Verkehrsausschuss

Studie bestätigt: Verkehr am Möhnesee hat deutlich zugenommen

Verkehrsstudie am Möhnesee
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Wer hätte das gedacht? Wie hier an der Delecker Brücke ist das Verkehrsaufkommen in den vergangenen Jahren gewachsen.

Ähnlich zäh wie die Autolawine auf der Uferstraße an einem schönen Sommerwochenende kommen auch die Bemühungen voran, die Verkehrsprobleme in der Gemeinde nachhaltig zu lösen. Das zeigte sich einmal mehr in der Sitzung des Verkehrsausschusses.

Möhnesee – Sieben Wochen lang hatten Studenten der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung von April bis Juni gezählt, in Archiven geforscht und mit Beteiligten gesprochen und ihre Erkenntnisse schließlich in Form von „Klassenarbeiten“ den Professoren Thorsten Attendorn und Andrea Walter präsentiert. Die wiederum stellten diese Ergebnisse am Donnerstagabend der Mitgliedern des Verkehrsausschusses und einigen Bürgern vor, die sich ebenfalls dafür interessierten.

Wer erwartet hatte, hier eine Handlungsanleitung mit konkreten Maßnahmen zu bekommen, der wurde allerdings enttäuscht. „Wir können zwar eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation bieten, die ist aber nicht komplett und lässt auch keine vergleichenden Rückschlüsse auf frühere Zeiträume zu“, erklärte Attendorn bereits einleitend.

Neben dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen und dadurch verursachten Belastungen wie Lärm – beides wurde punktuell am Stockumer Damm und der Delecker Brücke untersucht – wurden in vielen Gesprächen auch die Beteiligungsprozesse von Politik und Verwaltung mit Bürgern untersucht. Für Letztere gab es relativ gute Noten – die Studie empfiehlt, auch in Zukunft auf Transparenz und „Kommunikation auf Augenhöhe“ zu setzen.

Ernüchterung nach Gesprächen mit mehreren Behörden

„Wir sind da mit viel Elan und Zuversicht hinein gegangen, aber mit deutlich weniger heraus gekommen“, musste Regina Betten, zuständige Mitarbeiterin in der Gemeindeverwaltung, einräumen, als im Verkehrsausschuss die Bilanz eines „Behördengesprächs“ auf der Tagesordnung stand, das am 19. Juli stattgefunden hatte. An dem Termin hatten die Polizei, der Kreis Soest, die Bezirksregierung und der Landesbetrieb Straßen-NRW teilgenommen. Für große Ernüchterung sorgte vor allem, dass die verschiedenen Behörden nur „sehr begrenzte Regelungsmöglichkeiten“ sehen, weil eine Vielzahl von Gründen gegen einzelne Maßnahmen sprächen. So sieht Straßen-NRW einen Kreisverkehr am nördlichen Ende des Stockumer Damms erst in 30 Jahren! Immerhin: Relativ kurzfristig, nämlich im November, könnte ein mobiler Blitzer zur Verfügung stehen

Dass das Verkehrsaufkommen an den besagten Punkten hoch ist – an der Delecker Brücke wurden nach Angaben des Kreises, dessen Zahlen ebenfalls von den Studenten genutzt wurden, 6 500 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden gezählt, dürfte niemanden im Raum überrascht haben. Und: Andere Zahlen legten nahe, dass der Verkehr in der jüngeren Vergangenheit zugenommen hat – auch das entspricht den Erfahrungen vieler Möhneseer. Die gesetzlich relevanten Lärmlimits wurden allerdings nicht überschritten.

Aber: Es sind auch viele Emotionen und Interessen im Spiel. Sowohl die Bewertung von Belastungen wie Lärm als auch die Bewertung der Situation insgesamt und möglicher Lösungen unterscheidet sich stark und hängt unter anderem davon ab, wo Betroffene wohnen und ob sie von motorisierten Besuchern des Sees wirtschaftlich profitieren.

Die beiden Wissenschaftler empfahlen, wegen der komplexen Verkehrsproblematik und der Vielzahl beteiligter Ebenen weitere Untersuchungen durch Fachleute und ein Gesamtkonzept, in dessen Rahmen auch konkrete Lösungsmaßnahmen entwickelt werden könnten. „Das ist eine Leistung, die unsere Studenten nicht erbringen können“, beschrieben Attendorn und Walter die Grenzen der akademischen Möglichkeiten.

Apropos Lösungen: Da waren sich viele der von den Studenten Befragten einig. Sie wünschten sich den Mut, einzelne Lösungsmöglichkeiten einfach mal auszuprobieren, um die Effekte beurteilen zu können.

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