Neuer Besitzer für St. Meinolf

MÖHNESEE -  „Privat“ – so steht es neuerdings unmissverständlich auf einem Schild an einer Absperrung an der Einfahrt zum herrschaftlichen Waldschlösschen St. Meinolf im Hevetal zu lesen. Nachforschungen des Anzeiger haben ergeben, dass das mit Türmchen geschmückte Fachwerk-Ensemble, das bis März 2013 als Hotel- und Restaurantbetrieb geführt worden war, einen neuen Besitzer bekommen hat.

Es handelt sich dabei um einen Schönheits-Chirurgen, der in Meschede leben soll und eine Schönheits-Klinik im Schatten der „Alten Oper“ im Zentrum von Frankfurt betreibt. Am Möhnesee allerdings scheint keine Zweigstelle der Klinik geplant. St. Meinolf solle ausschließlich privaten Zwecken des neuen Eigentümers dienen, so war zu erfahren.

Unterdessen wurde beim Amtsgericht in Soest im Verfahren gegen den Betreiber und den früheren Geschäftsführer der Schlosshotel St. Meinolf GmbH der gerichtliche Verhandlungstermin auf Montag, 3. November, ab 9 Uhr terminiert. In dem Prozess, zu dem 18 Zeugen geladen sind, geht es laut Richter Marc Gerken um die Vorwürfe „Veruntreuung von Arbeitnehmer-Entgelten“, „Betrug“ und „Insolvenzverschleppung“.

Anfang 2013 hatte Betreiber Joop van Bekkum noch seine umfangreichen Erweiterungspläne für das Objekt St.Meinolf vorgestellt, große Investitionen und die Erweiterung des Hotels wurden unter anderem beim Unternehmerforum Möhnesee angekündigt. Doch schon wenig später waren in St. Meinolf die Türen verschlossen gewesen. Ein Sicherheitsdienst bewacht seither das abgelegene historische ursprünglich von Donnersche Gebäude im Arnsberger Wald. Grund für die Schließung sollen Differenzen zwischen dem ehemaligen Eigentümer, dem Niederländer Bert Kromme und dem früheren Betreiber Joop van Bekkum im Zusammenhang mit der Insolvenz im Oktober 2012 gewesen zu sein.

Nachdem das vorläufige Insolvenzverfahren im Oktober 2012 beschlossen wurde, konnte der Geschäftsbetrieb zunächst drei Monate fortgeführt werden, Gehälter wurden angeblich durch Insolvenzgeld abgedeckt. Zum 1. Januar 2013 wurde das Insolvenzverfahren dann eröffnet, wie es im Vorjahr von Seiten des Insolvenzverwalters hieß.

Eine Perspektive schien seinerzeit zunächst die neue „Waldschloss-Hotel Möhnesee GmbH“ mit Joop van Bekkum als Geschäftsführer zu sein, die das Schloss übernehmen sollte. Anfang März 2013 verweigerte dann aber Eigentümer Kromme auf der Gläubigerversammlung seine Zustimmung, so dass der Kaufvertrag nicht zustande kam. St. Meinolf war deshalb am 14. März 2013 geschlossen worden.

Van Bekkum sah damals im Gespräch mit dem Anzeiger „Unregelmäßigkeiten im Insolvenzverfahren“. Kromme sei überhaupt kein Gläubiger der insolventen GmbH, veranschlagte Mietzahlungen für das Schloss seien vertraglich nicht vereinbart gewesen und über ein Darlehen in Höhe von 300 000 Euro gebe es einen privaten Vertrag zwischen ihm und Kromme. Van Bekkum bezifferte die Verbindlichkeiten der insolventen GmbH damals gegenüber dem Anzeiger auf etwa 400 000 Euro. Wie diese Summe aufgelaufen sei, wisse er aber nicht. Schließlich sei er nicht der Geschäftsführer der „Schlosshotel St. Meinolf GmBH“ gewesen.

Das Jagdschloss Sankt Meinolf (ursprünglich Wilhelmsruh) wurde ab 1891 vom Architekten Graf von Hardenberg aus Kiel für den Bankier Conrad Heinrich II. von Donner und dessen Sohn gebaut. - dümi/ah

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare