Weihnachtsbaumgeschäft läuft an: Tannen von Kyrill-Flächen überschwemmen den Markt

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Bei den großen Anbietern wandern die Weihnachtsbäume säuberlich eingenetzt für den Transport in große Container.

Möhnesee – Aus der Baumkultur direkt ins Wohnzimmer, das ist der vorgezeichnete Weg für die Weihnachtsbäume, langsam läuft das diesjährige Verkaufsgeschäft an. Sorgen, keinen Baum abzubekommen, müssen sich die Kunden trotz der extremen Trockenjahre, der Stürme und der Borkenkäferplage aber nicht machen. Tatsächlich gibt es nach Auskunft von Hansfriedrich Winter derzeit sogar ein Überangebot, das auf die Preise drückt.

Der Grund: Normalerweise stehen Weihnachtsbaumkulturen auf landwirtschaftlichen Flächen, nach den Sturmschäden durch Kyrill, der im Januar 2007 über das Land hinweg fegte, wurden im Sauerland jedoch viele Waldflächen mit Nordmanntannen bepflanzt. Möglich war dies, weil Nordmanntannen als Waldbaum anerkannt sind. Inzwischen haben diese Bäume die vermarktungsfähige Größe erreicht und kommen in großer Zahl auf den Markt. Der Möhneseer vermarktet die auf zwei Hektar Fläche gezogenen Bäume jedoch im Nebenerwerb selbst und häufig an Stammkunden. 

Nordmanntannen vertragen Trockenheit besser

Die große Trockenheit der vergangenen Jahre machte den Nordmanntannen, die im Gegensatz zu den Fichten Pfahlwurzeln aufweisen, nicht so viel aus. Die frisch gesetzten Jungpflanzen habe er allerdings bewässern müssen, sonst wären sie eingegangen, berichtet Winter. Einen gewissen Aufwand erfordert auch das Einzäunen der Kulturen, um Verbiss-Schäden zu vermeiden. Die ins Gerede gekommenen Sikahirsche gibt es nördlich der Haar zwar nicht, wohl aber Rehe, die gerne die jungen Triebe abknabbern; die Böcke malträtieren die Bäume auch gern, um die Basthaut vom Gehörn abzustreifen. 

Hinzu kommt die Pflege der Kulturen durch das Mähen des Grasbewuchses. Und gegen bestimmte Schädlinge wie die Sitkafichtenlaus oder andere Insekten muss zudem gelegentlich gespritzt werden. Allerdings in Maßen, wie Winter betont. Denn die Spritzmittel seien teuer, der Arbeitsaufwand mit der Rückenspritze sei hoch. Die Kunden hätten zwar lieber ungespritzte Bäume, aber Käfer, die zu Weihnachten durchs Wohnzimmer krabbeln, wollten sie auch nicht. Gerade für kleine Betriebe ohne Maschineneinsatz ist der Arbeitsaufwand hoch. „Man ist ständig in den Bäumen drin“, berichtet Winter. Er sehe die Arbeit aber als Ausgleich zu seinem Beruf in der Gemeindeverwaltung. 

Das andere Ende des Spektrums vertritt zum Beispiel die Firma „Antonius Nieder Baumschulen“ in Bestwig-Heringhausen. Dieser Betrieb hat in der Gemeinde Möhnesee bei Echtrop ebenfalls Weihnachtsbaumkulturen, bedient aber ausschließlich den Weihnachtsbaumgroßhandel. Verladen werden getopfte und gesägte Weihnachtsbäume auf verschiedenen Ladungsträgern wie zum Beispiel Europaletten – und das „Just in Time“, wie es auf der Internetseite heißt.

27 Millionen Weihnachtsbäume wurden 2018 verkauft

Laut dem Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger wurden 2018 etwa 27 Millionen Weihnachtsbäume abgesetzt. Die Kunden würden insgesamt eher kleinere Baumgrößen zwischen 1,50 und 1,75 Meter bevorzugen, dabei steige jedoch der Anspruch an makellose Bäume. Die Nordmanntanne sei mit Abstand der am beliebtesten, gefolgt von Blaufichte, Rotfichte und Nobilistanne. In vielen Regionen habe es 2018 und 2019 an ausreichendem Niederschlag gefehlt, die Nordmanntanne, aus dem Kaukasus stammend, könne Trockenzeiten mit ihrer ausgeprägten Pfahlwurzel jedoch gut aushalten.

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