Möhnesee: Ein Schloss im Dornröschenschlaf

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Eingezäunt: Waldschloss St. Meinolf bei Neuhaus ist nicht mehr zugänglich.

Möhnesee - Ringsum eingezäunt, so präsentiert sich fünf Jahre nach Übernahme des Waldschlosses St. Meinolf durch einen Privatinvestor das märchenhafte Haus St. Meinolf an der Heve.

Vor einigen Jahren war hier noch reger Betrieb, Sonntagsnachmittags wanderten Möhnesee-Besucher gerne vom Torhaus hinunter zum Schloss. Hier konzertierte ein Pianist für die Gäste, die auf der Terrasse Kaffee und Kuchen sowie den idyllischen Blick hinunter zum Flüsschen ins Grüne genossen. Jetzt stehen manchmal ein paar Autos vor der Tür. Ab und zu sind auch Personen zu sehen. Zu erfahren ist aber so gut wie nichts. Auch bei der Gemeinde Möhnesee gibt es zum Domizil keine neuen Informationen. Der Besitzer wolle das Anwesen privat nutzen, war bisher die Auskunft. Private Nutzung ist allerdings auch das gute Recht des Eigentümers. Es handelt sich ja trotz der Anmut und der besonderen Lage mitten im Wald noch nicht einmal um ein Denkmal.

Café und Restaurant passé

Aber es ist im Gegensatz zu früher, abgeschottet. „Privat“ – so steht es seit 2014 unmissverständlich auf einem Schild an einer Absperrung der Einfahrt zum herrschaftlichen Waldschlösschen St. Meinolf zu lesen. Nachforschungen des Anzeiger hatten damals ergeben, dass das mit Türmchen geschmückte Fachwerk-Ensemble, das bis März 2013 als Hotel- und Restaurantbetrieb geführt worden war, einen neuen privaten Besitzer bekommen hat. 

Wilhelms- oder Conradsruh

Das Jagdschloss Sankt Meinolf (ursprünglich Wilhelmsruh, später auch Conradsruh) wurde ab 1891 vom Architekten Graf von Hardenberg aus Kiel für den Bankier Conrad Heinrich II. von Donner und dessen Sohn gebaut. Es handelt sich um ein ehemaliges herrschaftliches Wohnhaus im Naturschutzgebiet Arnsberger Wald bei Neuhaus und gehört zum fünf Kilometer nördlich gelegenen Stockum. Das Waldschloss ist der letzte Schlossbau im Sauerland. Wie und weshalb die Familie von Donner die Besitzung im Arnsberger Wald mit großen Waldflächen erwarb und als so genannten Fideikommiss (ungeteilt im Besitz eines Familienmitgliedes) führte, ist nicht bekannt. Nach dem Tod von Conrad Hinrich (III.) von Donner im Jahr 1911 benannte der Erbe Conrad Hinrich (IV.) von Donner den Bau in Conradsruh um. 

Sika-Wild hier eingeführt

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Familie von Donner infolge ihrer Beziehungen zum Hamburger Tierpark Hagenbeck in der Umgebung des Anwesens nicht-heimisches Wild ansiedelte. Die meisten Arten davon sind inzwischen verschwunden. Lediglich das Sikawild, das gelegentlich durch die Zäune entschlüpfte, konnte sich bis heute behaupten und ist mittlerweile so weit verbreitet, das sogar schon der Abschuss diskutiert wurde. Wirtschaftskrise zwang zum Verkauf Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise musste die Familie von Donner den Besitz in den 1930er Jahren verkaufen.

Mehrfacher Besitzerwechsel

In der Folge wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer. Nach Übernahme durch Wilhelm von Opel hieß der Besitz erneut Wilhelmsruh. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bau von der britischen Militärverwaltung übernommen. Seit 1947 lautet Name St. Meinolf Seit 1947 heißt das Schloss St. Meinolf, nachdem das Erzbistum Paderborn dort eine Bildungsstätte eingerichtet hatte. Bis 1980 hatte die Kirche den Besitz von der Familie von Opel gepachtet. Danach wurde er an das Generalvikariat des katholischen Militärbischofs, Soldatenseelsorge GmbH verkauft. In der Folge wurde der Bau restauriert.

Erholungsheim für Soldaten

Neu errichtete Nebengebäude wie die Kapelle wurden in vergleichbarem Stil errichtet. Das Schloss sollte ab 1982 katholischen Soldaten als Erholungsort religiöser Weiterbildung und Diskussion dienen. Bereits 1998 verkaufte die Kirche den Bau allerdings wieder. Danach wechselte er erneut mehrfach den Besitzer. Unter anderem war auch ein Chinese Eigentümer. Ein Hotel- und Gastronomiebetrieb, den ein Holländer aufgezogen hatte, wurde 2013 geschlossen. Seit 2014 ist das Schloss in Privatbesitz.

Reiches Fachwerk, rundbogige Fenster

Charakteristisch am Haus St. Meinolf sind die rundbogigen und rechteckigen Fenster in Steinfassungen. Bemerkenswert ist das reiche Fachwerk in den Obergeschossen. Die Krüppelwalmdächer sind vielgestaltig. Das Haus wird durch einen dekorativen Turm mit Pyramidendach und einen Laternenaufsatz ergänzt. In der Nähe steht auch das denkmalgeschützte Forsthaus Wilhelmsruh. Das abgewinkelte Wohnhaus wurde 1914 mit offenen Arkaden als Eingangsbereich und einer darüberliegenden Loggia errichtet. Überdies ist das Torhaus bekannt, das heute bei Ausflüglern höchst beliebte Landhotel mit Restaurant und Cafébetrieb. Es handelt sich dabei übrigens tatsächlich um die ehemalige Toreinfahrt zum Schloss Wilhelmsruh, heute St. Meinolf.

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