Tausende Insekten kommen bis ins Haus

"Darf kein Dauerzustand werden": Mückenplage am Möhnesee

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„Das darf kein Dauerzustand werden!“ Nasslager-Anwohner Manfred Köhler (links) und Manfred Sander vor den riesigen Holzbergen, die berieselt werden.

Brüningsen – „Wir haben Verständnis, aber unsere große Sorge ist: Dieses Nasslager könnte zur Dauer-Einrichtung werden!“ Manfred Köhler und seine Nachbarn geben sich einsichtig. Dabei geht das, was sie mitmachen, auf keine Kuhhaut: Tausende Insekten tummeln sich überall in Haus und Hof.

Die Verbindung liegt nah. Nur einen Steinwurf entfernt hier in der Gartenstraße im Ortsteil Brüningsen befindet sich das Nasslager. Klingt erst mal harmlos; aber hier lagern weit über 10 000 Festmeter frisches Holz aus dem Wald. Das ist nach den Sturmschäden zwar inzwischen vor dem Borkenkäfer gesichert, doch es muss permanent feucht gehalten werden. 

Die Verbindung wie gesagt ist kurz: Hier die Dauerberieselung Tag und Nacht mit dem Wasser aus der Möhne, dort die Insekten, für die das feuchte und derzeit auch noch schwülwarme Milieu ein Traum ist. 

„Wir können kein Fenster mehr öffnen und sind ständig auf der Jagd vor den Viechern“, berichtet auch Köhlers Nachbar Manfred Sander. Seine Garage, der Kellereingang, die Terrasse sowieso: alles übersät mit den kleinen Fliegern. Einziger, wenn gleich schwacher Trost: „Es scheinen, obwohl sie so aussehen, keine Stechmücken zu sein“, sagt Köhler. Sonst wäre hier „richtig der Teufel los“. 

Schon einmal – nach dem Orkan „Kyrill“, als unzählige Bäume geknickt wurden und das Holz schnell aus dem Wald musste – ist 2007 hier so ein Nasslager direkt neben den Wohnhäusern eingerichtet worden, erinnert sich Köhler. 2012 wurde es abgeräumt. Als jetzt im Frühling Pläne bekannt wurden, es werde ein neues Nasslager geben, lief die Nachbarschaft Sturm. 

Denn sie kennt die simple Gleichung: feuchte Wärme – lästige Mücken. Doch die Kreisverwaltung erteilte erneut eine – diesmal auf drei Jahre befristete – Genehmigung für das Holzlager. „Das hat viel Sinn gemacht“, sagt Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn. „Direkt an Wald und Wasser die Baumstämme zwischenzulagern“, sei eine gute Lösung, sie diene der Forstwirtschaft.

Natürlich gelte das Rücksichtnahmegebot. Aber in weitere Details möchte Müschenborn lieber nicht einsteigen; es sei gerade eine Klage beim Verwaltungsgericht deswegen eingereicht worden. 

Beim Ruhrverband, dem das Ufergelände gehört und der es an die Holzwirtschaft für das Lager verpachtet hat, will man nun alle Hebel in Bewegung setzen, um den geplagten Nachbarn zu helfen. Britta Balt: „Wir werden die Insekten von unserer Biologin unterm Mikroskop untersuchen lassen.“ 

Denn erst einmal benötige man präzise Informationen, um welche Art Insekten es sich handelt. Doch auch beim Ruhrverband zieht man die Klammer (Nasslager – Plage) nicht in Zweifel. Deshalb, so die Sprecherin, habe man das Gelände bearbeitet, um stehende Pfützen zu vermeiden, in denen sich Insekten tummeln. 

Manfred Köhler und Manfred Sander zeigen uns die Abflussrinnen. Doch der Erfolg fehlt. Bürgermeister Hans Dicke bestätigt den Sachverhalt; auch der Gemeinderat habe bei seinem Einverständnis die Interessen wägen müssen. Man habe sich auf die Zusagen sämtlicher Akteure des Nasslagers verlassen, die Anliegerschaft zu schonen, so Dicke. Deshalb seien nun auch alle Beteiligten über das Ausmaß der Plage „überrascht“.

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