Coronavirus

Coronavirus am Möhnesee: Lange Schlangen vor den Eisdielen - so reagiert der Bürgermeister

+
Zu viel, zu eng: So sah es am Mittwoch bei „Rocco“ am Eingang zur Seetreppe aus. Gruppen von Motorradfahrern und Radlern waren unterwegs, auch Läufer und Wanderer machten ihre Strecke.

Möhnesee – Teils lange Schlangen bildeten sich am Mittwoch vor den Eisdielen, die Seetreppe war am Nachmittag überlaufen. Jetzt äußert sich der Bürgermeister und mahnt zur Vernunft.

Hans Dicke sagt: „Wir müssen schauen, dass wir hart am Rande einer Ausgangssperre die Leute noch mehr darauf hinweisen, dass sie sich an die Regeln und Empfehlungen halten.“ Er mahnt, dass der Abstand zueinander in jedem Fall eingehalten werden sollte.

Gleichzeitig weiß er: „Wir reden natürlich über Betriebe, für die es um die Existenz geht.“ Soll heißen: Eis essen oder in den Seepark gehen – das ist alles nicht verboten, aber die Leute sollen nicht dicht auf dicht hocken. 

"Ich kann nicht verstehen, wie man so unvernünftig sein kann"

Günter Wagner als allgemeiner Vertreter sieht die Dinge ebenso kritisch: „Was ich am See mitbekomme, was ich im Fernsehen sehe – ich kann nicht verstehen, wie man so unvernünftig sein kann, die einfachsten Regeln für die Sicherheit nicht einzuhalten.“ Ob sich kontrollieren ließe, ob sich die Menschen an die neuen Verfügungen der Gemeinde halten? „Natürlich. Wir haben Außendienstmitarbeiter, die unterwegs sind.“

Die meisten Geschäfte sollen schließen, damit das Coronavirus sich nicht so schnell verbreitet. Geöffnet bleiben auf jeden Fall die Supermärkte mit Lebensmitteln und Artikeln für den täglichen Bedarf. Doch was bedeutet das für den übrigen Einzelhandel? Ralph Eckhoff hat als Vorsitzender des Einzelhandelsverbands „Gewerbe Aktiv Möhnesee“ im Moment laufend Telefonanrufe: Wer muss zuschließen, wer darf weiter geöffnet haben? 

„Das ist manchmal nicht ganz einfach. Ich selber habe erst einmal im Rathaus und bei meiner zuständigen Innung angerufen. Danach war klar, dass Optiker auflassen dürfen.“ Vorsicht sei dennoch geboten. „Ich schaue schon, wer in den Laden kommt – man hat ja in meiner Branche beim Ausmessen und in der Beratung oft einen kurzen Abstand zum Kunden.“

Coronavirus am Möhnesee: "Eine Katastrophe" 

Helmut Wojak (79) ist seit 1997 Wirt im Gasthof „Zur Post“ gegenüber der Pfarrkirche in Körbecke. Am Dienstag war er noch verunsichert, wusste nicht, was genau Sache ist. „Wenn alle drei Meter Abstand halten müssen, dann passen ja nur noch ein paar Mann in die Kneipe. Ob das die Kosten deckt?“ Dennoch wären ihm verkürzte Öffnungszeiten deutlich lieber gewesen, als die komplette Schließung von Kneipen, die jetzt angeordnet wurde – „Das ist eine Katastrophe!“ 

Auch Jürgen Walzinger spricht von einer absoluten Katastrophe. Ihm brechen die Einnahmen komplett weg, weil er als Vermittler von Ferienwohnungen und Hotels von Provisionen lebt, nun erst mal von Reserven. Er sagt: „Der Tourismus ist überall am Boden. Keine Seminare, keine Kongresse, keine Tagungen – da braucht auch niemand Ferienwohnungen oder Hotelübernachtungen.“ Anja Herrmann vom Kiosk in Körbecke wusste schon früh, dass sie von einer Schließung nicht betroffen ist: „Wir haben Zeitungen und Lebensmittel – bei uns bleibt auf.“

Einfach ist der Betrieb aber trotzdem nicht: „Wir merken schon einen leichten Rückgang. Der Fahrradverleih ist ganz eingebrochen, trotz der ersten Sonnenstrahlen.“ Das Miteinander werde insgesamt vorsichtiger: „Diese Schwätzchen, also das, wovon so ein Kiosk als Treffpunkt lebt, das lässt nach.“ Einen Spritzschutz haben sie jetzt aufgehängt im Kiosk, direkt an der Kasse – damit das Personal geschützt ist. Was auffällt: Immer mehr Leute bezahlen mit Karte.

An anderer Stelle im Kreis Soest, in Warstein, hat derweil der kreisweit erste Coronavirus-"Drive In" eröffnet. In unserem News-Ticker für den Kreis Soest berichten wir fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus. Ebenso in unserem News-Ticker für NRW.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare