Gericht erhöht Strafe

Soester (44) bedroht Schiedsrichter (16) aus Möhnesee in der Jugend-Kreisliga

Schiedsrichter stehen oft im Kreuzfeuer der Kritik. Mehr als eine Spur zu weit ging ein Soester, als er den Unparteiischen nach einem Fußballspiel verfolgte und ihm Folgendes an den Kopf warf: „Was machst du für einen Scheiß? Ich glaube, du wurdest gekauft. Ich finde raus, wo du wohnst, dann mache ich dich kalt!“

Möhnesee/Soest – Das Prekäre: Diese Worte fielen im November vergangenen Jahres nicht bei einem Bundesligaspiel, sondern nach einer U15-Kreisklasse-Partie zwischen den Sportfreunden Soest-Müllingsen und der Jugendspielgemeinschaft aus Lippetal. Der Schiri aus Möhnesee war 16 Jahre jung – der Angeklagte dagegen ist 44.

Zunächst hatte der Soester für diese Entgleisung einen Strafbefehl erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Denn so sei das alles ja gar nicht gewesen. „Unsere Kinder haben früher gemeinsam Fußball gespielt, daher weiß ich, dass er recht schnell emotional wird“, pflichtete ihm sein Verteidiger bei. Doch Ausfälle solchen Ausmaßes sei man von ihm nicht gewohnt.

Um das Verfahren kurz zu halten und dem minderjährigen Geschädigten eine Vernehmung zu ersparen, schlug das Gericht vor, dass der Angeklagte seinen Einspruch zurückzieht, dafür eine noch recht frische Verurteilung zu drei Monaten auf Bewährung wegen zu unrecht bezogenen Arbeitslosengeldes in Höhe von 1600 Euro in einem neuen Gesamturteil verrechnet wird. Vor diesem Hintergrund wurde ein weiteres Verfahren wegen abermals 190 Euro zu viel bezogenen Arbeitslosengeldes eingestellt.

Zuschauer bedroht Schiedsrichter: Hausverbot beim Sportverein

Der Rückzug des Einspruchs kommt einem Geständnis gleich. Immerhin, Beleidigung und Bedrohung waren neu auf seiner Liste von Vorstrafen. Die enthielt bislang fünf Verurteilungen wegen Betrugs. Das Gericht erhöhte die bestehende Freiheitsstrafe daher auf vier Monate auf Bewährung und legte noch eine Geldauflage in Höhe von 800 Euro obendrauf, in monatlichen Raten zu je 25 Euro. Sollte er einmal nicht zahlen, werde die Bewährung widerrufen. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an.

„Bei allem Verständnis dafür, dass man die Entscheidung eines Schiedsrichters subjektiv als falsch empfinden mag. Wir haben im Kreis Soest einen Mangel an Schiedsrichtern, und Aktionen wie Ihre befeuern diese Situation noch“, sagte der Richter. Hinzu kommt noch eine weitere Strafe: Bei den Sportfreunden Müllingsen hat der Soester seit jenem Vorfall Hausverbot.

Zuschauer bedroht Schiedsrichter: Das sagt der junge Unparteiische

Vor Gericht kam der junge Fußballschiedsrichter aus Möhnesee zwar nicht zu Wort, im Gespräch mit der Redaktion berichtet er jedoch von einer „sehr unschönen Situation“, die er damals auf dem Sportplatz erlebt habe: „Ich hatte das Gefühl, bei dem Spiel eigentlich keine großen Fehler gemacht zu haben. Trotzdem auf diese bedrohliche Art angegangen zu werden, war schon hart.“ Im Nachgang habe der inzwischen 17-Jährige allerdings große Rückendeckung erfahren – durch den Trainer und ein Vorstandsmitglied des Heimvereins.

Er habe nie darüber nachgedacht, mit dem Pfeifen aufzuhören: „Dafür macht es mir zu viel Spaß. Außerdem sind solche Vorkommnisse ja auch nur Einzelfälle, die sich in letzter Zeit leider häufen.“ Meistens halte sich die Kritik in Grenzen, zumindest seitens der Spieler auf dem Platz. „Die Eltern oder Zuschauer dagegen versuche ich auszublenden.“

Erst vor zwei Wochen wurde erneut ein Schiedsrichter im Kreis Soest beleidigt: Der Referee aus Hamm erhebt nach einem Kreisliga-Spiel schwere Vorwürfe gegen den SV Welver. Unter anderem soll es sogar rassistische Äußerungen der Zuschauer gegeben haben. Inzwischen hat sich der Vereinsvorstand dazu geäußert.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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