Gemeinde verkauft das Grundstück "Westfälischer Hof"

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Der Westfälische Hof in Körbecke ist am 10. Mai 1977 abgebrannt.

Körbecke – Jahrelang stand nach dem vernichtenden Brand des Westfälischen Hofs Ende der 1970er Jahre in Körbecke die Frage im Raum, ob auf dem Grundstück Ecke Seestraße/Fährenweg erneut ein Hotelbau entstehen könnte. Das hat sich inzwischen erledigt, die Gemeinde hat das Grundstück, das sie einige Jahre nach dem Brand erworben hatte, jetzt zum Verkauf ausgeschrieben.

Ziel ist gemäß Inserat eine verdichtete Bebauung, also etwa Mehrfamilienhäuser mit mehreren Wohneinheiten, Einfamilienhäuser sollen dort nicht entstehen. Wie Bürgermeister Hans Dicke erläuterte, wurde der Bebauungsplan in den vergangenen Jahren entsprechend dieser Zielsetzung angepasst. Auch als Fläche für Parkplätze war das Grundstück schon mal in Erwägung gezogen worden, bei einer Größe von 2 001 Quadratmeter und angesichts der Lage wäre dies allerdings keine Musterlösung gewesen. 

Für die jetzt angestrebte Nutzung hat die Gemeinde mit einem benachbarten Grundstückseigentümer zudem einen Flächentausch vorgenommen. Dadurch wurde einerseits der Neubau ermöglicht, der westlich der Hauptfläche bereits errichtet wird, für die Gemeinde ergibt sich der Vorteil, dass der Fußweg zum Kurpark etwas erweitert werden kann. 

Der Fußweg von dem Kreisverkehr aus, der aktuell diagonal über das Grundstück verläuft, wird im Fall des Verkaufs und der Nachnutzung allerdings ein Stück Richtung Süden verlegt. 

Allzu konkrete Vorgaben bezüglich der Art der Nutzung, also etwa durch den Bau von Sozialwohnungen, will die Gemeinde nicht machen. Sie behält sich jedoch vor, aus den Vorschlägen der Investoren den gelungensten auszusuchen, so Dicke. Ausdrücklich wird in der Anzeige daher darauf hingewiesen, dass nicht unbedingt der Meistbietende den Zuschlag erhält.

Über den Zustand des Grundstücks hat die Gemeinde zudem ein Bodengutachten erstellen lassen, nach dem Brand wurden die Kellerräume der ehemaligen Gaststätte wohl mit dem Bauschutt der Brandruine verfüllt und eingeebnet. Details und das Bodengutachten stehen auf der Internetseite der Gemeinde.

Bis zu dem vernichtenden Brand galt der Westfälische Hof, der mit Stichworten wie „großer Saal“ oder „schöne Gesellschaftsräume“ warb, als ein Zentrum des Körbecker Dorflebens. Der vernichtende Brand ist zwar schon 42 Jahre her, das Gebäude wurde später dem Erdboden gleich gemacht. Doch der Name „Westfälischer Hof“ hat sich bis heute in Körbecke gehalten. Vielleicht liegt es daran, dass die Karnevalisten hier gerne ihre Feiern abgehalten haben, auch der Körbecker Karnevalsumzug klang regelmäßig hier aus. 

Zum letzten Mal muss dies im Jahr 1977 gewesen sein, denn am 10. Mai jenes Jahres hatte ein Lastwagenfahrer, der auf der damals dort verlaufenden B 516 unterwegs war, das Feuer bemerkt und einen Anwohner alarmiert, der wiederum die Feuerwehr rief. Entstanden war das Feuer damaligen Anzeiger-Artikeln zufolge nicht in der Gaststätte selbst, sondern in den direkt angrenzenden Räumen der „Seekiste“, einem Fachgeschäft für Segelzubehör. 

Von dort griff das Feuer so schnell auf den Westfälischen Hof über, dass es fast ein aus dem Ruhrgebiet stammendes Mädchen ereilt hätte, das in dem Hotel schlief. Das Mädchen wurde von der Feuerwehr geweckt und in Sicherheit gebracht. 

Der stattliche Hauptgiebel der Gaststätte stand zwar nach dem Brand noch, hinter dem Fachwerkgiebel hatte das Feuer jedoch ganze Arbeit geleistet, der Gebäudekomplex war so nachhaltig zerstört, dass ein Wiederaufbau nicht in Frage kam. Die Brandursache konnte seinerzeit nicht ermittelt werden. Eine Selbstentzündung oder ein technischer Defekt an der Elektroinstallation in den Räumen der „Seekiste“ wurden ausgeschlossen. Deswegen liefen die Ermittlungen in Richtung Brandstiftung, bestätigt werden konnten dies jedoch nicht.

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