Schöne Bescherung

Forschungsprojekt mit Folien: Das verbirgt sich unter Verpackungen im Arnsberger Wald

Folienlager im Arnsberger Wald
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Die verpackten Stämme – es handelt sich um Abschnitte, nicht um komplette Stämme – wurden direkt nach dem Fällen im Mai 2019 eingelagert. Seitdem wird alle sechs Monate eins dieser Folienlager geöffnet.

Es hat was von Weihnachten, wenn Dr. Bertram Leder und seine Kollegen vom Landesbetrieb Wald und Holz in Arnsberg ans Auspacken gehen. Wobei in diesem Fall die Überraschung nicht unter einem Baum liegt, sondern Bäume die Überraschung sind. Für ein Forschungsprojekt wurden sie sorgsam verpackt, damit sie schön frisch bleiben. Wie frisch genau, das ist die Frage – mit durchaus überraschenden Antworten.

Möhnesee – Sie dürften schon vielen Besuchern an verschiedenen Stellen im Arnsberger Wald aufgefallen sein: Große „Pakete“, in robuste Folien eingeschlagen, mitten im Forst – beschriftet mit einigen Zeilen, die zumindest grundsätzlich erklären, was das eigentlich am Wegesrand ist. Genauer beschreiben kann das Bertram Leder, was damit zu tun hat, dass er der „Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft“ beim Landesbetrieb ist – und diese auffälligen „Pakete“ im Wald platziert hat.

„Das sind insgesamt zehn Lager, in denen jeweils 300 Festmeter Fichtenholz rundum eingeschweißt sind“, erklärt er. Die derart verpackten Stämme, es handelt sich um Abschnitte, nicht um komplette Stämme, wurden direkt nach dem Fällen im Mai 2019 eingelagert. Seitdem wird alle sechs Monate eins dieser Folienlager geöffnet – und die Arnsberger Forscher haben so gleich zwei schöne berufliche Bescherungen pro Jahr.

Denn die bisher gewonnenen Erkenntnisse aus diesem Versuch, der in der gesamten Forstwirtschaft mit großem Interesse beobachtet wird, sind erfreulich: Den Borkenkäfern, die den Fichten den Garaus gemacht hatten, geht buchstäblich die Puste aus – sie sterben mangels Sauerstoff innerhalb weniger Tage und können das geschlagene Holz nicht weiter zerfressen und damit für viele Weiterverwendungen unbrauchbar machen.

Das ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Bekanntlich werden riesige Mengen an Fichtenholz geschlagen und in den Wäldern zwischengelagert, weil sie einfach nicht schnell genug abtransportiert werden können. Ohne „Rundum-Schutz“ setzen Borkenkäfer und Pilze ihr zerstörerisches Werk in diesem gelagerten Holz fort.

Die bisher gewonnenen Ergebnisse machen Mut: Der Einsatz der auch aus der Landwirtschaft bekannten Folien (siehe Infokasten) könnte eine Alternative zur aufwändigen Nasslagerung sein, vorausgesetzt, es dringt wirklich kein Sauerstoff ein. Das wird einmal wöchentlich mit Gasmessungen kontrolliert.

Das Verfahren

Entwickelt wurde das Verfahren der Folienlagerung von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und der Technischen Universität Dresden in Tharandt. Der NRW-Landesbetrieb Wald und Holz will wissen, ob das Verfahren geeignet ist, um durch den Borkenkäfer geschädigtes Fichtenholz längere Zeit ohne Qualitätsverlust zu lagern und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit zu erhalten. Verwendet wird dafür Folie aus UV-beständigem Polyethylen, die in der Landwirtschaft auch als Silofolie verbreitet ist.

Nach Kyrill im Jahr 2007 hatte es bereits ähnliche Lagerungsversuche gegeben, damals waren die Polter allerdings nur von oben abgedeckt und an den Rändern mit Erde beschwert worden. „Von unten konnte da aber Luft dran, deshalb waren die Ergebnisse unbefriedigend“, erinnert sich Dr. Leder.

Das sieht bei den Folienlagern im Arnsberger Wald bislang anders aus: Weil alle Verrottungsprozesse gestoppt wurden, sei das Holz „frisch wie am ersten Tag“ und habe eine „Top-Qualität“, versichert Leder. Er hofft, dass es Waldbauern so möglich werde, auf schwankende Situationen am Holzmarkt reagieren zu können, ohne gravierende Qualitätsverluste am Holz in Kauf nehmen zu müssen.

Ob das auch für (noch) längere Zeiträume gilt, wird sich bald herausstellen: Am 17. August wird das Team von Bertram Leder das nächste Folienlager öffnen – und auf eine weitere schöne Bescherung hoffen.

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