Totschlag-Prozess [Update 17.20 Uhr]

Urteil wird erst im Februar gesprochen

ARNSBERG/KÖRBECKE - Das Urteil gegen den Angeklagten Stephan G. wird frühestens am 2. Februar erwartet. Nachdem der Verteidiger des Angeklagten das medizinische Gutachten erst intensiver studieren will, wurde die Verhandlung vertagt.

Damit das Gericht beide Plädoyers direkt hintereinander hören kann, wurde für den 2. Februar ab 9 Uhr ein weiterer Termin angesetzt.

So verliefen die ersten Verhandlungstage:

Nebenklage verliert Vertrauen in Richter

Fortsetzung im Möhneseer Totschlag-Prozess

Unterbringung in Erziehugsanstalt?

Am siebten Verhandlungstag im so genannten Totschlagsprozess wurde am Dienstagmittag der sachverständige Mediziner Dr. Martim Bredendiek, Chefarzt am Klinikum Arnsberg, als Zeuge gehört.

Er sollte die notfall-medizinische Behandlung des Opfers begutachten, weil die Verteidigung vermutet, dass Beruhigungsmittel den Tod des Opfers im Klinikum Dortmund begünstigt haben könnten.

Der Sachverständige erläuterte minutiös die Behandlung des Opfers durch die Notärzte vor Ort in Körbecke, im Rettungshubschrauber und im Klinikum Dortmund. Die Behandlung sei korrekt nach den Leitlinien erfolgt, stellte er fest.

Keine exakte Aussage zur Todesursache möglich

Das Erkrankungsbild des Opfers sei mit Alkoholkrankheit, Nervenschädigungen, Schädigung von Organen, schlechten Blutwerten und den Verletzungen an Kopf und im Körper indes so komplex, dass gemäß seiner Dokumentationen über die genaue Todesursache nichts Exaktes gesagt werden könne, insbesondere nicht, ob die Beruhigungsmedikamente den Tod des Opfers mit verursacht haben könnten.

Nach den Ausführungen des Mediziners legte der Strafverteidiger des Angeklagten zwei weitere Beweisanträge vor. Zum einen wollte er die Eltern des Angeklagten befragen, die über einen Krampfanfall des Opfers einige Zeit vor dem tödlichen Vorfall berichten sollen.

Beide Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt

Zum zweiten verlangte er einen Ortstermin, um zu dokumentieren, dass Stürze im Badezimmer des Opfers und des Angeklagten zu schweren Verletzungen hätten führen können. Das Gericht lehnte diese Antrage nach einer Beratungspause ab und schloss damit die Beweisaufnahme ab.

Bei der Erörterung der weiteren Vorgehensweise teilte der Verteidiger mit, dass er sich mit den drei umfangreichen medizinischen Gutachten des Falles zunächst näher auseinandersetzen möchte, bevor er sein Plädoyer halten könne.

Zudem müsse er noch am Tage eine länger geplante Urlaubsreise antreten und sei deshalb unter Zeitdruck. Das Gericht zeigte sich verständnisvoll und auch Staatsanwalt Marco Karlin stimmte einer Verschiebung zu, zumal für Plädoyers, Urteilsberatung und Urteilsverkündung nebst Begründung am Nachmittag nicht mehr viel Zeit blieb.

Welche Rolle spielte schwere Alkoholkrankheit?

Gaby L. war am 16. März in ihrer Wohnung im Graureiherweg von Rettungskräften bewusstlos, stark unterkühlt und mit sehr niedrigem Blutdruck aufgefunden worden und am folgenden Montag in einer Spezialklinik in Dortmund gestorben.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Nachbarn und Freund, Stephan G. aus Werl, seine Bekannte so schwer verletzt zu haben, dass sie einer Gehirnblutung erlag. Der Angeklagte beteuert bisher seine Unschuld.

Gaby L. sei aufgrund ihrer schweren Alkoholkrankheit regelmäßig gestürzt und habe sich dabei die vielen Blutergüsse am Körper und wohl auch die todbringende Kopfverletzung zugezogen.

Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge oder Freispruch

Das Schwurgericht um Vorsitzende Richterin Dorina Henkel muss entscheiden, ob der Angeklagte des Totschlags schuldig ist, ob es lediglich Körperverletzung mit Todesfolge war oder ob der Angeklagte gar mangels klarer Beweise und ohne Vorliegen einer Tatwaffe nicht-schuldig zu sprechen ist.

In der vorhergehenden Verhandlung stimmte der schwer alkoholkranke Werler einer Einweisung in eine Entziehungsanstalt zu, nachdem dies die psychiatrische Gutachterin vorgeschlagen hatte. Daher scheint es nicht unwahrscheinlich, dass das Gericht diese Entziehung in das Urteil hineinschreiben wird. - dümi

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