Borkenkäferplage: Wiederaufforstung am Möhnesee wird sich Jahre hinziehen

+
Wiederaufforstungen großen Stils wie auf dieser Fläche des Ruhrverbands wird es den Forstbehörden zufolge in diesem Herbst kaum geben. Geplant ist wegen begrenzender Faktoren die Aufforstung vieler kleiner Flächen.

Möhnesee - Die Schäden nach Sturm, Trockenheit und Käferkalamität in den Fichtenbeständen werden immer sichtbarer, oft müssen die Bestände flächenweise abgeräumt werden. Die Wiederaufforstung wird allerdings auf sich warten lassen. Oft ist gar nicht genügend Pflanzgut vorhanden, schließlich dauert es vom Saatgut bis zum dreijährigen Setzling relativ lange, bis die Baumschulen liefern können.

„Wir werden in diesem Herbst insgesamt nur auf kleinen Flächen aufforsten können“, bestätigt Edgar Rüther vom Forstamt Rüthen. Neben den fehlenden Jungpflanzen liegt dies auch daran, dass die Forstbetriebe und Waldbauern noch immer mit der Aufarbeitung der geschädigten Fichtenbestände ausgelastet sind. 

Zudem ist noch fraglich, ob die Böden im Herbst bereits wieder ausreichend Feuchtigkeit gespeichert haben, so dass die Jungpflanzen auch angehen. Gibt es keinen nachhaltigen Niederschlag, ist die Gefahr von Ausfällen groß, erklärt Försterin Anna-Maria Hille vom Forstbetriebsbezirk Möhnesee mit seinen rund 130 Waldbauern. 

Hille plant derzeit deshalb, reihum jeweils kleinere Flächen aufzuforsten, so dass sich das Risiko eines Ausfalls auf alle Waldbauern verteilt. Die Aufforstung kleinerer Flächen sei zudem einfacher zu planen, da sowohl die Mischung der Baumarten als auch die konkreten Standortbedingungen berücksichtigt werden müssen. Je größer die Fläche, um so stärker können die Bedingungen variieren. 

Hilfreich sind für die Forstbezirke dabei Bodenkarten im Maßstab 1:5000, die vom Geologischen Dienst des Landes zur Verfügung gestellt wurden, erläutert Rüther. Faktoren wie Höhenlage, Wasserspeicher oder Nährstoffhaushalt könnten so leichter erfasst werden, um eine sinnvolle Mischung an Baumarten festzulegen. 

Die Auswahl der Baumarten ist allerdings mit Unsicherheiten behaftet, je nach dem, wie stark sich der Klimawandel weiter auswirkt. Sicher werde die Eiche in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen, so Rüther. Gerade die Traubeneiche komme auch mit trockeneren Standorten zurecht. Weißtanne, Douglasie, Lärche oder Kiefer sind weitere Kandidaten. 

Nach Einschätzung der Forstexperten wird sich die Wiederaufforstung viele Jahre hinziehen. Bei geeigneten Flächen kann zunächst aber auch die Naturverjüngung helfen, damit zunächst aus Erlen oder Birken überhaupt wieder Wald entsteht. Sind diese Pionierbaumarten groß genug, könnten in deren Schatten zum Beispiel junge, noch lichtempfindliche Buchen gesetzt werden, erklärt Rüther.

Waldbauern sind frustriert

Fichten sind schnellwüchsig und liefern ein vielseitig verwendbares Holz: Kein Wunder, dass sie für Waldbauern allein schon aus wirtschaftlichen Erwägungen überaus beliebt sind. 

Angesichts der Sturm- und Käferschäden sind viele Waldbauern derzeit jedoch frustriert. Für viele stellen die intensiv gehegten Bestände eine Art Altersvorsorge oder Sparkasse dar, berichtet Edgar Rüther vom Regionalforstamt Rüthen. Der Verkauf des vorzeitig geernteten Käferholzes deckt wegen des Preisverfalls kaum die Kosten für Holzeinschlag und Vermarktung. 

Dass Fichtenreinbestände mit einem hohen Risiko verbunden sind, war bekannt, so Rüther. Viele Waldbauern hätten bei Aufforstungen dennoch immer wieder auf diese Baumart gesetzt, nach dem Motto: „Einmal Fichte geht noch."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare