Bestürzung am Fundort Möhnesee

Kardelen aus Paderborn: Mord jährt sich zum zehnten Mal

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In der Nähe des Fundortes legten viele Menschen aus der Region und aus Paderborn auf der Sperrmauer Kerzen und Blumen ab.

Möhnesee – Bange Befürchtungen, dass die achtjährige Kardelen aus Paderborn einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei und dass die Region um den Möhnesee dabei eine wichtige Rolle spiele, wurden am Ende traurige Gewissheit. Genau heute vor zehn Jahren, am Donnerstag, 15. Januar 2009, wurde die Leiche des Mädchens im Wald südlich der Sperrmauer gefunden.

Dass das Mädchen aus Paderborn an den Möhnesee verschleppt worden sein könnte, hatte der Fund von Kleidungsstücken am 14. Januar durch zwei Joggerinnen nahegelegt. Am Tag nach diesem Fund durchsuchte eine Hundertschaft der Polizei den Wald südlich des Sees, nur etwa 100 Meter von der Staumauer entfernt entdeckte ein Polizist schließlich den leblosen Körper des Kindes. Wie die Ermittler berichteten, war die Leiche mit Tannenzweigen bedeckt. Letzte Gewissheit über die Identität und darüber, dass das Kind mit türkischen Wurzeln einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war, lieferte die Obduktion. 

Die Polizei suchte intensiv nach Kardelen.

Die Schülerin hatte am Montag gegen 14 Uhr die elterliche Wohnung in Paderborn verlassen, um mit einer Freundin zu spielen. Seitdem war sie nicht mehr gesehen worden, groß angelegte Suchaktionen der Polizei waren erfolglos geblieben. Am Mittwoch hatte die Polizei in Paderborn daher eine 30-köpfige Sonderkommission gebildet, die nach dem Fund der Leiche in eine Mordkommission umgewandelt wurde. Bei der Suche nach dem Täter war auch die Öffentlichkeit am Möhnesee zur Mithilfe aufgerufen, zahlreiche Hinweise gingen bei der Polizei ein.

Betroffenheit in Paderborn

Große Betroffenheit herrschte nicht nur am Möhnessee, sondern insbesondere auch in Paderborn. Die Eltern des Mädchens nahmen in einer Trauerfeier vor einer Moschee in Paderborn Abschied von ihrem Kind. Tausende Paderborner beteiligten sich einen Tag nach dem Leichenfund an einem Trauerzug durch die Stadt. Am Paderborner Rathaus hatten viele Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Ein ähnliches Bild bot sich in den Tagen seit dem Fund auf der Sperrmauer des Möhnesees. Hunderte Bürger gedachten zudem in der Günner Antoniuskirche Kardelens. 

Der Auflösung kam die Mordkommission dank der Visitenkarte eines türkischen Juweliers am Fundort der Leiche näher. Da der Juwelier Verwandte in Paderborn hat, führte die Spur zu Ali K., der sich mit seiner Frau inzwischen in die Türkei abgesetzt hatte. Seine Frau sagte später aus, sie habe ihren Mann in der gemeinsamen Wohnung mit der Leiche des Mädchens angetroffen. Ali K. habe gesagt, er habe auf den Teufel gehört. Dann hätten sie die Leiche gewaschen und weggebracht. 

Lebenslange Haftstrafe für den Täter 

Aufgespürt wurde der Täter von seinem Schwiegervater, der K. veranlasste, sich der Polizei zu stellen. Der Beschuldigte wurde daraufhin im Februar im türkischen Didim festgenommen. Ali K. wurde in der Türkei vor Gericht gestellt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem verhängte das Gericht gegen den damals 30-jährigen zwölf Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs und sechs Jahre Haft wegen Freiheitsberaubung.

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