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Umstrittener Maststall bei Berlingsen: Landwirt zieht Antrag zurück

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Von: Astrid Gunnemann

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Die Bürgerinitiative BI Berlingsen gab ihrem Protest auch sichtbaren Ausdruck
Die Bürgerinitiative BI Berlingsen gab ihrem Protest auch sichtbaren Ausdruck. © Thomas Brueggestrasse

Das war’s. Der Landwirt aus Berlingsen, der die Errichtung eines großen Hähnchenmastbetriebs plante, hat seinen Antrag bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Kreis Soest, zurückgezogen. Eine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung wollte er dazu nicht abgeben.

Berlingsen – Erste Pläne für den Bau von zwei Hallen waren im Herbst 2020 bekannt geworden. Der Berlingser hatte geplant, auf einer Fläche zwischen dem Haarweg und „Prozessionsweg“, unweit des Tollpostes, zwei Hähnchenmastställe für jeweils rund 40 000 Tiere zu bauen. Der Kreis sollte die nötige Prüfung der Umweltverträglichkeit eines solchen Betriebs prüfen, auch mit Blick auf die zu erwartende Immission.

Schnell regte sich Widerstand gegen die Pläne des Landwirts. Manche Anwohner befürchteten Gestank durch die zahlreichen Tiere und fürchteten verstärkten Verkehr durch den An- und Abtransport der Tiere. Auch Natur- und Tierschützer traten schnell auf den Plan, kritisierten das Vorhaben als „nicht in die Zeit passend“ und „umweltschädigend“. Auch in der Politik und im Rat der Gemeinde Möhnesee wurde das Vorhaben kontrovers diskutiert.

Erörterungstermine mit dem Kreis Soest mussten wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Eine Liste der Einwände, die beim Kreis Soest vorgebracht wurden, ist lang. Auch die Gemeinde Möhnesee hatte ihr gemeindliches Einvernehmen verweigert. Eine Bürgerinitiative, BI Berlingsen, wurde aktiv, es gab Protestaktionen unter anderem auf dem Wochenmarkt in Körbecke. Transparente wurden gedruckt und Flyer gegen den Hähnchenmastbetrieb verteilt.

Im Juli 2021 teilte die Kreisverwaltung mit, dass die Maststallpläne in der beantragten Form nicht genehmigungsfähig seien. Seit September 2021 gab es keinen neuen Sachstand zum Antrag auf Errichtung der Hähnchenmastanlage. Nun hat die Kreisverwaltung informiert, dass mit Schreiben vom 19. Januar der Antragsteller die Errichtung von zwei Hähnchenställen am geplanten Standort zurückgezogen hat. „Damit wird auf absehbare Zeit – zumindest an dieser Stelle – kein Hähnchenmaststall für fast 80 000 Tiere errichtet“, heißt es auf der Homepage der BI Berlingsen.

Die Bund-Kreisgruppe titelt in einer Stellungnahme vom 27. Januar: „Erlösung für Anwohner und 80 000 Tiere: Antrag für Hähnchenmastanlage in Berlingsen zurückgezogen. Rückwärtsgewandte Form der Landwirtschaft hat im Kreis Soest weder Akzeptanz noch Zukunft“. Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Protestaktionen der Bürgerinitiative BI Berlingsen zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz an mehreren Orten im Kreis Soest scheine sich die Einsicht bei den potenziellen Investoren durchgesetzt zu haben, dass solche Projekte nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert werden, schreibt der Bund in seiner Mitteilung. Die Umweltverbände hätten deutlich aufgezeigt, dass in einem Landschaftsschutzgebiet die Beeinträchtigungen „ganz erheblich“ wären und eine solche Anlage demnach nicht genehmigungsfähig sein könne. Zahlreiche Bürger sowie ortsansässige Betriebe hätten mit Nachdruck ihrer Sorge vor Beeinträchtigungen durch Gestank und Emissionen Ausdruck verliehen, so der Bund.

Mit ihrer Teilnahme an zahlreichen Protestaktionen sogar in Berlin und Protestschreiben hätten der Naturschutzverband und die Bürger deutlich gemacht, dass solche industriellen Mastanlagen nicht erwünscht seien. Die Aktiven des Bund begrüßen die Entscheidung ausdrücklich und wollen sich weiter für eine nachhaltige Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltungsformen engagieren.

Hanne Dale, Werner Lindken, Hendrik Flöttmann aus der Kreisgruppe des Bund kommentieren die Nachricht mit den Worten: „Dieser Erfolg macht Mut und erspart den Anliegern in und um Berlingsen eine Menge Gestank und Verkehr, sowie vielen Tieren eine mehrheitlich nicht mehr akzeptierte Haltungsform. Dies ist für die Region und insbesondere die tourismusfreundliche Gemeinde Möhnesee, in der sich parteiübergreifend keine Zustimmung für dieses Vorhaben zeigte, eine zukunftsweisende Botschaft. Nicht nur in Berlingsen werden viele Menschen aufatmen.“

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