„Das Ding hätte wirklich in die Hose gehen können.“

Erst hörte er nur Schreie: So wurde Manuel Brunstein am Möhnesee in letzter Sekunde zum Lebensretter

Möhnesee Schwimmer gerettet Manuel Brunstein
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Der Vorfall stimmt Lebensretter Manuel Brunstein nachdenklich.

Ein Schwimmer, der den Möhnesee vom Nord- zum Südufer und wieder zurück durchqueren wollte, wäre bei seinem Vorhaben beinahe ertrunken. Sein Leben verdankt er dem Segellehrer Manuel Brunstein.

Möhnesee – Es war gegen 9.15 Uhr am Morgen des vergangenen Donnerstags, als Manuel Brunstein sich am Möhnesee ans Werk machte. 

Der 34-Jährige ist Segellehrer in der ADAC-Yachtschule, die direkt an der Körbecker Brücke liegt. „Normalerweise wäre um diese Uhrzeit gar keiner hier gewesen“, erklärt er. Doch wie es der Zufall so wollte, hatte er seinen Dienst früher aufgenommen, um Arbeiten am Bootsanlager-Steg zu erledigen. „Plötzlich hörte ich Hilfeschreie, die vom Wasser kamen“, berichtet Manuel Brunstein im Anzeiger-Gespräch.

Mit diesem Elektro-Boot fuhr Brunstein auf den Möhnesee und rettete den Schwimmer.

„Ich bin direkt losgerannt, habe mir unser Elektro-Motorboot geschnappt und bin raus aufs Wasser gefahren“, schildert der Segellehrer. Lediglich die Richtung, aus der die Schreie kamen, war ihm bekannt. Dann sah er einmal die in verzweifelter Hektik winkenden Arme eines Menschen. Auch in Manuel Brunstein machte sich Hektik breit: „Ich habe Vollgas mit dem Boot gegeben.“ Doch das klingt nach mehr, als es eigentlich ist: Mit dem drei PS starken Motor darf eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde nicht überschritten werden, erklärt Brunstein die Regeln der in der Verantwortung stehenden Bezirksregierung Arnsberg, an die er und seine Kollegen sich zu halten haben.

Schwimmer auf dem Möhnesee gerettet: Und dann fällt auch noch der Motor aus..

Als dann auch noch der Elektromotor des Bootes einen Spannungsabfall hatte und kurzzeitig gar nichts mehr ging, sei der Puls bei Manuel Brunstein „schon auf 180“ gewesen. Auch ein Angler hatte die Situation erkannt und versuchte, zum Schwimmer vorzudringen – doch auch er hatte Probleme, voranzukommen. 

Dann endlich, nach schätzungsweise „fünf bis acht Minuten“, war der Segellehrer aus dem Bad Sassendorfer Ortsteil Bettinghausen am Schwimmer angelangt. „Er war etwa Mitte 20 und gut durchtrainiert – er konnte nicht einmal mehr mit eigener Kraft ins Boot kommen. Ich habe ihn dann hereingerissen.“ 

Mitten auf dem See verließen den Schwimmer die Kräfte.

Der Schwimmer war morgens am Nordufer gestartet, hatte dann am rund 630 Meter entfernten Südufer kehrt gemacht und wollte wieder zurück zum Nordufer schwimmen. Auf halber Strecke verließen ihn dann die Kräfte. „Er hat die Strecke und die Eigenschaften des Sees wohl deutlich unterschätzt“, sagt Brunstein.

