Bürgermeister-Kandidatinnen im Interview

Honsel gegen Moritz: „Diese Stichwahl ist eine Frage des Vertrauens“

Konkurrentinnen auf Augenhöhe: Maria Moritz (links) und Birgit Honsel treten am Sonntag in der Stichwahl um den Chefsessel im Möhneseer Rathaus gegeneinander an.
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Konkurrentinnen auf Augenhöhe: Maria Moritz (links) und Birgit Honsel treten am Sonntag in der Stichwahl um den Chefsessel im Möhneseer Rathaus gegeneinander an.

Es geht um alles, und nur einer wird da erhobenen Hauptes wieder rauskommen. Atemlose Spannung: Das Duell kann beginnen – Mann gegen Mann. Das war früher, heute sieht das anders aus, jedenfalls am Möhnesee: Da kämpfen mit Birgit Honsel (CDU) und Maria Moritz (Unabhängig) zwei Frauen um das Bürgermeisteramt, leidenschaftlich, aber alles andere als feindselig. Warum auch das zwar ein politisches Duell ist, die Gemeinde dabei nicht auf der Strecke bleiben soll, lesen Sie im Interview.

Sie sind fast gleich alt, politisch gutbürgerlich sozialisiert und haben beide keine Verwaltungserfahrung: Klingt mehr nach Jobsharing als nach Stichwahl oder?
Maria Moritz: Das kommt nicht in Frage. Ich habe in den vergangenen Jahren mehr als 25 Seminare besucht, speziell zur Vorbereitung auf die Arbeit als Bürgermeisterin. Außerdem habe ich viele Jahre lang Seminarhäuser geleitet, inklusive Personalführung. Ich sehe mich also sehr gut gerüstet.
Birgit Honsel: Für mich gilt, genau so wie für Maria: ganz oder gar nicht. Es ist natürlich klar, dass wir beide um die Fähigkeiten und Stärken der jeweils anderen wissen und da auch nach der Wahl sicher noch viele Berührungspunkte haben werden. Aber wenn Sie sagen, dass wir keine Verwaltungserfahrung haben, möchte ich schon darauf hinweisen, dass ich als stellvertretende Bürgermeisterin und im Kirchenkreis in den vergangenen Jahren sehr viel mit dem Rathaus und Behörden zusammengearbeitet habe. Ich bin zwar keine Verwaltungsfachfrau, aber verwaltungserfahren.
Bei soviel Gemeinsamkeiten muss die Frage erlaubt sein, welchen Sinn es für die Möhneseer macht, am Sonntag wählen zu gehen.
Honsel: Wählen zu gehen ist für mich selbstverständlich. Die Möhneseer haben ja bereits entschieden, dass sie eine Bürgermeisterin bekommen. Jetzt geht es am Sonntag darum, welche Persönlichkeit jedem einzelnen Wähler mehr liegt. Im Wahlkampf haben wir vielen Menschen die Möglichkeit gegeben, uns kennenzulernen, sowohl als Mensch, als auch wofür wir politisch stehen.
Moritz: So eine Wahl ist vor allem eine Frage des Vertrauens. Wem vertraue ich dieses Amt an? Und wem vertraue ich damit auch meine Vorstellungen von der Zukunft dieser Gemeinde an? Es ist auch deshalb so wichtig, am Sonntag wählen zu gehen, weil jeder Wähler damit entscheiden kann, wem er die eigene Stimme im ganz wörtlichen Sinne anvertraut.
KandidatINNen für den Chefsessel im Rathaus kann man im Kreis Soest mit der Lupe suchen, in Möhnesee bleibt den Männern bei der Stichwahl nur die Zuschauerrolle. Was ist hier anders?
Moritz: Als ich überlegt habe, ob ich kandidieren will, habe ich für mich ein Ranking gemacht, was ich für wirklich wichtig halten würde für dieses Amt. Ganz oben stand da, dass es eine Frau sein sollte. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Führungsriege der Verwaltung ausschließlich aus Männern besteht. Mit der Stichwahl ist dieses Ziel bereits erreicht und das ist auch gut so.
Honsel: Ich muss sagen, dass ich darüber nicht viel nachgedacht habe. Als Neuling in der Kommunalpolitik habe ich erst mal gelernt. Dann ging es darum, Verantwortung zu übernehmen. So wurde ich stellvertretende Fraktionsvorsitzende, dann auch stellvertretende Bürgermeisterin. Natürlich habe ich in diesen Funktionen gemerkt, dass ich eine von wenigen Frauen unter vielen Männern war. Aber mein Antrieb war weniger, mich da als Frau zu behaupten, sondern etwas bewegen zu können.
Ist die Möhneseer Verwaltung gut genug aufgestellt, um eine unerfahrene Bürgermeisterin zu verkraften?
Honsel: Wir sind da in Möhnesee ziemlich gut aufgestellt. Gerade in der letzten Zeit haben wir sehr gutes Personal für die Arbeit im Rathaus gewinnen können. Wir haben aber auch erfahrene Mitarbeiter, auf die wir uns verlassen können. Dieses mich verlassen können auf eine gute Mannschaft ist für mich sehr wichtig. Im Team mit einer lernfähigen und interessierten Bürgermeisterin klarzukommen, das schafft die Möhneseer Verwaltung. Und ich auch. Als Bürgermeisterin führe ich aber nicht nur die Verwaltung, meine Arbeit wird durch den Dreiklang Verwaltung, Politik und Bürger bestimmt. Dieser Dreiklang muss funktionieren. Ein reiner Verwaltungsmensch muss noch kein guter Bürgermeister sein.
Moritz: Ich glaube, dass sowohl Birgit als auch ich selber durch unsere Ratsarbeit sehr viel Hintergrundwissen gesammelt haben. Eine Bürgermeisterin, mit der ich gesprochen habe und die den Großteil ihres beruflichen Lebens in Verwaltungen verbracht hatte, drehte den Spieß aber sogar um. Was mich bei ihr beeindruckte war, dass sie als absolute Verwaltungsexpertin vor allem eins wirklich vermisste: politische Erfahrung. Und die haben wir beide hier in Möhnesee wirklich reichlich. Das ist eine sehr gute Basis, weil es für einen Bürgermeister sehr wichtig ist zu wissen, wie die Politik Projekte vorbereitet haben möchte.
Was können Sie sich von Ihrem Vorgänger Hans Dicke abgucken – und was wollen Sie ganz anders machen?
Honsel: Ich würde die Politik mehr einbinden, als er das für mein Empfinden getan hat. Also bereits frühzeitig das Wissen und die Meinungen aus der Politik einholen und nutzen. Bei den großen politischen Themen wie Verkehr und Touristik ist mir das bei ihm zu kurz gekommen.
Moritz: Für mich ist es ganz wichtig, die Bürger von Anfang an mit ins Boot zu holen und alle, die von einem Projekt betroffen sein werden, bei der Realisierung frühzeitig mitzunehmen. Das hat mir bei Hans Dicke oft gefehlt. Was ich auch anders machen werde als er, ist Entscheidungen gründlich vorzubereiten, sodass der Rat gut vorbereitet diskutieren und entscheiden kann.
Warum war es Ihnen wichtig, Frau Moritz, unabhängig von der BG anzutreten? Und Ihnen, Frau Honsel, als CDU-Kandidatin?
Moritz: Ich bin in die BG eingetreten, weil sie drei Grundsätze hat: Bürgernähe, Offenheit und Unabhängigkeit. Alle drei sind auch Grundlage für meine Kandidatur gewesen. Am wichtigsten war mir Unabhängigkeit. Eine gute Idee möchte ich unterstützen können, egal aus welcher Fraktion sie kommt. Hätte die BG da eine andere Meinung zu gehabt, hätte es zu Konflikten kommen können. Das wollte ich vermeiden und daher ist mir diese Unabhängigkeit so wichtig.
Honsel: Ich bin Mitglied der CDU, das ist meine politische Heimat und ich vertrete sie im Gemeinderat. Es wäre einfach nicht glaubwürdig gewesen, das abzuschütteln. Schließlich stehe ich ja auch zu den Grundwerten und Überzeugungen meiner Partei...
Die Sie außerdem auch mit ihren Ressourcen bei Ihrem Wahlkampf unterstützt hat…
Honsel: Ja sicher. Das war bärenstarke Teamarbeit.
Die Verkehrsbelastung in den Sommermonaten wird immer schlimmer. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Schenken Sie den Möhneseern reinen Wein ein: Sie werden mit drei harten Monaten einfach leben müssen, um im Rest des Jahres ein schönes Leben an ihrem Möhnesee zu haben, weil ihnen der Tourismus die dafür nötige Infrastruktur finanziert.
Honsel: Das ist überspitzt formuliert. Wir werden im Sommer immer einen Ausschlag nach oben bei den Besuchern haben. Das geht auch bis zur Belastungsgrenze. Aber als Politiker sind wir gefragt, ein gesundes Miteinander hinzubekommen. Die Probleme sind die Randgruppen: zu laute und zu schnelle Motorräder und Autos und rücksichtslose Falschparker. Wir müssen Wege finden, den Verkehr zu lenken, schon bevor rund um den See nichts mehr geht. Es gibt parteiübergreifend bereits Initiativen wie den Runden Tisch mit allen Straßenbaulastträgern und das Forschungsprojekt der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung. Es geht darum, Lösungen zu finden, die bereits ansetzen, bevor Autos und Motorräder den See erreicht haben. Das wird nicht in kurzer Zeit alles zum Guten wenden, aber es kann das Leben hier im Sommer erträglicher machen.
Moritz: Emissionsschutz ist Gesundheitsschutz. Wir sind den Möhneseern verpflichtet, diesen Schutz auch an den Sommerwochenenden zu liefern. Das ist wahnsinnig schwer, weil der Ansturm von Besuchern an den Spitzentagen nicht einfach zu bändigen ist. Aber wir können etwas tun. Der Runde Tisch wurde bereits genannt. Relativ schnelle Hilfe könnte ein Verkehrsleitsystem bringen, um zu lenken, wenn im Uferbereich alles voll ist. Ich denke auch an bereits bestehende Parkplätze in der Nähe der Haar, von dort könnten Shuttlebusse Besucher ohne ihre Fahrzeuge ans Ufer bringen und wieder zurück. Das würde sicher auch Busunternehmen freuen, die so am Wochenende noch Geld verdienen könnten. Und natürlich müssen auch bauliche Maßnahmen und Kontrollen sicherstellen, dass die Rettungswege am See zu jeder Zeit offen gehalten werden.
Gibt es etwas, was Sie bei Ihrer Konkurrentin überhaupt nicht verstanden haben oder nachvollziehen konnten? Dann können Sie sie jetzt fragen. Birgit Honsel an Maria Moritz: Mich würde interessieren, warum du deine Kandidatur schon im Herbst 2018 öffentlich gemacht hast?
Moritz (lacht): Hab ich ja gar nicht, jedenfalls wollte ich das gar nicht. Ich hatte damals lose Gespräche mit einigen Parteien geführt, wie sie zu einer eventuellen Kandidatur von mir stehen würden. Bei einem Besuch in unserer Partnerstadt Winzenheim kam das Thema bei einem Fest in gemütlicher Runde auf. Innerhalb von wenigen Tagen machte es die Runde, erst in Winzenheim und dann in Möhnesee. Das war mir damals gar nicht recht, aber ich musste dann natürlich damit umgehen.
Maria Moritz an Birgit Honsel: Was mich sehr geärgert hat und was ich auch nicht verstehe, ist deine Meinung zum Standort der neuen Mensa. Die war erst im Haus des Gastes und jetzt provisorisch in der Schützenhalle. Der Standort auf dem alten Hallenbadgelände geht für mich gar nicht, den aber unterstützt du. Warum?
Honsel: Wir haben ja mehrere Standorte diskutiert, das alles zieht sich inzwischen schon viel zu lange hin. Ich war von Anfang an dagegen, ältere Schüler gemeinsam mit den Kitakindern aus dem Flohzirkus im Haus des Gastes unterzubringen. Diese Position hat sich auch nicht geändert. Leider sind wir ja immer noch auf der Suche nach einem endgültigen Standort für eine neue Mensa. Ich finde, das alte Hallenbadgelände hat durchaus Charme, weil so eine Art Campus-Gelände entsteht. Aber auch mit der Lösung oberhalb der Sporthalle kann ich leben.

