Umbrüche im Einzelhandel: Diese Geschäfte in Körbecke schließen

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So schön der Pankratiusplatz geworden ist, die Kaufmannschaft beklagt zu wenig Laufkundschaft.

Möhnesee - Die Nachricht, dass für den Griffelkasten Nachfolger gesucht werden, weil die bisherigen Inhaberinnen sich zurückziehen wollen, hat viele Einwohner in der Gemeinde „aufgescheucht“. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass mehrere andere Geschäfte ebenfalls vor der Schließung oder einem Umbruch stehen. 

Das betrifft zum Beispiel Früchte Sprenger und die Rittersche Buchhandlung. So wird der Buchladen in Körbecke zum 31. Januar 2019 die Pforten schließen. In den letzten zwei, drei Jahren seien stete Umsatzeinbußen zu verzeichnen gewesen, erklärt Gundula Rohe, die Inhaberin der Ritterschen mit Hauptsitz in Soest: „Da müssen wir jetzt leider die Konsequenzen ziehen.“ 

Ohnehin sei die Filiale in Körbecke nur mit dem Hauptstandort im Rücken möglich gewesen. Die Suche nach einem Nachfolger wiederum sei bisher ohne Erfolg geblieben. Mitverantwortlich für ein schwieriges Geschäftsklima macht Rohe die Stimmung in Körbecke: „Aldi ja oder nein, vor und zurück: Das hat eine Unsicherheit bei den Einwohnern ausgelöst, andere Gemeinden wie Ense sind da schneller gewesen. Das wieder aufzuholen, wird schwierig.“ 

Parkplatzfrage ein Thema

Auch Verkehrsführung und Parkplatzfrage seien ein Thema. „Viele Kunden sagen sich, wenn ich schon in Körbecke einkaufen gehe, dann will ich für die fünf Minuten auch direkt vor dem Geschäft parken.“ Das Internet sei ebenfalls ein Konkurrent, vielen Kunden sei die persönliche Beratung in der Buchhandlung aber wichtiger. 

Gravierende Änderungen stehen auch bei Früchte Sprenger an, einem Körbecker Traditionsunternehmen, das seit 50 Jahren von Birgit Vogel geleitet wird und das ihr Großvater vor 90 Jahren gegründet hat. Zum Ende des Jahres soll der Feinkostbereich geschlossen werden, bestätigt Birgit Vogel. Das zweite Standbein mit Wein- und Getränkehandel und Partyservice will ihr Sohn Stefan jedoch weiterführen. 

Weniger Kunden als vor der Baustelle

Für den Einzelhandel sei es im Dorf in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, so Vogel. Erst seien Geschäfte wie Schlecker, die generell Kunden anziehen, verschwunden. Danach habe sich die zweijährige Baustelle zur Umgestaltung der Ortsmitte ausgewirkt. „Wir haben immer gesagt: Wir schaffen das, es sind ja genug Menschen unten am See. Aber jetzt haben wir bestimmt die Hälfte der Kunden weniger als vor der Baustelle.“ Auf die schwierige Lage hätten die Einzelhändler immer wieder hingewiesen, so Vogel. Die Anregung an die Wirtschaftsförderung, kleine Geschäfte anzusiedeln, sei leider ohne Erfolg geblieben. 

"Der Ort ist heute ja leer"

Geschlossen wird in Kürze auch der Standort von „Cosmétique Naturelle“ in Körbecke, Inhaberin Ramona Hellmann wird ihre Stammkundschaft künftig nach Termin im hauseigenen Geschäft in Günne bedienen. Auch sie hat die Beobachtung gemacht, dass die Laufkundschaft in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist: „Der Ort ist heute ja leer.“ 

Der Wandel in Körbecke, indem Dienstleister oder Büros die Ladenflächen besetzen, könnte folglich weiter gehen. Der Einzelhandel verlöre weiter an Vielfalt und Zugkraft. Die Probleme, die dieser Entwicklung zugrunde liegen, sind nach Ansicht verschiedener Gewerbetreibender vielschichtig. 

Gewerbetreibende äußern auch Selbstkritik

Die Konkurrenz durch das Internet, die Verkehrsführung, die Frage der Parkplätze, der starke Umsatzrückgang während der Baustelle werden immer wieder genannt. Zudem sei es nicht gelungen, den Umsatzrückgang wieder aufzuholen. 

Mancher Gewerbetreibende äußert sich auch selbstkritisch: Demnach mangele es an Präsenz, etwa durch gelungene Werbung. Außerdem berichten die Einzelhändler, dass sich das Einkaufsverhalten der Bevölkerung in den letzten Jahren stark geändert hat. Viele führen gezielt zentrale Versorgungsbereiche in den Nachbarkommunen an, wo es die gesuchten Geschäfte an einer Stelle gibt. 

Die Folge hat die Gemeinde mit dem Einzelhandelsgutachten längst Schwarz auf Weiß: Obwohl Möhnesee eine überdurchschnittlich wohlhabende Bevölkerung hat, gibt es einen gravierenden Kaufkraftabfluss in die Nachbarkommunen.

Der Handel im Wandel

Auch der Handel lebt vom Wandel, aber dies hat sich in Körbecke in den letzten Jahren vor allem in vielen Geschäftsaufgaben niedergeschlagen. Geschlossen wurden in den letzten Jahren zum Beispiel das Schuhgeschäft Böddeker, das Handarbeitslädchen am Pankratiusplatz, die Schleckerfiliale, die Fleischerei Löer, der allerdings eine Bäckerei-Filiale folgte, der Bioladen in der Hauptstraße oder der Verkaufsladen von Fernsehdienst Vogel. „Ladenlokal zu vermieten“ heißt es auch im Schaufenster des Reisebüros. Oft werden die Ladengeschäfte für Wohnzwecke umgebaut oder von Dienstleistern und Büros belegt. Für den Einzelhandel sind diese Flächen damit verloren.

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