Protest-Aktion

Bürgerzorn gegen Raser und Lärm: Fahrrad-Demo am Möhnesee 

Radfahrer-Demo am Möhnesee: 250 Menschen auf Fahrrädern waren dabei
+
Radfahrer-Demo am Möhnesee: 250 Menschen auf Fahrrädern waren dabei

„Ey Du, Politik: Mach mal langsam was!“ So stand es zum Schluss auf den Plakaten der Bürgerinitiative gegen Verkehrslärm, Raserei und Protzerei rund um den Möhnesee und in den Zufahrtsstraßen. Da waren 250 Protest-Radfahrer wieder zurück auf der Wiese vor Abels Hofladen in Stockum: Fahrrad-Demo!

Stockum - „Ey du, mach mal langsam“ – das war die gedruckte Fassung. Den Rest haben Aktivisten mit Filzer dazugeschrieben – weil sie „einen dicken Hals haben“, weil es ihnen reicht mit dem Lärm, mit der Unsicherheit, provoziert durch rücksichtslose und angeberische Autofahrer und Motorradfahrer gleichermaßen – der Protest richtet sich wohlgemerkt nicht gegen alle motorisierten Besucher in Möhnesee, er soll aber verdeutlichen: Erst die Bürger, dann die Touristen

Eine ruhige, erträgliche Atmosphäre geht vor. So sieht es nicht nur Alfred Glaremin: „Verkehrslärm macht krank“, sagt er: „Der Lärm nervt übrigens auch Touristen, die wegen der Erholung hierhin kommen, und die uns allen natürlich willkommen sind.“ Angeblich ist dieser Zwist seit Jahrzehnten ein Thema, so hieß es am Donnerstag in der Ratssitzung.

„Es reicht, die Bürger wollen, dass sich endlich was ändert zum Besseren“, das unterstrich Alfred Glaremin von der Bürgerintiative – gemeinsam mit seinem Mitstreiter Andreas Rohe. Der hatte die erste Fahrraddemo gegen Lärm und Raserei organisiert: 250 Teilnehmer schwangen sich am Samstagnachmittag aufs Rad, hatten Plakate mit dabei, die Polizei vorneweg und hintendran, eine Ponykutsche als letztes Fahrzeug vor der Polizei.

250 Radfahrer am Möhnesee protestieren gegen Lärm und Raser

Radfahrer-Demo am Möhnesee: Zwei Stunden lang Verkehrsberuhigung

Der lange Tross umrundete den See auf der regulären Fahrbahn und sorgte so knapp zwei Stunden lang für eine Verkehrsberuhigung der besonderen Art: Staus und langsames Fahren waren gewollt und genehmigt.

Den Protest bekamen viele Motorrad- und Autofahrer zu spüren – viele Gäste vor allem in den Eiscafés in Delecke und Körbecke verfolgten das alles interessiert. Es blieb friedlich, auch wenn sich immer wieder zeigte: Von hinten auch an den unübersichtlichsten Stellen und trotz Gegenverkehr überholen, es scheint ein Reflex gerade bei Motorradfahrern zu sein.

Die Protest-Rundfahrt soll nicht die letzte Demo gewesen sein: „Wir wollen den Druck auf dem Kessel belassen“, sagen Andreas Rohe und Alfred Glaremin. Für den nächsten Monat ist wieder eine Demo geplant. Das Ziel: Ein Kreisel am Stockumer Damm, mehr Kontrollen und weniger Lärm und Raserei rund um den See und in den Zufahrtstraßen, gerne auch Querungsstreifen, damit man sicher die Straße rund um den See überqueren kann.

Radfahrer-Demo am Möhnesee: Protest wächst weiter

Der Bürgerzorn treibt inzwischen die Politik vor sich her und zielt ebenso ab auf überregionalen Druck in den Medien. Polizei-Hochschüler sollen sich für ihre Abschlussarbeit mit der Situation am See beschäftigen. Bürgermeister Hans Dicke schreibt Brief um Brief, um den Kreis und den Landesbetrieb Straßen NRW zu Gesprächen an den Tisch zu bekommen – gemeinsam mit den Aktivisten. Der Rat hat sich inzwischen für einen Kreisel am Stockumer Damm ausgesprochen. Zustimmen müssen Kreis und Land – vor allem sollen sie registrieren, wie sauer die Bürger inzwischen sind.

Der Protest wächst sich aus: Stockum ist voll dabei, Delecke ziert sich noch ein wenig, weil „Geronimo“ und Eisdiele am Kreisel beliebte Adressen für Motorradfahrer sind. Wamel will aber jetzt mit aufspringen auf den Protest-Zug und hängt das nächste Banner raus: „Ey du, mach mal langsam!“. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare