Mercedes bringt Polizei auf die Spur

Umschlagplatz am Möhnesee: Mehrjährige Haftstrafen für polnische Autodieb-Bande

+

Möhnesee/Bielefeld – Sie hatten es auf Autos mit neuester Technik abgesehen – der Wert war eher zweitrangig. Für eine ganze Reihe von Pkw-Diebstählen schickt das Landgericht Bielefeld jetzt eine vierköpfige Bande hinter Gitter. Die Polen hatten vorwiegend in Ostwestfalen-Lippe und im Sauerland zugeschlagen und ihren Umschlagplatz am Möhnesee aufgebaut.

Der deutsche Automotive-Ingenieur nennt sie etwas umständlich „schlüssellose Fahrberechtigungssysteme“: Fahrzeugbesitzer können ihr Auto ganz bequem per Funkschlüssel öffnen und starten. Ebenso bequem können Autodiebe die Funksignale mittels spezieller Geräte auffangen und verlängern, sodass sie ohne Schlüssel wegfahren können. 

Fast eine Million Euro wert waren die 30 Autos, die der Bande von August bis Dezember 2018 in die Hände fielen und die sie schließlich auf die Anklagebank brachten. Die Staatsanwaltschaft geht von einer noch höheren Zahl von Taten aus, die jedoch nicht zur Anklage gebracht wurden. Die Wagen landeten fast alle in Polen, wurden dort entweder zerlegt und in Einzelteilen zu Geld gemacht oder weiterverkauft.

Als zentraler „Umschlagplatz“ diente ein Parkplatz am Möhnesee: Dorthin wurden die Fahrzeuge direkt nach dem Diebstahl gefahren, spätestens dort mit fremden Kennzeichen versehen, und nach Polen weiter verschoben – mit stets laufenden Motoren, denn ohne den passenden Autoschlüssel hätte man sie nicht mehr starten können. Dieser „Fallstrick“ bei der ansonsten recht effektiven Masche sorgte dafür, dass ein im Rhein-Sieg-Kreis geklauter, 75 000 Euro teurer AMG-Mercedes an einer Tankstelle in der Seestraße in Möhnesee von seinem Fahrer „aufgegeben“ wurde: Beim Tanken war der Motor ausgegangen.

Der Prozess-Auftakt

Seit Mitte Juni mussten sich die vier Männer im Alter von 30 bis 39 Jahren, zwei von ihnen mit Wohnsitz in Arnsberg und Hamburg, vor der Strafkammer des Landgerichts Bielefeld wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Die Polizei hatte sie kurz vor Weihnachten nach längeren Ermittlungen eingekreist und im Sauerland auf frischer Tat gestellt. In dem fünftägigen Prozess machten alle vier von der Gelegenheit Gebrauch, bei einem Geständnis einen Strafnachlass zu bekommen.

Bei den Beutefahrzeugen handelte es sich keineswegs ausschließlich um hochpreisige Modelle. Geklaut wurden sowohl Sportwagen als auch Mittelklasseautos und SUV unterschiedlichen Alters: Ein in Möhnesee entwendeter Toyota Landcruiser hatte bereits 240 000 Kilometer auf dem Buckel.

Wo die über 14 000 Euro gelandet waren, die er aus den Diebstählen erlöst hatte, erklärte der Angeklagte: Er hatte seiner Frau den Aufbau eines Kosmetikstudios und eines Kebab-Imbisses in seiner polnischen Heimatstadt finanziert. Nachdem er geschnappt worden war und weitere „Finanzspritzen“ nicht mehr leisten konnte, sei seine Ehe in die Brüche gegangen.

Bande verurteilt

Die Haftstrafen liegen je nach Anzahl der einzelnen zugeordneten Taten zwischen vier Jahren beziehungsweise drei Jahren und neun Monaten für die beiden Haupttäter sowie dreieinhalb Jahren und 27 Monaten für die beiden aus Polen eingereisten Bandenmitglieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare