„Schutz fast unmöglich“

Sorge bei den Obstbauern: Frostige Nächte gefährden Ernte

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Christoph Abel bangt unter anderem um die Zwetschgen-Knospen.

In der Nacht zu Montag gab es Frost – und in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen weiter in den Keller gehen und für Nachtfrost sorgen. Die schönen, warmen und sonnigen Tage der vergangenen Wochen haben dafür gesorgt, dass die Knospen einiger Obstbäume schon recht weit gereift sind. 

Möhnesee - Mit Sorge blicken die Obstbauern der Region auf die kommenden Nächte.

„Wir hoffen, dass alles gut geht“, sagt Christoph Abel, Inhaber der Obstplantage Möhnesee. Die Vegetation sei bereits weit fortgeschritten. „Die Natur ist in diesem Jahr im Vergleich zum durchschnittlichen Mittel etwa zehn Tage voraus“, erklärt Abel. 

Besonders weit sind zurzeit die Blüten der Zwetschgen und Birnen gediehen. Auch einige Apfelsorten, wie der Boskop, stehen kurz vor der Blüte. Der Boskop ist ein Frühblüher – anders als andere Apfelsorten, die später im Frühling blühen. „Zwetschgen und Birnen können kalte Nächte von minus eins bis minus zwei Grad wegstecken. Wird es aber kälter, dann ist die Ernte im Sommer und Herbst gefährdet“, sorgt sich Christoph Abel um das Obst. Einen kritischen Blick wirft er auf die Wettervorhersage: Für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werden Minus-Temperaturen von vier bis sechs Grad vorhergesagt, was für die Zwetschgen und Birnen fatal wäre. Weniger vom Frost betroffen sind Obstsorten wie Sauerkirschen, Johannisbeeren oder Himbeeren, die erst später im Frühling blühen. 

Fläche zu groß

„Die betroffenen Obstbäume zu schützen, ist für mich fast unmöglich“, sagt Abel. Seine Plantagen-Gesamtfläche von zehn Hektar, die in der Gemeinde in kleinere Parzellen aufgeteilt ist, sei zu groß, um alle Bäume abdecken zu können. „Das ist völlig unmöglich“, so Abel. Es gebe zwar Methoden, wie die Blüte geschützt werden könne, bis jetzt hat Abel allerdings noch keine dieser Methoden angewandt: „Da gibt es die Möglichkeit mit Feuer und Rauch, der die Blüten wärmt. Das anzuwenden ist jedoch schwierig, denn man weiß nie genau, in welche Richtung der Wind weht.“ 

Kollegen im Rheinland setzen beispielsweise auf eine Frostschutzberegnung: Die Blüten werden mit Wasser befeuchtet, sinken die Temperaturen dann unter Null, entsteht eine Art schützender Panzer um die Blüte. „Das klappt aber nur, wenn permanent beregnet wird, bis der Frost vorbei ist. Dabei geht dann sehr viel Wasser drauf“, erklärt der Obstbauer. Als eine weitere Frostschutz-Möglichkeit könne man Windmaschinen einsetzen. „Ein Kollege aus Welver setzt zum Beispiel darauf.“ Durch das Windrad zirkuliert die Luft. So könne man die Lufttemperatur um zwei bis drei Grad anheben und dadurch bis zu drei Hektar mit Obstbäumen schützen. 

„Bis jetzt habe ich auf eine solche Anschaffung verzichtet. Ich dachte, es passiert ja nur alle zehn Jahre, dass der Frost die Blüten trifft. Aber jetzt denke ich darüber anders.“ Denn es sei gerade mal drei Jahre her, dass Frost zahlreiche Obstbäume getroffen hat und die Ernte in weiten Teilen Deutschlands ausblieb. „Das war am 20. April 2017 und zahlreiche Bäume standen in voller Blüte.“

Tipps

Laut Wettervorhersage sollen die nächsten Tage strahlend sonnig, aber eher kühl bleiben. Tagsüber klettert das Thermometer auf sieben bis acht Grad, doch in den Nächten können die Temperaturen auf minus vier bis minus sechs Grad abrutschen. Wer Obstbäume in seinem Garten hat, kann darauf hoffen, dass diese an einem geschützten Standort stehen. Wer schon Blumenkübel mit Vergissmeinnicht, Hornveilchen oder Bellis bepflanzt und diese draußen stehen hat, sollte sie vorsichtshalber in die Garage oder den Keller stellen, damit sie vor dem Frost geschützt sind – alles nur vorübergehend.

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