Eigentümer wollen Flächen aufgeben

Sturm und Käferplage: Viele kleine Waldbesitzer haben genug

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Im Hevetal zwischen Neuhaus und Hirschberg sind die Veränderungen nach Sturmschäden und Käferbefall deutlich zu erkennen.

Möhnesee – Erst die Stürme „Kyrill“, „Friederike“ und „Eberhard“, dazu die große Trockenheit im vergangenen Jahr und jetzt eine Borkenkäferkalamität, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind. Die Forstwirtschaft hat aktuell mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen. Und das nicht nur wegen der vielen Arbeit, die durch die Sturmschäden und die Wiederaufforstung entstehen. In der Folge wollen vor allem Eigentümer von kleinen Waldflächen aufgeben. 

Weil die Holzpreise im Keller sind, lässt sich der Aufwand für die Arbeiten im Forst kaum wieder reinholen. Aktuell sowieso nicht, und auf die Früchte der Wiederaufforstung können allenfalls die nachfolgenden Generationen hoffen. 

„Ungünstiger kann es eigentlich nicht laufen“, resümiert Reinhard Klöne, der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee (FBG), die Entwicklung der jüngsten Zeit. Es sei derzeit schwierig, überhaupt noch eine Rendite zu erwirtschaften. 

Das belegen die aktuellen Zahlen. Aufgrund der europaweiten Borkenkäferkalamität sind die Holzpreise dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW zufolge von 80 bis 90 Euro auf 40 bis 50 Euro pro Kubikmeter Fichtenstammholz im ersten Quartal 2019 gefallen. 

Die befallenen Fichten müssen schnell aus dem Wald, um die Verbeitung der Borkenkäfer gering zu halten.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt, Stichtag 15. März, je nach Stärkeklasse Erlöse von 35 bis 70 Euro je Raummeter Fichtenstammholz der Güteklasse B/C. Bei Fichtenindustrieholz liegen die Erlöse je nach Qualität pro Raummeter bei 15 bis 28 Euro. 

Abzuziehen sind diverse Kosten. Allein der Aufwand für Einschlag und Rückearbeiten macht bei der Ernte von Nadelstammholz Experten zufolge 20 bis 24 Euro je Festmeter aus, weitere Kosten entstehen unter anderem für die Vermarktung. Zu berücksichtigen ist zudem, dass es Jahrzehnte dauert, bis ein Fichtenbestand schlagreif ist. 

Mancher Waldbauer hat deshalb inzwischen genug. Das gilt gerade für die Eigentümer kleiner und kleinster Waldparzellen, die durch Erbgang irgendwann an ein paar Hektar eigenen Waldes gekommen sind, und von denen es gerade im Bereich Möhnesee recht viele gibt. 

Er kenne mehrere Kleinsteigentümer, die verkaufen wollen, bestätigt Klöne. Dass wirtschaftlich harte Zeiten vermehrt zu Verkäufen führen, berichtet auch Edgar Rüther, der Leiter des Regionalforstamts Rüthen: „Wir sehen nach jeder Kalamität, dass einzelne Waldbesitzer keine Lust mehr haben.“ 

Bisweilen ergebe sich dann eine Art Flurbereinigung, weil die kleinen Flächen von benachbarten Waldbauern aufgekauft werden. Wenn sich dadurch größere, zusammenhängende Waldparzellen ergeben, sei dies für die Eigentümer ebenso wie für die Beförsterung immerhin ein gewisser Vorteil. 

Wegen der Mengen an Sturm- und Käferholz sind die Preise drastisch gefallen, eine rendite ist kaum noch drin, so die Waldbauern.

Klar ist auch, dass die Waldbauern wegen der Aufarbeitung der Sturmschäden und der Borkenkäferkalamität eine Menge zu tun haben. „Bäume, wo der Käfer drin sitzt, müssen raus“, bekräftigt Klöne. Dabei arbeite die FBG Möhnesee inzwischen mit der Firma HKS – Holzkontor Sauerland zusammen: „Das klappt sehr gut, aber man muss das Holz natürlich auch los werden.“ Als Puffer dienen wegen der Marktübersättigung Nasslager wie das bei Günne. 

Sind die geschädigten Flächen tatsächlich geräumt, steht noch die Wiederaufforstung an. Grundsätzlich fordert der Gesetzgeber, dass auf einer forstlichen Fläche wieder Wald entstehen muss. 

Auch das wird, wie Rüther bestätigt, manchem Waldbesitzer zu kostspielig; zumal, wenn gar nicht klar ist, welche Baumarten und Mischwaldformen angesichts der Klimaveränderungen längerfristig in Frage kommen könnten. 

Rüther berichtet, dass mancher Waldbauer deshalb gar nichts macht und auf die Naturverjüngung setzt. Birken stocken schließlich fast überall, daher komme es höchst selten so weit, dass Flächen auf Weisung des Landes wieder aufgeforstet werden müssen.

Konzepte für die Aufforstung

So gravierend die Probleme nach Sturm, Trockenheit und Käferkalamität sind, Reinhard Klöne von der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee geht dennoch davon aus, dass die Fichte der „Brotbaum“ der hiesigen Waldbauern bleibt. 

Eine Bewirtschaftung mit Laubbäumen sei aufwendig und das Eschentriebsterben oder die Komplexerkrankungen bei Eichen bereiteten ebenfalls Probleme. Gute Erfahrungen habe er mit einem Mischbestand aus Lärche und Buche gemacht, erläutert Klöne. Küstentanne, Weißtanne oder die schnellwüchsige Douglasie seien als Alternativen ebenfalls im Gespräch. 

Entscheidungshilfen für unterschiedliche Waldstandorte und empfehlenswerte Mischwaldformen erarbeitet der Landesbetrieb Wald und Holz derzeit, berichtet Edgar Rüther und kündigte für voraussichtlich Ende Juni eine entsprechende Informationsveranstaltung des Regionalforstamtes an.

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