Rettung auf dem Möhnesee: Wassertemperaturen zwischen 16 und 20 Grad

„Wenn der Wind anzieht, bilden sich schnell Wellen. Dann hat er wohl zwei, drei Mal Wasser geschluckt und wäre fast untergegangen. Hinzu kam, dass er keinen Neopren-Anzug trug und keine Schwimmhilfe dabei hatte. Bei Wassertemperaturen zwischen 16 und 20 Grad machen irgendwann die Muskeln zu.“ 

Als Brunstein und der kraftlose, aber unendlich dankbare Schwimmer wieder an Land waren, erschien die Polizei vor Ort, kurze Zeit danach traf die Feuerwehr Möhnesee ein, die um 9.38 Uhr zusammen mit der Polizei von einem Passanten alarmiert worden war, der die Szenerie verfolgt hatte. „Bevor wir an der Einsatzstelle eingetroffen waren, konnte der Schwimmer von einem Passanten mit seinem Boot gerettet werden. Ein Eingreifen der Feuerwehr war daher nicht mehr erforderlich“, erklärte die Feuerwehr Möhnesee, die mit den beiden Booten der Löschzüge Körbecke und Günne angerückt war.

Rettung auf dem Möhnesee: "Das ding hätte wirklich in die Hose gehen können"

Der Schwimmer kam mit dem Schrecken davon, saß kurze Zeit später schon wieder auf seinem Fahrrad und fuhr davon, berichtet Lebensretter Manuel Brunstein. Der Vorfall stimmt ihn nachdenklich: „Das Ding hätte wirklich in die Hose gehen können.“

Auf dem Möhnesee darf die Yachtschule lediglich ein Boot mit schwachem Elektromotor betreiben.

Die ADAC-Yachtschule hofft, für genau solche Fälle die Genehmigung zu erhalten, ein Boot mit Verbrennungsmotor auf dem See betreiben zu dürfen. „Das soll ja kein Spaßboot sein, sondern nur dann zum Einsatz kommen, wenn Menschenleben in Gefahr sind“, betont Manuel Brunstein. „Eine eigene Wasserrettung gibt es am Möhnesee nicht, die DLRG ist nicht täglich hier und die Feuerwehr braucht einfach eine gewisse Zeit, bis sie vor Ort ist. Das ist auch völlig normal: Die Einsatzkräfte müssen ja erst zum Feuerwehrhaus, sich dort umziehen und können sich dann erst auf den Weg machen. Das geht auch schnell, in diesem Fall wäre es beispielsweise nicht schnell genug gewesen. Wir sind täglich hier und können sofort aufs Wasser, wenn irgendetwas ist.“ 

Ruhrverband: Betrieb von Motorbooten nur für Ruhrverband und Rettungsdienste

Beim Ruhrverband sei der Vorfall noch nicht bekannt, sagt Ruhrverbands-Sprecherin Britta Balt. Sie erklärt, dass in der so genannten Gemeingebrauchsverordnung festgelegt sei, dass der Betrieb von Motorbooten ausschließlich dem Ruhrverband als Betreiber der Talsperre und den Rettungsdiensten beziehungsweise der Feuerwehr gestattet ist. 

Ruhrverband: Nur an ausgewiesenen Stellen schwimmen

Hintergrund sei, dass der Möhnesee eine Rohwasser-Talsperre ist, die die Versorgung von 4,6 Millionen Menschen sichert. „Da herrschen sehr strenge Bedingungen“, so Balt. Sie erinnert zudem daran, dass das Baden und Schwimmen im Möhnesee nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt sei. „Und das aus gutem Grund.“

Auch für Segler sei es problematisch, wenn Menschen quer durch den See schwimmen würden. „Auf dem Boot können ihre Köpfe sehr schnell übersehen werden“, sagt Brunstein.

„Dass der Schwimmer laut den Schilderungen der Beteiligten in letzter Sekunde gerettet werden konnte, war ein glücklicher Umstand. In einem anderen Fall könnte es passieren, dass die Hilfe zu spät kommt“, betont die Ruhrverbandssprecherin und hofft, dass Schwimmer nur an den Stellen ins Wasser steigen, die für sie gedacht sind. „Wir können eben nicht jede Eventualität abdecken, die irgendwann einmal wieder auftreten könnte.“

Auch Benjamin Sellin wurde zum Lebensretter. Nach einem schweren Arbeitsunfall in Soest handelte er sofort richtig.

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