PFT-Skandal: Zeuge bezichtigt Behörden

MÖHNESEE ▪ Seit ziemlich genau einem Jahr wird der PFT-Skandal vor dem Landgericht Paderborn aufgearbeitet, der nach seiner Aufdeckung im Juni 2006 auch in Möhnesee viele Wellen geschlagen hat. Jetzt sorgen die Aussagen des ehemaligen Abteilungsleiters im Umweltministerium für Aufmerksamkeit.

Danach soll die Industriechemikalie hauptsächlich durch PFT-belasteten Klärschlamm über mehrere Felder in die Gewässer geraten sein. Die Behörden im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest wiesen diese Darstellung jedoch entschieden zurück. Wie die damals entdeckte PFT-Belastung der Möhne und des Stausees und im weiteren Verlauf von Ruhr und Rhein in die Gewässer gelangt ist, galt nach umfangreichen Untersuchungen seit der Entdeckung der Belastung eigentlich als geklärt. Danach sollen die als Dünger deklarierten, PFT-belasteten Abfälle unter anderem auf einem Acker in Brilon-Scharfenberg ausgebracht worden sein. Von hier, so die Erklärung, wurde das PFT mit dem Regen ins Grundwasser und die Gewässer gespült

Dr. Harald Friedrich, bis 2006 Abteilungsleiter für Abfall-, Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Umweltministerium des Landes, behauptete als Zeuge vor dem Landgericht Paderborn, demgegenüber, dass die PFT-Belastung nicht durch den vorgeblichen Dünger der inzwischen Pleite gegangenen Firma GW Umwelt aus Borchen bei Paderborn ausgelöst wurde, sondern durch die Schlämme aus den Kläranlagen des Ruhrverbands. 24 der 90 Kläranlagen des Ruhrverbands würden eine starke Belastung mit PFT aufweisen, sagte Friedrich aus. Der belastete Klärschlamm aus diesen Anlagen sei jedoch über 20 Jahre auf Feldern im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis als Dünger ausgebracht worden.

Diese Ausführungen wurden von den angeschuldigten Behörden massiv zurück gewiesen. So bekräftigte Martin Reuther, Pressesprecher des Hochsauerlandkreises, die Version, wonach der vermeintliche Bodendünger der Paderborner Firma und dessen Ausbringung auf dem Feld bei Scharfenberg die wichtigste Quelle für die PFT-Belastung sei. Unzählige Bodenproben von einer Vielzahl von Feldern hätten gezeigt, dass der Acker bei Scharfenberg als „Hotspot“ für die PFT-Belastung gelten müsse. Erkennbar sei dies auch daran, dass die PFT-Belastung in der Möhne und ihren Gewässern seit dem Anlaufen der Sanierungsmaßnahme in Scharfenberg insgesamt signifikant zurückgegangen sei. „Die Werte haben sich entsprechend verbessert.“

„Die Vorwürfe sind sachlich falsch und dies ist auch gerichtlich schon festgestellt worden“, erklärte Alfons Matuszczyk, Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis Soest. Das Verfahren vor dem Landgericht Arnsberg aufgrund einer entsprechenden Klage des BUND sei mit einem Freispruch erster Klasse zugunsten des Kreises Soest ausgegangen. Die Klärschlämme aus dem Kreis Soest seien entsprechend der Vorgaben und Vorschriften der einschlägigen Verordnung des Bundes stets genau untersucht worden.

Das Umweltministerium selber erläuterte auf Anfrage, dass das laufende Gerichtsverfahren nicht kommentiert werden könne. Zum Thema Ursachen und Folgen des PFT-Skandals verwies der Sprecher des Ministeriums auf den einschlägigen zusammenfassenden Abschlussbericht „Reine Ruhr“, der dem Landtag im vorigen Jahr vorgelegt wurde. Auch hier wird die These bekräftigt, dass die PFT-Belastung im oberen Ruhrabschnitt bis einschließlich Echthausen überwiegend aus belasteten Böden über die Zuflüsse Nierbach, Elpe und Möhne stammt. Eine Ursache sei insbesodnere die illegale Abfallbeseitigung von PFT-haltigen „Bodenverbesserern“ duch die Firma GW Umwelt. ▪ tbg

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