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Angst vor Umzingelung: Siegerdorf Hewingsen will kein Verlierer werden

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Von: Achim Kienbaum

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Unberührt ist die Feldflur zwischen Theiningsen und Hewingsen schon lange nicht mehr. Weitere Windenergieanlagen sind bereits geplant.
Unberührt ist die Feldflur zwischen Theiningsen und Hewingsen schon lange nicht mehr. Weitere Windenergieanlagen sind bereits geplant. © kienbaum

Wie Sieger sahen die Besucher des Werkstattgespräches in der Schützenhalle am Montagabend nicht aus, dabei sind ja zumindest die Hewingser unter ihnen Bewohner eines „Siegerdorfes“ im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft. Gerade diese Zukunft, so die Sorge im Saal, droht sie aber zu Verlierern zu machen: Der Ausbau der Windenergie in der Gemeinde wird noch mehr große Anlagen rund um den Ortsteil herum mit sich bringen – einige davon waren Thema in der Schützenhalle.

Hewingsen – Bürgerbeteiligung schreiben Möhneseer Politik und Verwaltung beim Ausbau der Windenergie in der Gemeinde groß – sagen sie. Und beide werden nicht müde zu betonen, dass angesichts der politischen Großwetterlage (siehe Infokasten) die Möglichkeiten der Beteiligung auf kommunaler Ebene zusehends schwinden. Das Werkstattgespräch in der Hewingser Schützenhalle machte das gleich in mehrfacher Hinsicht deutlich.

Es sollte, so Bürgermeisterin Maria Moritz im voll besetzten Saal bei der Begrüßung der Besucher aus Hewingsen, Theiningsen und Meiningserbauer, ein Stimmungsbild in den Ortsteilen erstellt werden, das dann bei der weiteren politischen Beratung berücksichtigt werden wird.

Das sagt Düsseldorf

Die schwarz-grüne Landesregierung hat angekündigt, bereits bis 2025 rund 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie auszuweisen. Für den Regierungsbezirk Arnsberg würde das nach derzeitigem Stadt bedeuten, dass sogar 2,13 Prozent der Fläche für den Bau von Windrädern ausgewiesen werden müssen.

Bauamtsleiter Jürgen Schmidt rechnete in Hewingsen vor, dass auf dieser Grundlage die Fläche in Möhnesee von aktuell 76 auf dann 262 Hektar erweitert werden müsse.

Dabei dürften auch Kalamitätsflächen im Arnsberger Wald einbezogen werden. Vogel- und Naturschutzgebiete sollen aber frei von Windrädern bleiben.

Beteiligung heißt bei diesem Thema nicht zuletzt, dass die Bürger, die durch die Anlagen am meisten belastet werden, finanziell von deren Erträgen profitieren.

Wie das gehen könnte, dazu wurden sowohl von den anwesenden Projektierern, als auch von der Bürgermeisterin Optionen skizziert, genauere Zahlen aber gab es für die Bürger nicht. „Es wäre unredlich, Ihnen da zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelche Beträge zu versprechen“, bat Andreas Düser, wie auch die anderen anwesenden Projektierer, um Verständnis – dazu fehlten schlicht noch belastbare Informationen.

Die Projekte

Der Enser will mit seinem Unternehmen „The Wind GbR“ nördlich der Haar vier jeweils rund 220 Meter hohe Anlagen bauen. Florian Hollmann will bereits vorhandene kleinere Mühlen durch zwei deutlich größere ersetzen (Repowering).

Adolf Schulte plant eine weitere Windenergieanlage (WEA) mit einer Gesamthöhe von rund 220 Meter, die Landwirte Robert Dietz und Thomas Baukmann wollen mit ihrer Anlage sogar fast 250 Meter hoch hinaus.

Nach der Vorstellung dieser geplanten Projekte entwickelte sich eine lebhafte, aber weitgehend sachliche Diskussion zwischen Bürgern, Projektierern und Vertretern der Gemeindeverwaltung – wobei es weniger um die Details der aktuell bereits „angemeldeten“ Projekte ging, als um die Befürchtung, mit diesen und weiteren zu erwartenden, auch nördlich von Hewingsen auf Soester Gebiet, in der Zukunft regelrecht „umzingelt“ zu werden.

Diese Sorge konnte ihnen auch niemand nehmen – im Gegenteil: Maria Moritz wies mehrfach auf „Signale“ von Bund und Land hin, die erwarten ließen, dass Investoren schon in wenigen Jahren praktisch überall Windräder errichten dürften, solange sie einen genügend großen Mindestabstand, die Rede sei von 700 Metern, zur Wohnbebauung einhalten würden.

Dann werde es auch keine Notwendigkeit mehr für eine finanzielle Beteiligung von Bürgern geben. Ob die den Menschen in Hewingsen, Theiningsen und Meiningserbauer doch noch mehr Windräder schmackhaft machen wird, dazu soll nun eine Umfrage durchgeführt werden.

Wie Sieger fühlen sich die Hewingser nicht mehr – sie haben große Sorge, von Windrädern „umzingelt“ zu werden.
Wie Sieger fühlen sich die Hewingser nicht mehr – sie haben große Sorge, von Windrädern „umzingelt“ zu werden. © Kienbaum, Achim
Die blauen Punkte markieren geplante Standorte neuer Windräder bei Hewingsen und Theiningsen.
Die blauen Punkte markieren geplante Standorte neuer Windräder bei Hewingsen und Theiningsen. © gemeinde

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