Die Schokoladige

Maria Moritz ist seit 2014 Mitglied der BG-Fraktion im Gemeinderat, zuvor war sie bereits fünf Jahre als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss kommunalpolitisch aktiv.

Ehrenamtlich engagiert sie sich unter anderem als Übungsleiterin im Breitensport, in der Gruppe „Bürger helfen Bürgern“, beim Bürgerbus und in der Katholischen Frauengemeinschaft.

Sie lebt am Südufer, ist 50 Jahre alt, Ökotrophologin und arbeitet als Werkstattlehrerin am Börde-Berufskolleg. Sie mag Schokoladeneis und steht auf ACDC. Und sie ist leidenschaftliche Radfahrerin und Skifahrerin.

Die Fruchtige

Birgit Honsel ist seit 2009 Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Aktuell ist sie stellvertretende Vorsitzende der Fraktion und seit 2014 auch stellvertretende Bürgermeisterin.

Ehrenamtlich engagiert sie sich unter anderem im Leitungsteam des Trägerverbundes für 22 Kitas im Evangelischen Kirchenkreis und als Vorsitzende der Möhneseer Kita „Flohzirkus“.

Die Völlinghauserin ist 54 Jahre alt und hat als Unternehmensberaterin gearbeitet. Sie mag Fruchteis und musikalisch alles von Klassik bis Schlager. Und sie ist leidenschaftliche Skifahrerin und Joggerin und liebt Rosen.

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