaum noch Verständnis: „Wir mussten erst nur 2G kontrollieren, jetzt müssen wir auch noch anfangen zu rechnen“, sagt er mit Blick auf die neuen Regelungen (siehe Infokasten), die deutlich mehr Ausnahmen von der Testpflicht zu lassen. „Wir kontrollieren nach bestem Wissen, aber wenn uns da mal jemand durchrutscht, kann man das meiner Meinung nach nicht mehr den Mitarbeitern anlasten bei diesem Durcheinander an Bestimmungen.“ Er hofft, dass er weiterhin alle Mitarbeiter halten kann und sich die Lage bald entspannt.

Corona-Regeln: Geschäft unter der Woche ein Flop

Darauf hofft auch Stefan Herde, Inhaber des Tapas-Restaurants „Duende“ in der Thomästraße. Er beobachtet ein besonderes Phänomen: „An den Wochenenden läuft es bei uns top, unter der Woche ist das Geschäft im Moment ein Flop“, sagt er. Er will die Entwicklung im Januar weiter beobachten. Sollte die Situation so bleiben, erwägt er, einen zusätzlichen Ruhetag einzuführen, um die Geschäfte wirtschaftlich zu halten.

Von solchen Überlegungen ist Iris Santana Rodriguez, Inhaberin des Pilgrimhauses, weit entfernt: „Unsere Gäste sind überwiegend geboostert“, sagt sie. Zwar kämen insgesamt weniger Menschen, jedoch halten sich die Einbußen derzeit noch in Grenzen. „Wir fahren personell zwar schon ein wenig herunter.“ Jedoch ist sie froh, dass die Kunden ihrem Restaurant derzeit noch in großer Zahl die Treue halten.

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