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Windbruch stellt für Wanderer und Forstarbeiter eine große Gefahr dar

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Von: Ludger Tenberge

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Wanderwege, die mitten durch morsche Fichtenbestände führen, bringen erhöhte Gefahren für die Wanderer mit sich.
Wanderwege, die mitten durch morsche Fichtenbestände führen, bringen erhöhte Gefahren für die Wanderer mit sich. © Peter Dahm

Möhnesee – Wanderer, die am Möhnesee die Einsamkeit der Wälder suchen, haben es seit einigen Jahren schwer. Abgestorbene Fichtenbestände und abgeräumte Flächen bestimmen das Bild, und wo noch Fichten stehen, kommt eine besondere Gefahr hinzu: Die morschen Bäume können ohne Vorwarnung umstürzen. Noch gefährlicher wird es bei den anstehenden Frühjahrsstürmen.

Försterin Anna-Maria Hille vom Forstbetriebsbezirk Möhnesee warnt daher davor, Wälder bei stürmischem Wetter überhaupt zu betreten. Ansonsten empfiehlt sie Wanderern und Spaziergängern, die Routen mit Bedacht auszuwählen und Wege zu gehen, bei denen beiderseits die Fichten bereits gefällt sind. Wandertouren inmitten der riesigen Holzpolter seien vielleicht nicht so schön, zumal wenn die Wege durch die schweren Maschinen mitgenommen sind. „Aber“, so Hille, „ich würde lieber wasserfeste Schuhe anziehen und durch den Matsch laufen als mich in Gefahr begeben.“

Die umgeknickten Bäume zeigen an, dass jederzeit weitere Fichten umfallen und den Wanderer gefährden können.
Die umgeknickten Bäume zeigen an, dass jederzeit weitere Fichten umfallen und den Wanderer gefährden können. © Peter Dahm

Auch der regelmäßige Blick nach oben gebe keinerlei Sicherheit vor umstürzenden Bäumen oder abbrechenden Ästen. Wenn auf den Stämmen bereits die Fruchtkörper von Pilzen sitzen, sind sie schon stark zersetzt, oft sehe man den Bäumen äußerlich aber nicht an, wie brüchig sie inzwischen sind. „Manchmal sägt man einen Baum ab, und er ist von oben bis unten morsch“, warnt die Försterin. Nach drei Trockenjahren und den Folgen der Borkenkäferkalamität gehe sie jedoch davon aus, dass den Waldbesuchern die Gefahren vertraut sind. Das Betreten des Waldes erfolge zudem in Eigenverantwortung.

Ein Problem stellt die Gefahr des Windbruchs allerdings nicht nur für Wanderer und Spaziergänger dar, sondern auch für die Forstarbeiter. Unter den abgestorbenen Bäumen zu wirtschaften, sei sehr gefährlich, selbst wenn es windstill ist, erläutert die Fortsexpertin. Ob sich eine Aufarbeitung der abgestorbenen Flächen lohnt, hänge allerdings auch von der Marktlage ab. Sind die Stämme noch nicht dick genug oder schon morsch, entstehen lediglich Kosten aber keine Einnahmen.

Abzuwarten, bis alle Bäume umgefallen sind, ist aber auch schwierig. Bis ein Stamm komplett vermodert ist, kann bis zu zehn Jahre dauern. Bleibt alles ungeordnet liegen, könnten sich derweil Brombeeren und Adlerfarn ausbreiten. Auch für eine Naturverjüngung als preisgünstigste Lösung der Wiederbewaldung wäre es daher sinnvoll, das Reisig und die Stämme über die Rückegassen zu Wällen zusammenzuräumen.

Andererseits würde die Naturverjüngung unter den gegebenen Voraussetzungen, weil noch keine anderen Baumsamen in den Böden schlummern, vor allem Fichten und Birken hervorbringen. Der angestrebte artenreiche Mischwald, der dem Klimawandel eventuell besser standhalten kann, ergäbe sich so folglich nicht.

Das Betretungsrecht im Wald

Bei Sturm gilt, dass Wälder generell nicht betreten werden sollten. Ansonsten regelt das Landesforstgesetz in Abstimmung mit dem Bundeswaldgesetz, dass das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung und mit Blick auf die natur- und waldtypischen Gefahren auf eigene Gefahr gestattet ist. Zu den natur- und waldtypischen Gefahren zählen vornehmlich solche, die von lebenden und toten Bäumen, dem Aufwuchs oder dem natürlichen Bodenzustand ausgehen oder die sich aus der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes ergeben. Überlegungen, Bereiche des Waldes zu sperren, seien am Möhnesee wegen der Erholungsuchenden kaum realisierbar, so Försterin Anna-Maria Hille. 

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