Interview mit Surflehrer Björn Rusche

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Bei Wind und Wetter gleiten sie bis zu 65 Kilometer schnell auf dem Möhnesee: Für Björn Rusche (rechts) und seinen Sportskameraden Mathias Uliczka kann der Wind nicht kräftig genug sein, um sich durch die Gischt peitschen zu lassen.

MÖHNESEE - Surflehrer Björn Rusche war kürzlich in den Böen der Tiefs Elon, Felix und Alexander auf dem Möhnesee unterwegs. Anzeiger-Redakteur Michael Dülberg besuchte ihn am Strandbad Delecke beim Ritt auf den knapp einen Meter hohen Wellen. Danach stand Rusche zum Interview parat.

Was ist ihr Titel, Ihr Rang oder „Gürtel“ beim Surfen?

Björn Rusche: Ich bin VDWS- Schulleiter und Instructor. (Verband deutscher Wassersportschulen). An offiziellen Wettkämpfen nehme ich zur Zeit nicht teil, trainiere aber regelmäßig mit Regattafahren auf dem Möhnesee, in Holland und Frankreich.

Wie kalt war es am Wochenende, als Sie auf dem Wasser unterwegs waren?

Rusche: Am Samstag waren es 14 Grad Außentemperatur, das Wasser war schon etwas frischer.

Ist Surfen im Winter am Möhnesee besonders attraktiv?

Rusche: Man kann bei uns sehr gut fahren, sollte aber gerade im Winter nur als Könner auf dem Wasser sein. Ich trainiere auch bei schattigen Bedingungen, es ist aber bedeutend angenehmer, die wärmeren Stürme im Jahr mitzunehmen. Der Möhnesee ist zum Windsurfen am besten geeignet unter den Seen in der Umgebung. Man kann bei uns gut in alle Windrichtungen fahren, wenn man weiß, wo man am besten startet.

Wie stark war der Wind? Welche Geschwindigkeiten erreichen Sie mit dem Surfbrett auf dem Wasser?

Rusche:  Am Ufer haben wir neun Beaufort (BFT) gemessen, draußen waren es dann wahrscheinlich in den Böen zehn BFT. Man erreicht dann zirka 60 bis 65 Kilometer pro Stunde auf dem Wasser. Um noch schneller fahren zu können, müsste das Wasser etwas ruhiger sein bei gleicher Windgeschwindigkeit.

Welche Bereiche des Möhnesees eignen sich besonders gut fürs Surfen, welche weniger und warum?

Rusche: Das hängt von der Windrichtung ab, generell sollte man Naturschutzgebiete, Schwimm- und Tauchbereiche meiden.

Ist es nicht gefährlich, mit hohem Tempo auf eine Brücke, ein Ufer oder einen Steg zuzusausen? Welche Qualifikation sollten Surfer haben, wenn Sie sich solchen Witterungsbedingungen aussetzen wollen?

Rusche: Nein, da man natürlich nicht bis auf ein Hindernis auffährt. Man hat viel Platz auf dem Wasser und weicht frühzeitig aus. Die besten Windverhältnisse sind meistens dort, wo man sich frei entfalten kann und keine Hindernisse im Weg sind. Generell macht es Sinn, sich an einer Schule unterrichten zu lassen und sich bei den Locals über die jeweiligen Bedingungen zu informieren. Man sollte sehr gut schwimmen können, körperlich und geistig fit sein und das Risiko gut einschätzen können. Ein guter Anzug und Surfmaterial, das gut in Schuss ist, sind Pflicht.

Wo kann man es hierzulande lernen, so gut auf dem Surfbrett unterwegs zu sein?

Rusche: Sie können gerne einen Kurs in einer Windsurfschule wie Wild-Boards belegen und die Basics dort erlernen. Wir vermitteln in sehr kurzer Zeit ein recht hohes Fahrniveau. Man erspart sich sehr viel Zeit durch eine professionelle Anleitung und mit entsprechend gutem Material. Der Möhnesee ist vom Frühling bis zum Herbst gut zum Üben geeignet, da immer eine leichte Brise weht. Es kann prinzipiell jeder erlernen, der Interesse hat und schwimmen kann. Man muss nicht unbedingt sportliche Vorerfahrungen haben, selbst Menschen mit leichtem Handycap könnten diese faszinierende Sportart ausüben. Die Fitness kommt mit der Zeit.

Welche Surfparadiese in Deutschland, Europa und auf der Welt sind die besten?

Rusche: Deutschland: Möhnesee, Nordseeküste, Fehmarn. Europa: Wijk an Zee (Holland), Leucate (Frankreich), Fuerteventura (Spanien). Welt: Cabarete (Dominikanische Republik), Kapstadt (Südafrika), Hawaii.

Zur Person

Sturmsurfer und Diplom-Ingenieur (Architektur) Björn Rusche ist 42 Jahre alt. Mit seinem Büro für Hochbau- Innenraumplanung und Möbelbau in Allagen hat er sich selbstständig gemacht, weil er gerne kreativ arbeitet.

Als zweites Standbein betreibt er die Surfschule Wild-Boards am Möhnesee. Er hat bereits im Studium angefangen, als Surflehrer zu jobben und 2011 seine Windsurfschule eröffnet, da es ihm Spaß macht, zu unterrichten und es ein guter Ausgleich zur Büroarbeit ist. Am liebsten geht er aufs Wasser, wenn es richtig weht.

Surfen könne man bis ins hohe Alter ausüben. Die ältesten Surfer, die Rusche kennt, sind um die 80 Jahre alt.

Rusche hat mit dem Surfen im Alter von 14 Jahren auf dem Möhnesee angefangen und war seitdem mit dem Surfbrett in vielen Ländern unterwegs. Er fährt gerne Welle, Slalom und Speed.

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