Schüler machen Bienen flott für den Winter

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Mit professionellen Imker-Schutzanzügen ging es aufs Vordach der Schule, wo die Bienenfreunde die Stöcke für zwei Völker stehen haben.

Körbecke – Warum die Gummibärchen den Arbeiterinnen der Bienenvölker so dankbar sind? „Sie kämen sonst gar nicht in die Tüte“, erzählt Dr. Andreas Vogel den Jungen und Mädchen der Bienen-AG an der Sekundarschule:

„Bienenwachs dient als Trennmittel, damit die Bärchen nicht in der Form kleben bleiben.“ Seit fünf Jahren macht Vogel diesen Unterricht, seit er als Bio-Lehrer von Geseke nach Körbecke wechselte, und er bringt den Freiwilligen in der Arbeitsgemeinschaft unter anderem bei, dass die Arbeiterinnen das Bienenwachs ausschwitzen und durch Kauen Pollen und Pollenöl hinzufügen: So entsteht die typisch gelbe Farbe. 

Zum Unterricht hat Andreas Vogel jetzt einen gewichtigen Wachstaler mitgebracht: Kerzen sollen daraus werden, und zum Verkauf stehen die am 22. November von 15 bis 19 Uhr – dann ist wieder Tag der Offenen Tür an der Sekundarschule. Alle Fans dürfen sich freuen: Auch Vogels völlig natürliche Lippenstifte sind wieder im Angebot. „Wir“, das sind beim Anzeiger-Besuch Sophie Trompeter, Gjelbrim Pongjaj, Dominik Haladyn, Jennifer Horst, Nelly Syrnicki, Lennox Kentsch, Florian Malok, Louis Kühle, Diana Lütke und Selima Licina – immer einmal die Woche zwei Stunden treffen sich die Bienenfreunde. 

Teilnehmen am jahrgangsübergreifenden Unterricht dürfen Jungen und Mädchen von der Sieben bis zur Zehn. Die Mission des Tages: Fütterung, damit die Brummer durch den Winter kommen – den Honig haben ja die Menschen bei der letzten Ernte weggenommen. Vorher geht es aber zunächst in die Umkleide: Imker-Schutzanzüge an! 

Mit einem großen Eimer, einer Trittleiter, mit Gläsern und Schraubdeckeln mit Lochmuster, mit einem großen Holzlöffel und allerlei Kisten und Kästen geht es dann zwei Treppen rauf, den Flur entlang und durch ein Fenster aufs Vordach der Schule. Dort stehen die Bienenstöcke für zwei Völker. „20 000 sind das im Moment noch, im Sommer sind die Völker doppelt so groß, dann haben die Stöcke vier Etagen, zwei für Honig, zwei für die Brut“, erklärt Vogel. 

Jennifer Horst, Nelly Syrnicki, Louis Kühle, Dominik Haladyn und Florian Malok (von links) zeigen hier gewalzte Wachsplatten mit eingeprägtem Muster, die in die Holzrahmen für den Wabenbau eingesetzt werden.

Jennifer Horst rührt derweil mit dem großen Löffel die Lösung im Plastikeimer durch: Drei Teile Zucker, zwei Teile Wasser, eine kleine Prise Salz dazu – für Bienen ist das die reinste Kraftsuppe. Alles wird jetzt in die Gläser abgefüllt, dann kommt der Deckel feste drauf und es kann losgehen: Vorsichtig öffnet jemand die Abdeckung des ersten Bienenstocks – ein paar neugierige Bienen haben schon bemerkt, dass da Zucker im Anmarsch ist und umschwirren die Gruppe. Ein ganz vorwitziger Brummer landet auf einem Imkerhut und beschaut sich die Sache in aller Ruhe. Ob man da keine Angst haben müsse?

 „Mit Respekt behandeln muss man die Tiere immer“, sagt Vogel, „aber die Völker hier sind nicht aggressiv“. Er zeigt auf die Öffnungen unten im Stock: Dort geht es munter rein und raus. „Schaut mal hier“, freut sich der Lehrer: „Es sind immer noch Bienen unterwegs, die Pollen sammeln! Da, an den dicken gelben Taschen an den Beinen sieht man’s – da, da kommt wieder eine mit vollen Taschen!“ 

Das erste Glas ist inzwischen oben im Stock platziert: Es wird auf den Kopf gedreht, dadurch entsteht ein Unterdruck, und die zuckrige Lösung tropft ganz langsam und zäh aus dem gelöcherten Deckel. Vogel: „Wenn die Bienen richtig Hunger haben, ist so ein Glas in einem Tag leergesaugt, dann brauchen sie wieder Nachschub.“ 

Einpacken, zurück durchs Fenster, über den Flur, die Treppen hinunter in den Klassenraum: Mission erfüllt. Jetzt geht es um Propolis oder Bienenkittharz, um Bienenwachs, um Honig: Wo kommt’s her, was ist alles drin? Was ist wofür – wie geht’s weiter mit den Bienenstöcken? Und für die Neuen in der Runde: Wie kommt das eigentlich, dass Bienen immer so exakt gleiche Waben bauen? 

Die Form einer Wabe hat übrigens auch eine Plakette, auf die alle stolz sind, nicht nur die in der Bienen-AG: Pünktlich zum Schuljubiläum ist die Möhneseeschule ausgezeichnet worden, gilt jetzt offiziell als „bienenfreundliche Schule“.

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