Zwei Überfälle sind genug: Sparkasse stellt keinen neuen Geldautomaten in Völlinghausen auf

+
Vor zwei Jahren begann das Drama um den wandernden Automaten – mit einem Raubversuch von vier maskierten Tätern mittels Trecker.

Völlinghausen – In Völlinghausen wird kein neuer Geldautomat mehr aufgestellt. Nach dem neuerlichen Coup auf den Bankomaten zu Ostern, als Unbekannte den Tresor mit einem Winkelschleifer knackten und leerten, ist das Kapitel Bares am Automaten für die Sparkasse geschlossen.

„Zu unserem Bedauern werden und können wir keinen Geldautomaten mehr aufstellen“, sagt Sparkassen-Sprecher Thomas Schnabel und nennt gleich zwei Gründe: Es lasse sich kein neuer Standort mehr finden; die Versicherungen spielen auch nicht mehr mit. Sollte also – rein theoretisch – doch noch ein Geldausgabegerät installiert und wiederum geplündert werden, würde die Sparkasse auf dem Schaden sitzen bleiben. 

Kommt hinzu, dass die Nutzung der Geldautomaten rückläufig ist. Der Trend, bargeldlos per Karte oder Handy zu bezahlen, hat nicht zuletzt durch Corona in den vergangenen Monaten stark angezogen – der Anzeiger berichtete. Zudem bieten mehrere Supermärkte und Tankstellen an, bei Kartenzahlung gleich noch einen Fünfziger oder Hunderter mehr abzubuchen und das Geld den Kunden als Bargeld auszuhändigen. 

Abgesehen von der schwindenden Akzeptanz gibt den Sparkassen und Banken auch die zunehmende Brachialität bei den Überfällen zu denken. Bei dem ersten Coup in Völlinghausen  hatten die Gauner sogar einen Trecker mitgebracht und mit dessen Power den Automaten aus der Wand gerissen.

Noch brutaler wird es -– wie unlängst in Lippetal-Herzfeld geschehen –, wenn die Täter die Automaten sprengen. Entweder mit Gas, das sie in den Automaten einfüllen und zünden oder gleich mit Plastiksprengstoff. Wie rücksichtslos das im Einzelfall abläuft, zeigt sich auch daran, dass die Plünderer nicht einmal davor zurückschrecken, selbst dann die Automaten in die Luft zu jagen, wenn im selben Gebäude Menschen schlafen. 

Völlinghausens Ortsvorsteher Friedhelm Linnhoff spricht von einer „gewissen Resignation“, die nun nach dem zweiten Bankomaten-Überfall im Dorf herrsche. Die Bemühungen, einen weiteren Anlauf zu nehmen und einen neuen Standort zu suchen, würden „nicht gerade forciert“. 

Linnhoff (71) hat bei sich selber beobachtet, mehr denn je seine Rechnungen bargeldlos zu begleichen. Ihm und seinen Völlinghausern kommt zupass, dass selbst der Dorv-Laden im Ort virtuelles Bezahlen per Karte oder Smartphone eingerichtet hat. Selbst Minisummen etwa für ein Stück Butter können ohne Münzen oder Scheine bezahlt werden. 

Wenn die Völlinghauser Bargeld benötigen, finden sie nun den nächsten Sparkassen-Automaten in Körbecke. Der Protest, für ein paar Scheine den sieben Kilometer langen Weg anzutreten, hält sich nach Auskunft des Ortsvorstehers in sehr engen Grenzen. „Ich werde nicht gerade mit Beschwerden bombardiert“, sagt Linnhoff.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare