Pascal Peter im Interview

Bürgermeister-Kandidat der AfD will 1000 Euro Begrüßungsgeld für Neugeborene in Möhnesee

Möhnesee – Als Bürgermeister will Pascal Peter aus Günne schon mal die Hundesteuer abschaffen: Er findet sie willkürlich und ungerecht. „Das bringt mich doch tatsächlich in einen Konflikt“, hat jemand dazu im Netz kommentiert: „Die Forderung ist völlig richtig, aber die Partei kann ich nicht wählen!“

Pascal Peter sagt: „Die Reaktion kenne ich.“ Er geht für die AfD ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus und sieht sich als „Alternative“ zu den Etablierten, denen er Inhaltsleere vorwirft. Als „rechte Dumpfbacke“ will er nicht verdächtigt werden, der „Merkel-CDU“ mag er aber auch nicht angehören, weil sie ihm nach links weggedriftet ist. 

Dass man Leute mit rechtsextremem Hintergrund wie jetzt Andreas Kalbitz aus der Partei wirft, findet der 43-Jährige gut und richtig – und er hofft, dass die Zivilgerichte die Partei-Entscheidung nicht wieder aushebeln. Peter hat Visionen, zum Beispiel von einem Familien-Ausschuss der Gemeinde und von 1000 Euro als Begrüßungsgeld für Neugeborene. Nein, sagt er: Es gibt kein Mutterkreuz.

So was wie die AfD, das hat uns gerade noch gefehlt in Möhnesee? 

Na – aus meiner Sicht schon. Die politischen Parteien, die unterscheiden sich in ihren Aussagen doch gar nicht mehr. Was von den anderen Kandidaten kommt, ist mir ehrlich gesagt auch zu allgemein und glattgebügelt. Ein bisschen Opposition im Rat ist sicher nicht verkehrt, ein Bürgermeister wie ich auch nicht. 

Was haben Sie denn zu bemängeln bei den Kandidaten? 

Ich fange mal bei Birgit Honsel von der CDU an: „Wir sind Möhnesee“. Ein toller Spruch – aber nicht viel dahinter. Maria Moritz kommt mit „Deine beste Idee für Möhnesee“. Finde ich irgendwie komisch: Ein Kandidat sollte schon eigene Ideen und Forderungen mitbringen für den Wahlkampf. Zu Florian Kamp von der SPD und der FDP kann ich nicht viel sagen – man nimmt ihn gar nicht wahr, man hört so wenig von ihm. 

Sie sind auf Krawall gebürstet?

 Nein, gar nicht. Mir geht es schon um sachliche Diskussion. Aber es steht doch eines fest: Wenn ich Chef im Rathaus werden will, dann brauche ich auch einen Plan, eine Vision... 

Wer Visionen hat, der soll zum Arzt – hat das nicht Kanzler Schmidt gesagt? 

Wer Visionen hat, der sollte eine Richtung haben, ein Ziel – das sehe ich bei den Mitbewerbern nicht. Ich sehe Wohlfühl-Floskeln auf der einen Seite, und ich sehe, wenn ich an die Verkehrsproblematik denke, die ja im Moment sehr kontrovers und mit vielen Emotionen diskutiert wird: Da rühren jetzt zwei Kandidatinnen mit großen Wahlkampfsprüchen mit, die in ihren Jahren im Rat längst was zur Verbesserung hätten beitragen können. Ich halte beide für ungeeignet: Bürgermeister sollte jemand von außerhalb des Rates und der Verwaltung werden, jemand ohne Verbandelungen und Seilschaften. 

Und ohne Verwaltungserfahrung – so wie Sie?

 Das ist ja auch gar nicht zwingend Voraussetzung, dass man aus der Verwaltung kommt. Man muss Projekte anpacken, anschieben und leiten können – das kann ich, das machen wir in Wissenschaft und Forschung nicht viel anders. Man muss zusammenarbeiten können mit den bewährten Fachleuten im Rathaus – das will ich gerne machen. Ich freue mich auf die Mitarbeiter des Rathauses und deren hohe Kompetenz. 

Gut, zurück zu Ihren eigenen Visionen – gibt’s da welche neben der Abschaffung der Hundesteuer? 

Ja, da sehe ich ganz vorne die Förderung von Familien und Kindern. Ich möchte einen Familienausschuss einrichten, die Gleichstellungsbeauftragte durch eine „Familienbeauftragte“ ersetzen, ich möchte, dass wir Neugeborene willkommen heißen – 1000 Euro Begrüßungsgeld, damit die Erstausstattung nicht zum Luxus wird, das halte ich für eine gute Idee. Kinder sollen im öffentlichen Nahverkehr kostenfrei fahren dürfen, Kitas sollen für Kinder ab drei Jahren kostenfrei sein, und überhaupt strebe ich an, dass Betriebe in Möhnesee Vorreiter werden für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Junge Väter und Mütter müssen daneben mehr Chancen für eine Teilzeitausbildung haben – Politik und Verwaltung können den Weg dafür bereiten. 

Schule war bereits bei Ihrer ersten Vorstellung ein Thema, oder? 

Genau. Schule soll digitaler und moderner werden, die technische Ausstattung muss einfach besser werden. Tabletklassen und digitale Tafeln sind kein Wunderwerk mehr, das steigert die Qualität des Regelunterrichts. Ich stehe daneben für schulische Vielfalt und den Erhalt aller Schultypen. Ich bin für eine offene Ganztagsschule, aber gegen eine Verpflichtung dazu, und – ganz wichtig: Ich möchte, dass alle Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit schwimmen lernen!

 Ihr Zettel ist noch länger? 

Aber ja! Da wären Ideen wie ein Bildungspakt Jung und Alt, eine Sicherheits-Partnerschaft von Polizei und Ordnungsamt. Mehr Verknüpfung für mehr Sicherheit – aber kein Überwachungsstaat. Die Diskussionen um Sperrungen während der ersten Corona-Wochen haben gezeigt: Das Ordnungsamt hat nicht die Kapazitäten, alles zu überwachen, und die Polizei ist ohnehin schon überlastet. Dass die Überwachung der Regel-Einhaltung nicht funktionierte, im Gegensatz zu dem, was der Bürgermeister den Medien erzählte, das hat jeder gesehen, der am See entlangfuhr. 

"Blamabel"

Blamabel war, dass die Landrätin ihn auffordern musste, Parkplätze zu sperren, weil er das selber nicht gemacht hat. Wir brauchen daneben mehr Schutz für öffentliche Bedienstete, für Feuerwehr, für Rettungsdienste. Und wir brauchen niedrigere Parkgebühren, mehr Parkplätze, gerne auch mehr Badestellen am See – auch für Hunde. Vor allem wünsche ich mir viel mehr direkte Demokratie – so wie beim Haus des Gastes: Wir müssen die Leute wieder mehr einbinden in Entscheidungsprozesse. Natürlich schwebt über allem die Frage, wie es uns nach dem großen Corona-Knall gehen wird, denn das steht uns noch bevor...

 …der Verkehr und der Lärm sind, wie Sie selber sagen, ein großes Thema. Sie kritisieren die Mitbewerber – haben Sie denn auch Lösungsvorschläge?

 Ja, und das sind auf jeden Fall keine populistischen Fahrverbote. Ich setze darauf, sich die sogenannten schwarzen Schafe herauszugreifen. Das geht nur durch mehr Kontrollen. Man muss sich die Sache immer wieder neu anschauen und bewerten – und man muss einen Interessenausgleich hinbekommen zwischen denen, die Ruhe haben möchten, denen, die hierher fahren möchten und denen, die Gäste von auswärts bedienen, umsorgen und damit Geld verdienen möchten. Dass der scheidende Bürgermeister die berechtigten Sorgen der Bürger als „Genörgel auf hohem Niveau“ abgetan hat, das muss man dabei deutlich kritisieren. 

Sie sind als Partei neu in Möhnesee. 

Ja, aktuell haben wir sechs Mitglieder, alles Leute, die schon länger in Möhnesee wohnen, alles vernünftige Leute und keine, die auf Radau aus sind, wie man uns immer unterstellt. Unser Ziel: Zwei Ratsmandate, dann haben wir Fraktionsstatus. Wir wollen sachliche Oppositionsarbeit machen, den etablierten Parteien Alternativen aufzeigen – oder gute Ideen unterstützen. Ich selber möchte Bürgermeister werden, ich bin auf Kreisebene stellvertretender Sprecher und ich kandidiere für Möhnesee für den Kreistag.

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