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Hochwasser: „So etwas hatten wir noch nie!“ - „bewaldete Fläche hält natürlich mehr Wasser zurück“

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Von: Daniel Schröder

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Luftbild, Hochwasser nach starken Regenfällen,  Günne, Möhnesee, Sauerland, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Wasser, so weit das Auge reicht. Aus der Luft wird das gesamte Ausmaß des Dauer-Starkregens sichtbar. © Hans Blossey

Als eine der wenigen Talsperren des Ruhrverbandes lief die Möhnetalsperre in Folgen der Starkregenfälle nicht über. Doch sie war kurz davor. Ein Gespräch mit dem Ruhrverband über eine Situation, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hat.

Möhnesee – Als eine der wenigen Talsperren des Ruhrverbandes lief die Möhnetalsperre in Folgen der Starkregenfälle nicht über. „Bei der Möhnetalsperre war es lange unklar, ob es zum Überlauf kommen wird. Am Ende war es eine Sache von einem einzigen Zentimeter“, berichtet Ruhrverbands-Sprecherin Britta Balt. In Reihen des Ruhrverbandes sei man von einem Überlauf ausgegangen. „Letztlich ist – je nach Wellenschlag – nur ein bisschen Wasser übergeschwappt“, so Balt.

Die „Hochwasser-Lage“, von der Britta Balt spricht, habe den Ruhrverband dennoch in Atem gehalten: „Solch eine Lage über das gesamte Einzugsgebiet war für uns eine wirklich außergewöhnliche Situation. So etwas hatten wir noch nie!“ Es seien Pegelstände verzeichnet worden, „die wir noch nicht kannten“. Als Beispiel nennt sie den „Pegel Hattingen“, der relevant für die Mindestwasserabgaben sei. „Bisher hatten wir 2007 den Höchststand mit 6,16 Metern. Am Donnerstagmorgen lag der Pegel über 7 Metern.“ Wie hoch der Pegel genau war, kann Balt noch nicht sagen. Denn: „Die Pegel-Latte war komplett unter Wasser. Es musste händisch gemessen werden.“

Laut vorläufigen Berechnungen hätten die Talsperren des Ruhrverbandes 200 Kubikmeter Wasser in der Sekunde zurückgehalten. „Wären diese Wassermassen ungehindert geflossen, hätten noch deutlich mehr Keller, Erdgeschosse und Industrieanlagen unter Wasser gestanden. Es war wirklich eine prekäre Hochwassersituation.“ Bis auf Möhne-, Sorpe- und Versetalsperre seien alle anderen Talsperren übergelaufen. „Jetzt ist der Scheitelpunkt flächendeckend überschritten. Die Pegel gehen zurück. Jetzt geht es darum, die Talsperren wieder freizuräumen. Das heißt: Es wird wieder mehr Wasser abgegeben, als zufließt. Doch das muss so vorsichtig und kontrolliert geschehen, dass es nicht wieder zu einem solch enormen Anstieg der Pegelstände kommt. Die Kommunen, die unterhalb der Talsperren liegen, werden anhand der Pegelstände nicht merken, dass wir Wasser abgeben.“
Balt betont, warum die Wasserabgabe jetzt so wichtig sei: „Es sind weitere Regenfälle zu erwarten und die Talsperren sind fast überall bei 100 Prozent.“

Doch welche Auswirkungen hätte ein Überlauf der Möhnetalsperre gehabt? „Für das Bauwerk selbst keine. Die Standsicherheit war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Das wurde rund um die Uhr anhand von Live-Daten überwacht. Auch die darunter liegenden Kommunen hätten in Folge eines Überlaufs keinen wesentlichen Unterschied gespürt.“
Für den Ruhrverband sei vor allem das öffentliche Interesse spürbar gewesen. Das wird anhand eines prägnanten Beispiels klar: „Unsere Internetseite mit den Pegelständen und Webcams hatte so eklatant hohe Zugriffszahlen, dass das System überlastet ist. Dieser Problematik sind wir uns durchaus bewusst, doch daran können wir zum aktuellen Zeitpunkt leider nichts ändern“, erklärt Britta Balt.

Arne Heck ist Forstrevierleiter an der Möhnetalsperre. Er berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion, dass das veränderte Gesicht des Waldes durchaus Einfluss auf die Auswirkungen solcher Starkregenfälle habe: „Grundsätzlich kann man sagen, dass eine bewaldete Fläche natürlich mehr Wasser zurückhält. Allein in den Baumkronen bleibt bereits viel Wasser hängen und verdunstet wieder.“ Jedoch seien auch an den Stellen für die der Ruhrverband zuständig ist und wo der Borkenkäfer gewütet hat, noch die Wurzeln der Bäume im Boden. Und die halten den Waldboden weiterhin zusammen: „Bei uns hat es zum Glück keine größeren Erosionsschäden gegeben“, so Arne Heck.

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