Telekom sieht keine Alternative

Alle wollen empfangen, doch wohin soll der Mobilfunkmast?

WAMEL ▪ Die weitere Entwicklung bei der geplanten Errichtung eines Mobilfunkmastens auf dem Dach der Hubertus-Schützenhalle bleibt offen. Nach dem Informationsabend, zu dem die Schützen am Mittwochabend eingeladen hatten, ist lediglich klar, dass der von Anwohnern der Halle ins Gespräch gebrachte Alternativstandort im Bereich der alten Vogelstange für die Telekom uninteressant ist.

Wie Frank Weinbrenner, Kommunalbeauftragter der Telekom, und Ralf Panske vom „Informationsmanagement Funk und Umwelt“ der Telekom-Tochter „Deutsche Funkturm“ übereinstimmend berichteten, liegen die Baukosten am Alternativstandort bei wenigstens 150 000 Euro und damit beim Dreifachen der Baukosten, die am Standort Schützenhalle anfallen würden.

Die Einladung der Schützen um Oberst Alfred Kaulmann und eine begleitende Handzettel-Aktion von Anwohnern der Halle (wir berichteten) hatten für ein sehr reges Interesse gesorgt. Fast drei Stunden lang fühlten die Wameler den Referenten von der Telekom auf den Zahn. Immer wieder ging es um die Frage „Wie hoch und wie gefährlich ist die Strahlenbelastung?“ Viele Teilnehmer des Abends hatten vorab recherchiert und brachten Details aus unterschiedlichen Untersuchungen vor, die Gesundheitsrisiken nicht ausschlossen: „Strahlen machen Kinder verhaltensauffällig, Strahlen schädigen das Erbgut, Strahlen verursachen Leukämie“, das waren die häufigsten Vorwürfe. So ging es lange Zeit um Sorgen, die seit vielen Jahren die technische Entwicklung im Bereich Mobilfunk begleiten. Die Frage nach dem Alternativstandort war dagegen schnell beantwortet: „Funktechnisch machbar, aber wirtschaftlich uninteressant“, lautete die Antwort der Telekom-Vertreter.

Die Frage nach der Strahlung beantwortete Frank Weinbrenner: „Maximal ein Volt pro Meter“, rechnete er der wohl am direktesten betroffenen Anwohnerin vor, die mit ihrer Wohnung genau im „Leuchttum-Kegel“ der ausgesandten Funkwellen liegt - laut Weinberger in einem Abstand von 60 Meter Luftlinie.

Die für die Anlage veranschlagten Werte lägen bis um den Faktor 1000 unter den zulässigen Grenzwerten, unterstrich Weinbrenner. Die Befeldung, der man sich aussetze, wenn man ein Handy oder ein schnurloses Telefon zum Telefonieren ans Ohr halte, alleine schon die Befeldung, der man ausgesetzt sei, wenn der Nachbar in der Wohnung nebenan sein Handy benutze, sei um ein Vielfaches höher als die Maximalstrahlung, die von der geplanten Antenne unter Vollast und Ausnutzung aller vier geplanten Funkkanäle ausgehe. „Flachbildschirme strahlen mehr, die alten Röhrengeräte, vor denen wir alle jeden Tag Stunden gesessen haben, sie strahlten – und das im Röntgenbereich – viel, viel mehr“, ergänzte Weinbrenner.

Die Schützen wollen auf einer noch ausstehenden Versammlung über das Angebot der Telekom entscheiden, ob sie den GSM-900-Mobilfunkmasten auf dem Hallendach haben wollen oder nicht. 9,50 Meter des Mastes wären für die Nachbarn als dünner „Spargel“ zu sehen. Zwischen 14 und neun Zentimeter misst der sichtbare Teil im Durchmesser. Die Anlage ist eine Rundstrahlantenne, die Sendeleistung im bisherigen „Funkloch“ steigt und fällt in Abhängigkeit zur Handynutzung. Die Anlage bietet die Möglichkeit zur Nachrüstung für UMTS. Mehr sei für Wamel im Mobilfunkbereich nicht geplant.

In der offenen Diskussion kam das Gespräch auf einen unbekannten Sendemasten eines Wettbewerbers, der zumindest einem Versammlungsteilnehmer besten Handyempfang beschere. Strahlt da mehr als nur die Telekom in Wamel? Man werde der Sache nachgehen. „Möglicherweise kann man sich da einklinken – wenn es diesen Masten gibt und er dieses Funkloch versorgen kann“, sagten Frank Weinbrenner und Ralf Panske.

Stimmen die Schützen dem Bau zu, dauert es wenigstens bis weit ins vierte Quartal, bis die Telekom die Montage beginnt. Ende 2012, eher im kommenden Jahr, könne man damit rechnen, sagte Ralf Panske.

Nach der Informationsveranstaltung bleiben zunächst alle Optionen offen, was Bau oder Ablehnung anbelangt. Die Initiatoren der Handzettel-Aktion bestehen auf Beantwortung ihrer schriftlichen Fragen, die sie schon Wochen vor der Schützenversammlung an die Telekom geschickt hatten.

Ingeborg Schmitz war kurz nach Versammlungsende schon verschwunden und stand deshalb für Fragen nicht zur Verfügung. Mitstreiter Bernd Peck sagte, er sei mit dem Abend nicht zufrieden. Er habe sich mehr Details erhofft. Dies habe man ihm bei der Telekom auch im Vorfeld zugesagt. Er sei davon ausgegangen, dass jeder Bürger im Ort sich jetzt hätte ausmalen können, wie hoch für ihn die Strahlenbelastung sei. Bei dem von ihm angebotenen Alternativstandort seien keine wirtschaftlichen Interessen ausschlaggebend. „Ich hätte für die Fläche von hundert Quadratmetern allenfalls eine Nutzungsentschädigung haben wollen“, sagte Peck nach der Versammlung auf Nachfrage.

Was die Bürgerinitiative jetzt plane? „Eine Bürgerinitiative sind wir nicht, wir sind vier Leute, wir werden uns zusammensetzen und überlegen“, sagte Peck weiter. Für ihn stand fest: „Der Abend hat gezeigt, dass die Bürger kritisch sind.“ J brü

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