Schutz für Fichtenholz

Nasslager wegen Borkenkäfer: Günne befürchtet Mückenplage ohne Ende

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Schon ab 2007 wurden in Günne große Mengen Holz gelagert und feucht gehalten.

Möhnesee - An der Brüningser Straße in Günne soll wieder ein Nasslager errichtet werden, um Fichtenholz vor dem  Borkenkäfer zu schützen. Anwohner befürchten allerdings wie schon in zu Zeiten des Nasslagers von 2007 bis 2010 eine große Mückenplage.

Eine Borkenkäferkalamität biblischen Ausmaßes oder eine Mückenplage biblischen Ausmaßes: Vor Pest oder Cholera sah sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag gestellt. Waldbauern und Forstexperten sind dringend auf der Suche nach Standorten für Nasslager, um hier noch nicht befallenes Fichtenholz zu lagern und zu beregnen, damit die Käfer keine Chance haben, das Holz zu befallen. 

Bei dieser Suche rückte auch der Standort an der Brüningser Straße wieder in den Blick. Immerhin hatte er sich als Nasslager bewährt, als es galt, mit den Folgen des Orkans „Kyrill“ von 2007 klar zu kommen. Den Günnern ist die Angelegenheit allerdings äußerst unangenehm in Erinnerung geblieben. Durch die Beregnung hielten sich erhebliche Mengen an Pfützen und dies führte zu einer Mückenplage ohne Ende. 

Beide Positionen wurden in der Ratssitzung eindringlich vorgetragen und intensiv diskutiert, viel Spielraum blieb dem Gemeinderat jedoch nicht. Die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Wasserbehörde des Kreises Soest haben dem Standort bereits zugestimmt und in diese Richtung läuft auch das Baugenehmigungsverfahren. 

Seitens der Gemeinde ging es dabei noch darum, ob sie ihr Einvernehmen erteilt. Tue sie dies nicht, so Bürgermeister Hans Dicke, stehe zu erwarten, dass der Kreis das gemeindliche Einvernehmen ersetzt und die Baugenehmigung erteilt. Letztlich stimmte der Rat daher bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung für die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens. 

Warum Nasslager erforderlich werden 

Die drohende „Borkenkäferkalamität“ erläuterten Edgar Rüther vom Landesbetrieb Wald und Holz, Forstrevierleiter Arne Heck vom Ruhrverband und Gerd Schmäring von der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee. Deutschlandweit sei die größte Borkenkäferplage seit 1949 zu erwarten, berichtete Rüther. Sturm „Friederike“ habe 2018 rund 100 000 Festmeter Holz zu Boden gebracht, nach Sturm „Eberhard“ 2019 kamen weitere 75 000 Festmeter hinzu, es handele sich aber oft um Einzelwürfe überall im Wald verteilt. 

Zudem habe das extrem trockene Jahr 2018 dazu geführt, dass die Fichten wegen Wassermangels weniger Harz zur Abwehr von Borkenkäfern bilden konnten. Statt einer seien 2018 drei Käfergenerationen geschlüpft, dies stelle ein gewaltiges Vermehrungspotenzial dar. 

Es gelte daher, so viel Fichtenholz wie möglich aus den Wäldern zu holen. Weil die europäischen Märkte diese Mengen adhoc nicht aufnehmen können, würden händeringend Standorte für Nasslager gesucht. 

Die Angst vor einer Mückenplage 

Welche Folgen ein solches Lager in der direkten Umgebung haben kann, haben die Günner 2007 bis 2009 erlebt. Entsprechend intensiv setzten sich Anwohner und Vertreter des SuS Günne mit Eingaben und Wortmeldungen während einer Unterbrechung der Ratssitzung dafür ein, das Nasslager zu verhindern. 

Ob das Nasslager überhaupt der Gemeinde diene, sei fraglich, so ein Anwohner. Schließlich komme das Holz aus anderen Kommunen. Gregor Hellmann vom SuS Günne, dessen Sportgelände neben dem Nasslager liegt, berichtete von massiven Problemen mit Insekten; dies habe auch die Vermietung des Sportlerheims als Einnahmequelle des Vereins gefährdet. Ratsherr Ulrich Blank (CDU) bestätigte dies. Die Sportler seien im Sommer auf dem Platz von den Mücken regelrecht überfallen worden. 

Die Suche nach einem Kompromiss 

Der Gemeinderat versuchte letztlich, zwischen diesen Positionen zu vermitteln. Einerseits seien sehr wohl auch Waldbauern aus der Gemeinde von der Käferplage bedroht. Allein in Möhnesee gebe es 120 Waldbauern, einige seien existenziell betroffen, so Schmäring. Andererseits wies Bürgermeister Hans Dicke darauf hin, dass die Bedenken der Anwohner bekannt seien. Die Stelle in Günne sei aber nun einmal für ein Nasslager gut geeignet. 

Dass die Lage auch die Gemeinde betrifft, betonte Uwe Gronert (Grüne): „Wenn der Wald kaputt ist, ist auch der Tourismus im Eimer. Wir haben einen Feuerwehreinsatz vor uns, und wir müssen schnell handeln.“ 

Im Sinne der Anwohner soll der Ratsbeschluss gegenüber dem Kreis mit dem Hinweis verbunden werden, dass zum letzten Mal ein Nasslager an der Brüningser Straße errichtet wird und für die Zukunft alternative Standorte gesucht werden sollen. Bekräftigt wurde außerdem, dass die anstehende Baugenehmigung auf drei Jahre befristet ist. 

Allerdings vorläufig: Welche Not in drei Jahren drückt, könne heute keiner sagen, betonten die Forstexperten. Rüther sagte aber auch zu, dass jedes erdenkliche Mittel eingesetzt werden soll, um die Mückenvermehrung zu unterbinden. So könnte das Ablaufen des Wassers verbessert werden, damit möglichst wenige Pfützen bleiben. Vorschläge zum Eindämmen der Mücken seien willkommen, versprach Rüther.

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