Möhnesee-Schifffahrt

Corona trifft Möhnesee-Schifffahrt mit voller Breitseite

Kapitän Ulrich Grüterich blickt auf eine wirtschaftlich harte Saison zurück. Die Corona-Krise brachte die Möhnesee-Schifffahrt in schwieriges Fahrwasser. Der Katamaran fährt noch vier Wochen, dann beginnt die Winterpause. 	Foto: Dahm
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Kapitän Ulrich Grüterich blickt auf eine wirtschaftlich harte Saison zurück. Die Corona-Krise brachte die Möhnesee-Schifffahrt in schwieriges Fahrwasser. Der Katamaran fährt noch vier Wochen, dann beginnt die Winterpause.

Möhnesee – Halbe Kraft voraus! In der Möhnesee-Schifffahrt herrscht Flaute. Noch bis zum 25. Oktober läuft der Katamaran jeden Morgen aus, nimmt Kurs auf die Hauptanlegestelle Sperrmauer und startet stündlich seine Rundfahrten.

Die Crew freut sich über jeden, der an Bord geht und die Fahrt durch die herbstliche Landschaft genießt. Die Saison lief schleppend, viele Plätze blieben leer.

Es ist schon ungewöhnlich, wenn Kapitän Ulrich Grüterich sagt, es habe auch sein Gutes, in wenigen Wochen einstweilen den Hafen ansteuern zu können, wo das Schiff den Winter über liegt. Dann geht ein Sommer zu Ende, der die Schifffahrt Corona-bedingt in schwieriges Fahrwasser brachte.

„Wir leben im Moment von der Substanz“, stellt Grüterich unmissverständlich fest. Die Pandemie hat den Ausflugs-Betrieb auf der Talsperre, wie er berichtet, mit voller Breitseite getroffen. Der kleine Urlaub zwischendurch auf den Decks der „Möhnesee“, die geruhsam durchs Wasser zieht, fiel für viele Passagiere flach. Zu besten Zeiten herrscht Hochbetrieb, die Gäste strömen aufs Schiff, lassen sich Kaffee und Kuchen schmecken und entspannen sich. Diesen Erlebniswert möchte ihnen das Team auch im Moment bieten – und zwar so normal wie möglich, wenn auch unter besonderen Vorzeichen.

Nach dem Lockdown im Frühjahr hieß es erst Mitte Mai „Leinen los!“, anderthalb Monate später als planmäßig. Eigentlich bietet das Schiff 600 Sitzplätze. Doch die Abstandsregeln lassen aktuell an den Zweier- und Vierertischen nur ein begrenztes Angebot von gut 250 Gästen zu. Kaum Busse, so gut wie keine Gruppen – die Folgen von Corona seien mehr als deutlich spürbar, betont Ulrich Grüterich, der mit seinen Leuten seit Monaten gegen die Krise ankämpft und jetzt, im Herbst, beunruhigt aufs nächste Jahr schaut: Niemand wisse, was noch kommt, ob weiterhin mit derart gravierenden Einschnitten zu rechnen ist und es gelingt, den riesigen Kostenapparat zu bedienen.

Der Schiffsführer: „Die Sorgen nehmen nicht ab, sondern noch zu.“ Er weist auch auf die hohen Kosten für Reinigung und Desinfektionsmittel hin – notwendige Ausgaben, um die Hygienestandards einzuhalten, deren Ziel ist es ein weiteres Ausbreiten des Virus zu verhindern.

Die Mitarbeiter leisten die ganze Saison über Kurzarbeit. Mit Blick auf die Tickets, die üblicherweise an Busgesellschaften und und Ausflugsgruppen gehen, stellt der Kapitän fest: „Das macht sonst 80 Prozent unseres normalen Geschäftes aus.“ Derzeit treffen jedoch reihenweise Absagen ein. Zu den beliebten Veranstaltungen auf dem Wasser gehören der gemütliche Brunch sowie das Westfälische Büfett: In diesem Jahr allerdings gingen nach Grüterichs Worten nur wenige Anmeldungen ein. Etliche Termine seien komplett gestrichen worden, wie die Ü30-Party, sonst ein willkommener Anlass für Stammtische, Freundeskreise und Vereine, in See zu stechen. Bei den Piratenfahrten in den großen Ferien blieb das Publikum mit knapp zwei Dutzend Abenteurern sehr überschaubar. „Schade“, meint Grüterich, „denn der Sommer war traumhaft schön.“

Wegen des niedrigen Wasserstandes fallen die Haltestellen in Körbecke und Hevetal derzeit weg. Eine zusätzliche Belastung? „Nein“, lautet die Antwort, „das ist normal. Das kennen wir. Denn eine Talsperre dient nun einmal der Wasserversorgung.“

Ein Erlebnis

Ein Datum gehört ebenfalls zum turbulenten Jahr 2020: Am 3. September lag die Möhnesee manövrierunfähig im Wasser (wir berichteten) – für die Passagiere an Bord offenbar ein besonderes Erlebnis, berichtet Ulrich Grüterich im Nachhinein mit einem Schmunzeln. Als Ursache für das Malheur nennt er einen Schaden an Elektronik und Mechanik, das sei selten wie ein Sechser im Lotto. Die Fahrgäste nahmen die Situation mit Humor. Drei Senioren feierten an dem Tag Geburtstag und freuten sich über die besondere Einlage. Ruhrverband und Feuerwehr halfen, alle kamen heil an Land, niemandem ist etwas passiert.

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