Haltestelle wegen Ausschreitungen verlegt

ZUE Möhnesee: Bus-Fahrgäste fürchten Corona-Ansteckung

Die Bushaltestelle gegenüber der ZUE in Möhnesee-Echtrop wird derzeit nicht angefahren.
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Die Bushaltestelle gegenüber der ZUE in Möhnesee-Echtrop wird derzeit nicht angefahren.

Die komplette Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Echtrop steht unter Quarantäne. Dennoch fährt 15 Mal pro Tag ein Bus der Linie R51 über das Gelände der Flüchtlingsunterkunft – und die Fahrgäste fühlen sich entsprechend unwohl.

Möhnesee-Echtrop - Am kommenden Montag, 4. Januar, wird die Haltestelle vom ZUE-Gelände wieder auf die Straße davor zurückverlegt, wo eigens eine teure Parkbucht eingerichtet worden war. Zurzeit aber wendet und hält der Bus – wie schon seit einigen Monaten – noch auf dem Areal der ZUE.

Grund dafür seien die Schwierigkeiten, die es mit Bewohnern der Unterkunft gegeben habe, heißt es von der Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG): Im Linienbus, der zwischen Warstein und Soest verkehrt, fahre immer ein Sicherheitsdienst mit. Dieser könne auf dem ZUE-Gelände von den dortigen Kollegen unterstützt werden – außerhalb dürfe der ZUE-Sicherheitsdienst jedoch nicht tätig werden. Die Hilfe war offensichtlich nötig geworden, weil die RLG-Mitarbeiter alleine nicht mit renitenten Bewohnern fertig geworden waren.

Schon früher hatte es heimischen Fahrgästen nicht gefallen, dass der Bus über das Gelände fuhr und sie nur dort ein- und aussteigen konnten. Um das zu vermeiden, machten sich einige sogar lieber auf den Weg zu nächsten Haltestelle am Raiffeisenmarkt.

Corona in ZUE: Probleme mit Randalierern

Richtig unwohl wurde den Fahrgästen aber erst, als bekannt wurde, dass die ZUE von Corona betroffen ist. Es bestehe eine erhöhte Ansteckungsgefahr, wenn der Bus über das dieses Areal fahre, meinen sie.

Mittlerweile habe sich zwar nicht die Corona-Situation, dafür aber die Sicherheitslage so weit beruhigt, dass die Unterstützung nicht mehr notwendig sei und die Bushaltestelle zurückversetzt werden könnte, war jetzt von der RLG zu erfahren.

In der Vergangenheit war es in der Einrichtung schon häufiger zu Problemen mit Randalierern und Übergriffen gekommen – vor allem im Zusammenhang mit dem Busverkehr: Im Januar dieses Jahres beleidigte ein 19-jähriger Bewohner den Sicherheitsdienst und einen Busfahrer, weil ihm der Zutritt ins Fahrzeug verweigert worden ist. Auch die herbeigerufenen Polizisten, die den jungen Mann später in Gewahrsam nahmen, wurden beim Einsatz beschimpft und provoziert.

ZUE Echtrop: Mehrere Helfer und Polizisten verletzt

Erst vor wenigen Monaten, Mitte Mai, berichtete die Polizei von Aufruhr an der ZUE-Haltestelle. Etwa 20 Personen blockierten den Bus in Richtung Soest. Beim Versuch, Konflikte in der ZUE zu schlichten, wurden in diesem Jahr mehrere Helfer und Beamte verletzt.

Die Einrichtung der Bezirksregierung Arnsberg ist nur zu 44 Prozent ausgelastet. Derzeit leben hier etwa 285 Bewohner. Dass die allgemeine Stimmung unter ihnen durchgehend schlecht ist, ist kein Wunder. Flüchtlinge, die hier landen, werden in der Regel abgeschoben. „Die Situation hier ist von Perspektivlosigkeit geprägt“, sagte Christian Korte von der Diakonie Ruhr-Hellweg vor einiger Zeit bei einem Besuch in der Einrichtung. Das mache das Leben und Arbeiten dort besonders schwierig.

ZUE Echtrop: Corona-Massenausbruch

Zuletzt kam die Echtroper ZUE vor Weihnachten in die Schlagzeilen, weil das Coronavirus ausgebrochen war. Die ersten bestätigten Fälle meldete der Kreis Soest am 17. Dezember. Am Wochenende darauf folgte eine große Abstrichaktion. Rund 230 Bewohner und 120 Mitarbeiter wurden dabei getestet. Inzwischen liegen alle Ergebnisse vor: Insgesamt waren mindestens 31 Personen infiziert, der Arnsberger Bezirksregierung zufolge sind es sogar 33. 323 Testergebnisse sind negativ.

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