LIFE-Projekt "Bachtäler im Arnsberger Wald"

So zahlt sich Renaturierung von Großer Schmalenau und Heve am Möhnesee aus

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Mit viel Platz schlängelt sich die Schmalenau nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen durch den Arnsberger Wald.

Möhnesee - Bausünden zeigen sich nicht nur an Gebäuden, sondern auch in der Natur. In der Nähe von Neuhaus waren die Große Schmalenau und die Heve bis vor wenigen Jahren ausgebaut. Immer schön geradeaus. Im LIFE-Projekt „Bachtäler im Arnsberger Wald“ wurden sie in den letzten Jahren renaturiert. Das scheint sich auszuzahlen.

Die Wasserläufe befinden sich wieder in den Bereichen, in die sie eigentlich gehören. „Wo das ist, hängt von der Jahreszeit ab“, erläutert Dr. Margret Bunzel-Drüke von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz. 

Vor der Renaturierung sei beispielsweise auch im Winter die Große Schmalenau gar nicht mehr aus ihrem Bett in die Auen gekommen, sondern habe sich – im Gegenteil – immer tiefer eingefräst. Der Effekt: Keine Ausweichmöglichkeiten und immer höhere Fließgeschwindigkeiten. 

Wasser hat wieder mehr Platz

Im Zuge der Maßnahmen in den letzten Jahren habe man die Sohle wieder nach oben geholt. So kann das Wasser sich nach ergiebigen Niederschlägen wieder ausbreiten – „ohne, dass eine Gefahr für die Menschen entsteht“, betont Bunzel-Drüke. Das, was derzeit zu sehen sei, nämlich überschwemmte Bereiche neben dem Bett, sei das genau richtige Bild in dieser Jahreszeit: „So soll es im Winter aussehen.“ Gleichzeitig mahnt ABU-Vorsitzender Joachim Drüke: „Ganz große Hochwasser, die den Leuten in Neuhaus und in der Ferienhaussiedlung Wilhelmsruh Probleme machen können (wie es im August 2007 der Fall war), nehmen das ganze Tal ein, da können Renaturierungen nur begrenzt wirken.“ Hier gelte die oft ausgesprochene Regel: Leute, bleibt mit Siedlungen raus aus den Auen! Das sei der beste Schutz. 

Übrigens präsentieren sich Heve und Große Schmalenau auch im Sommer ganz neu, was besonders im letzten sehr trockenen Jahr den Tieren zugute kam. Zwar waren die Fließgewässer ziemlich stark ausgetrocknet, ohne die Maßnahmen zur Gestaltung einer natürlichen Auenlandschaft wäre die Situation aber sicher noch drastischer ausgefallen. Die Tümpel, die sich in den Bächen dank der Laufverlängerung in den Bachschlingen bilden können, dienten als wichtige Rückzugsorte für die Fische. 

Naturnaher Zustand

Um die Fließgewässer wieder in einen naturnahen Zustand zu bringen, wurden im Rahmen des LIFE-Projektes „Bachtäler im Arnsberger Wald“ umfangreiche Renaturierungen nötig. Sie beinhalteten Laufverlängerungen unter Beachtung naturnaher Gewässerprofile, Aktivierung von Altläufen, Herausnahme von Uferbefestigungen, Einbringen von Totholz, Beseitigen von Wanderhindernissen und Verschließen von Entwässerungsgräben. 

Auf insgesamt 9,5 Kilometern Fließgewässerstrecke wurden die Bäche an acht Abschnitten renaturiert. An zehn Stellen wurde die Durchgängigkeit der Gewässer durch Umbau von Querbauwerken oder durch Laufverlängerung wieder hergestellt. Der Begriff „Renaturierung“ bedeutet eigentlich „die Wiederherstellung der Funktion der Natur“. Mit dem Ziel die typischen Lebensräume wiederherzustellen wurde von 2010 bis 2016 im Möhnetal geplant und gearbeitet.

Life heißt "Leben"

LIFE ist ein Finanzierungsinstrument der Europäischen Union für die Umwelt, wobei das Ziel verfolgt wird, einen Beitrag zur Entwicklung, Durchführung und Aktualisierung der Umweltpolitik und der Umweltvorschriften der Gemeinschaft zu leisten. Der Begriff LIFE ist ein Kürzel für das französische: L´ Instrument Finacier pour l´ Environnement. Deutlich griffiger ist jedoch die einfache Übersetzung des englischen Wortes LIFE, das schlicht „Leben“ heißt. 

Partner beim Bachtäler-Projekt sind neben der ABU unter anderem auch der Zweckverband Naturpark Arnsberger Wald und der Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

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