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Todkranker Waschbär muss bis zur Erlösung zwei Tage leiden

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Von: Vanessa Moesch

Der Waschbär versteckte sich im Naherholungspark in Wilhelmsruh auf privatem Grund.
Trotz vieler Telefonate konnte niemand etwas für das leidende Tier tun. © Susanne Baltes

Ein todkranker Waschbär hält sich auf einem privaten Grundstück auf. Von seinem Leid kann er deshalb nicht befreit werden. Keine Institution sieht sich zuständig.

Wilhelmsruh – Für Susanne Baltes waren es zwei Tage, die sie in schlechter Erinnerung behalten wird. Am 5. Oktober wurde sie von ihrer Tochter angerufen, es würde ein kranker Waschbär vor ihrem Haus im Naherholungspark herumtorkeln.

„Wir haben dann gemeinsam versucht, ihn zu füttern, aber er wollte nichts. Es ging ihm wirklich sehr schlecht“, schildert Baltes. Dass der Waschbär sich auf einem privaten Grundstück aufhielt und die Vermutung bestand, dass das Tier die Viruserkrankung Staupe hatte, bestärkte Baltes in ihrer Entscheidung, den kranken Waschbären von seinem Leiden zu erlösen. „Das Tier saß später auf dem Grundstück eines Hundebesitzers, was die Situation nicht einfacher machte, schließlich ist Staupe bei Hunden ansteckend“, erklärt Baltes.

Spießrutenlauf bei Institutionen

Danach begann ein Spießrutenlauf. Weder Verwaltung, noch Forstamt konnten etwas für das leidende Tier tun. „Ich habe verzweifelt bei der Wildtierhilfe, Landesforstverwaltung, Jagdbehörde, Veterinäramt, Verwaltung rumtelefoniert“, berichtet Baltes. Jedoch ohne Erfolg. Von Privatleuten musste sich Baltes Sprüche wie „Hau doch mit der Schaufel drauf“ oder „Lass doch die Hunde drauf los“, anhören.

Schließlich rief die Verwaltung an und erläuterte, dass sich jemand um den Waschbären kümmern würde. Daraufhin wurde eine Lebendfalle aufgestellt. Doch der Waschbär hatte sich aufgrund der Verschlechterung seines Zustandes nicht vom Fleck bewegt. „Man hat das Tier nachts vor sich hin leiden lassen“, so Baltes. Sie unternahm am nächsten Tag einen weiteren Versuch und fragte bei ihrer Tierärztin an, ob diese das Tier nicht erlösen könne. Nach Rücksprache mit dem Veterinäramt durfte Baltes den Waschbären einschläfern lassen. Das Tier hatte an einer Sepsis in der Leber und an Staupe gelitten.

Kein Erschießen auf privatem Grund

„Hätte ich mich nicht gekümmert, wäre er jämmerlichst verreckt, aber man hätte ihm diese unnötigen weiteren 24 Stunden ersparen können, wenn man gehandelt hätte“, erzählt Baltes.
Trotzdem mache sie niemandem einem Vorwurf, schließlich hätten sich alle bemüht, um eine Lösung zu finden.

„Dieser Vorfall war wirklich unglücklich“, sagt Dr. Wilfried Hopp, leitender Kreisveterinärdirektor des Kreises Soest. „Das Problem bestand darin, dass das Tier noch gelebt hat und Jäger auf privatem Grund nicht schießen dürfen“, erklärt Hopp. Zudem sei Staupe nicht meldepflichtig. Wildtiere würden aber meist selbst nach Arnsberg in das Untersuchungsveterinäramt gebracht. „In diesem Fall hat die gute Frau den Waschbären schon mitgenommen“, so Hopp. Und weiter: „Wir sind immer bemüht, zu helfen. Aber wir dürfen noch lebende Tiere nicht mitnehmen.“ Für Baltes steht fest, dass es künftig eine Regelung geben sollte, damit todkranke Tiere möglichst sofort erlöst werden.

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