Der Wiederaufbau nach der Möhnekatastrophe

Nach der Bombardierung erfolgte relativ rasch der Wiederaufbau der Sperrmauer. Daran will die Ausstellung erinnern, die Karl-Heinz Wilmes und Jens Hoheisel im Liz aufgebaut haben. Parallel zum Wiederaufbau wurden Sicherungsmaßnahmen wie Torpedenetze aus Drahtgeflecht errichtet. - Fotos: Tenberge

Günne - Die Reparatur der im Mai 1943 zerstörten Sperrmauer dauerte nur wenige Monate, eine Ausstellung im Liz zeigt den harten Einsatz der Zwangsarbeiter.

Der 17. Mai 1943 ist vielen Einwohnern rund um den Möhnesee ein Begriff. Die Möhnekatastrophe und ihre Folgen sind über die Generationen hinweg weiter erzählt worden. Stehen für viele die persönlichen Schicksale der Einheimischen im Vordergrund, geht es in einer aktuellen Sonderausstellung im Liz, dem Landschaftsinformationszentrum Möhnesee, darum, wie es nach der Zerstörung der Sperrmauer weiter ging.

Noch am Tag der Katastrophe war Albert Speer, der Rüstungsminister des nationalsozialistischen Regimes, am Möhnesee, um den Wiederaufbau in die Wege zu leiten und schon im Oktober 1943 konnte mit dem erneuten Einstau des Möhnesees begonnen werden. Zu verdanken ist dies dem harten Einsatz der tausende Zwangsarbeiter, berichtet Karl-Heinz Wilmes, auf dessen umfangreiche Sammlung an Fotos und Texten die Ausstellung zurück geht. „Der Aufbau fängt schon am Tag nach der Zerstörung an“, so Wilmes. Beauftragt wurde die Organisation Todt, die für die Arbeiten an den zerstörten Stauanlagen am Möhnesee und am Edersee 7 000 Zwangsarbeiter von den Baumaßnahmen für den Atlantikwall abzog. Wilmes: „Die Organisation Todt war die Baumaschine des Dritten Reichs, spezialisiert auf den Betonbau für Bunker oder Verteidigungsanlagen.“

Die Organisation Todt wollte die riesige Bresche in der Mauer denn auch schlicht mit Beton verschließen, die Ingenieure des Ruhrverbands hätten aber deutlich gemacht, dass diese Art der Reparatur wegen der unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten von Beton und Bruchsteinmauer nie und nimmer dicht sein würde. Daher wurde die Reparatur mit Originalbruchsteinen aus Müschede durchgeführt.

Eine der ersten Maßnahmen war die Wiederherstellung der Kleinbahnstrecke für den Steintransport. Der Bereich zwischen der Günner Mühle, die heute das Liz beherbergt, und der Mauer wurde als Baustelle eingerichtet, auf der Wasser- und auf der Luftseite wurden Holzgerüste errichtet, ebenso kamen Kräne und Lastenaufzüge zum Einsatz. Die Arbeiten erfolgten sechs Tage pro Woche rund um die Uhr, und zwar ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen für die Menschen. „Die Arbeiter stehen über dem Abgrund“, schildert Wilmes mit Blick auf ein entsprechendes Foto: „Der Arbeits- und Zeitdruck führte immer wieder zu Unfällen.“ Dabei habe es auch etliche Tote gegeben, wie viele genau, ist jedoch nicht bekannt. Parallel zum Wiederaufbau wurden verschiedene Sicherungsmaßnahmen wie Torpedenetze aus Drahtgeflecht errichtet. Riesige Holzflöße vor der Mauer sollten verhindern, dass erneut eine Rollbombe vor der Mauer in die Tiefe sinken und dort explodieren konnte.

Dass die Ausstellung auf das Interesse der Besucher stoßen wird, davon ist Jens Hoheisel vom Liz überzeugt. „Es gibt viele Besucher, die extra wegen der Sperrmauer und ihrer Geschichte kommen.“ Gerade auch für die Zielgruppe der Schulklassen sei das Thema Möhnekatastrophe zudem oft neu und spannend.

„Operation Chastise“

Die Zerstörung der Möhnetalsperre durch ein britisches Bombergeschwader erfolgte in der Nacht auf den 17. Mai 1943. Im Rahmen der „Operation Chastise“ („Züchtigung“) wurden Angriffe gegen fünf Talsperren im Sauerland und im Waldecker Land geflogen. Eingesetzt wurden eigens entwickelte Rollbomben, die über das Wasser bis vor die Mauer hüpfen, dort in die Tiefe sinken und dann detonieren sollten. Nach der Zerstörung fielen der Flutwelle rund 1 600 Menschen zum Opfer, darunter mehr als 1 000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene aus den Barackenlagern bei Neheim. Mehr unter www.lwl.org/westfaelische-geschichte/ unter dem Unterpunkt „Ereignisse“.

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