25-Stunden-Marathon unter Wasser

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Delecke - Das Guiness-Buch hat abgelehnt: 25 Stunden Staffel-Tauchen an der Taucherbucht, Tag und Nacht am Stück – das war denen nicht spannend genug, sagt Andreas Plachky vom Tauchsportverein „Seepferde Unna“.

 „Die wollten irgendwas mit Streckentauchen, dann hätten die uns genommen...“. Wie auch immer: Getaucht sind die „Seepferde“ trotzdem, schließlich war das eine Geburtstagsaktion: Die „Seepferde“ gibt es jetzt seit 25 Jahren. Sie sind im Kreis Unna der größte Tauchsportverein, haben ein Dutzend Mitglieder aus Möhnesee in ihren Reihen, und sie tauchen gerne an der Bucht in Delecke – auch wenn es im Moment so aussieht, als habe da jemand den Stöpsel gezogen: Geschätzte sieben Meter haben sie nur noch bis zum Grund. „Als Taucher muss man sich da völlig neu orientieren“, erzählte Andreas Plachky am Samstagvormittag. Es war Tag eins des Vereinsrekords, und alle halbe Stunde kamen zwei Taucher raus aus dem Wasser, übergaben einen Staffelstab mit einem Seepferdchenfigur obendrauf – und dann verschwanden die nächsten zwei im gut 16 Grad kalten Wasser, bepackt mit Pressluftflaschen, den Neoprenanzug behängt mit allerlei Messinstrumenten. „Unter Wasser merkt man das Gewicht nicht – wer sich richtig austariert hat, schwebt.“ Er schmunzelt: „Ich sag‘ immer gerne: Tauchen ist die Raumfahrt des kleinen Mannes. Hat was, oder?“ Zuschauer gab es kaum: „Da haben wir jetzt auch nicht so mit gerechnet“, sagen die Taucher: „Es ist vom Ufer aus betrachtet auch nicht wirklich spannend. Spannend ist, was wir unter Wasser so sehen: Barsche, Aale, Flusskrebse – und auch sonst liegt hier in der Bucht so einiges.“ Andreas Plachky zeigt ans andere Ufer, in Richtung Brücke: „Da hinten haben sie ein Schiff versenkt, extra für uns Taucher, als eine Erlebniswelt...“. Aber sehen, erzählt jemand anderes, sehen kann man das alles nur, wenn niemand mit den Flossen Sediment aufwirbelt: „Dann ist Ruckzuck vorbei mit der guten Sicht, da kommste ins Grübeln...“. Die Tauchgänge sind seit Wochen auf die Minute geplant, so weiß jeder, wann er für seinen Einsatz an der Möhne sein muss – Jonas macht sich gerade fertig: Der angehende Chemiestudent bekommt heute auch seinen ersten Stern: Alles, was zur Tauchpüfung gehört, kann er gleich mit erledigen, wenn er für eine halbe Stunde mit der Staffel taucht. Mit der Lizenz darf er dann überall auf der Welt tauchen – bis zu 40 Meter tief. „Warum ich tauche? Es ist einfach faszinierend!“ – „Schnapp‘ Dir einen Anzug und komm mit!“, frotzelt jemand. Jonas schnappt sich seine Flaschen und zieht los. „Ist übrigens kein Sauerstoff drin, wie die Leute immer sagen“, klärt Andreas Pachky auf: „Wir tauchen mit ganz normaler Luft: 21 Prozent Sauerstoff, ein Prozent Edelgase, der Rest Stickstoff. Ganz wie an Land.“ Am Sonntagnachmittag schickt er noch schnell eine Mail: „25 Stunden erfolgreich absolviert!“ 

www.seepferde-unna.de

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