Möhnesee-Schule fordert Zusammenhalt zwischen Deutschen und Briten

Kinder setzen Zeichen des Friedens

+
Zum Friedensprojekt der Sekundarschule zählt dieses Banner, das am Jahrestag der Möhnekatastrophe zum Einsatz kommen soll.

Möhnesee – In einer Demokratie und in Friedenszeiten aufzuwachsen, ist ein hohes Gut und absolut keine Selbstverständlichkeit. Wie bedroht sie ist, muss man sich immer wieder klar machen – an der Möhnesee-Schule geschieht dies zum Beispiel innerhalb der freiwilligen AGs „Friedensbotschafter“ und „JugendPower-Günne“.

Gemeinsam haben sie eine Friedens-Aktion angestoßen. Und die soll bis weit über die Gemeindegrenzen hinaus wirken: In Anlehnung an die Bombardierung der Sperrmauer im Mai 1943 haben sie einen Friedensbrief aufgesetzt, den sie unter anderem an große britische Zeitungen verschickt haben. Ob die ein Schreiben aus der westfälischen Provinz veröffentlichen, sei mal dahingestellt, „aber man muss es zumindest versuchen“, meint Meinolf Padberg, der vonseiten des Kollegiums das Projekt an der Sekundarschule begleitet.

In dem langen Brief heißt es unter anderem: "Wir sind Schüler der Moehnesee-Schule. Wir sind die zukünftige Generation mit einer Sehnsucht nach einer besseren Welt, die sicherlich sehr viele Menschen auf der Erde mit uns teilen: Gemeinsam sehnen wir uns nach einer Welt des Friedens, der Gerechtigkeit, der Sicherheit, nach einer Welt der Harmonie mit Klima und Natur, einer Welt ohne Hunger und Armut. Lasst uns also zusammenhalten, die Briten und die Deutschen. Lasst uns zusammenhalten – in der Europäischen Union, die seit mehr als 70 Jahren das größte und erfolgreichste Friedensprojekt der Welt ist."

Bewusst habe man das Schreiben nicht zum 77. Jahrestag der Möhne-Katastrophe Mitte Mai verschickt, sondern im direkten Vorfeld der britischen Unterhauswahl am heutigen Tag. Padberg: „Egal, wie die britische Wahl ausgeht: Unsere Aktion wird ein eindrucksvolles Zeichen der Möhnesee-Schule sein für Versöhnung und Frieden.“

Die Jugendlichen kennen Krieg zum Glück nicht aus eigener Erfahrung, zum Teil haben aus der Ihrer Angehörigen. So wie Sarah Kassem, deren türkischer Vater vor 15 Jahren aus dem Irak floh. Oft erzähle er ihr davon, wie er sah, wie ringsum Bomben einschlugen, „oder wie direkt vor seiner Tür Menschen erschossen wurden und die ganze Familie in den Keller flüchtete.“

Neben dem Friedensbrief erstellten die Jugendlichen ein großes Transparent, das unter anderem bei einer Aktion zum 77. Jahrestag der Katastrophe zum Einsatz kommen soll, und sie führten in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 eine Umfrage durch zur Lage in Großbritannien – wenig überraschend sprach sich eine große Mehrheit für einen Verbleib der Insel in der EU aus. Zudem hat die Schule die Patenschaft für die Absturzstelle eines britischen Bombers in Ostönnen und bauen ein Netzwerk auf aus Menschen und Institutionen, die mit der Thematik befasst sind. Mit ihnen ist eine Aktion am Jahrestag der Katastrophe geplant.

„Gerade heute ist es wichtig, das Thema Demokratie auch in die Köpfe der Kinder zu bekommen“, so Schulleiter Jörg-Martin Jacob, „Die Kinder sollen mit einem alltagstauglichen Demokratieverständnis von dieser Schule entlassen werden und das die Menschen zu einer demokratischen Gesellschaft erzieht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare