Zusammenhang mit Verfahren gegen Elitesoldat Philipp S.?

Neue Fragen zu mysteriösem Munitionsfund im Möhnesee

Einen ganzen Koffer mit Munition holten Taucher im Februar 2018 aus dem Möhnesee
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Einen ganzen Koffer mit Munition holten Taucher im Februar 2018 aus dem Möhnesee. Ob der Fund in Zusammenhang mit dem Fall des Elitesoldaten Philipp S. steht, bleibt aber wohl unklar.

Diese Spur verläuft nicht im Sande, sie verliert sich im Wasser: Ob eine größere Menge Munition, die im Winter 2018 im Möhnesee gefunden wurde, im Zusammenhang mit dem erst vor kurzem beendeten Verfahren gegen einen ehemaligen Elitesoldaten der Spezialeinheit KSK steht oder nicht, lässt sich weder bestätigen noch widerlegen.

Möhnesee – Am 14. Februar 2018 bergen Polizeitaucher unterhalb der Delecker Brücke einen Metallkoffer aus rund 18 Meter Wassertiefe, den Hobbytaucher dort zuvor zufällig gefunden und, neugierig geworden, geöffnet hatten. Als sie die Brisanz des Inhaltes erkannten, er enthielt Muniton, schlossen sie den Koffer wieder und meldeten den Fund der Polizei.

Koffer und Inhalt werden zur weiteren Untersuchung abtransportiert. Später teilt die Polizei das Ergebnis dieser Untersuchungen mit: Es handelt sich sowohl um scharfe Patronen, darunter auch für Pistolen, als auch um Übungsmunition für Sturmgewehre, wie sie bei der Bundeswehr für Manöverübungen verwendet wird. Das bestätigt jetzt, mehr als drei Jahre später, auch ein Sprecher der Arnsberger Staatsanwaltschaft.

Ebenfalls bestätigt wird von ihm, dass es damals nicht möglich gewesen sei, die Herkunft der Munition zu klären – dazu habe es keinerlei Markierungen auf den Patronen gegeben, die eine Rückverfolgung ermöglicht hätten. Damit habe es auch keine Möglichkeit gegeben, zu klären, aus welchen Beständen die Munition kam, wer sie offensichtlich von der Brücke ins Wasser warf und warum das geschah. Klar sei nur: Sehr lange hat der Koffer mit seinem explosiven Inhalt nicht im Wasser gelegen. Mit diesen ausgesprochen dürftigen Erkenntnissen sei die Munition, so die Staatsanwaltschaft, anschließend fachgerecht entsorgt worden.

Ermittlungen in Berlin

Keine Munition, keine Erkenntnisse, aber Fragen, die wohl unbeantwortet bleiben werden - das bleibt vom Zufallsfund im Möhnesee vor drei Jahren. Die Fragen haben einige Mitglieder des Verteidigungsausschusses im Bundestag: Sie versuchen mit ihren Mitteln die Hintergründe der Aktivitäten des ehemaligen Soldaten Philipp S. zu klären, der im vergangenen März zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, weil er bei seiner KSK-Einheit in Calw größere Mengen Munition und auch Sprengstoff entwendet hatte.

Nach Anzeiger-Informationen sehen Mitglieder des Verteidigungsausschusses Anhaltspunkte für eine Verbindung zwischen S. und dem Hammer Sicherheitsunternehmen „Asgaard German Security Guards Consulting GmbH“. Dort hatte es am 19. Februar dieses Jahres eine Razzia gegeben, über deren Gründe die Generalbundesanwaltschaft in Wiesbaden damals nur erklärt hatte, sie sei im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren der Behörde erfolgt. Ob es sich dabei um Ermittlungen im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Philipp S. gehandelt hat, blieb auch nach einer Anfrage des Anzeiger am Donnerstag unklar: Eine Sprecherin lehnte jeden Kommentar dazu ab.

Allein die geografische Nähe zwischen Hamm und dem Möhnesee rückte den Munitionsfund im Möhnesee jedenfalls ins Visier des Verteidigungsausschusses. Aus dem hieß es am Donnerstag, die Untersuchung der Patronen hätte sehr wohl Erkenntnisse auf die Herkunft bringen müssen, da jede einzelne Hülse mit einer Nummer versehen sei, die eine Charge bezeichne – und damit weitere Rückschlüsse erlaube. Aufklären lässt sich dieser Widerspruch mit der Entsorgung der Munition nicht mehr.

Möglicherweise gibt es aber in der kommenden Woche zumindest noch Antworten auf eine mögliche Verbindung zwischen dem Munitionsdiebstahl von Philipp S. und dem Sicherheitsunternehmen in Hamm, dem Verbindungen in rechtsextreme Kreise nachgesagt werden: Die entsprechenden Fragen wollen Mitglieder des Verteidigungsausschusses dann im Rahmen einer Sondersitzung stellen.

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