Möhnesee

Harte Zeiten für Gastronomie am See

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Im „Haus Griese“ am Möhnesee wurde das Essen vakuumverschweißt und an die Gäste rausgegeben.

Möhnesee -  Frische Körbecker Bouillon mit Gemüse, Markklößchen und Eierstich oder einen vegetarischen Tomaten-Eintopf mit buntem Gemüse. Alles kein Ding, trotz Corona - einzeln verpackt und vakuumverschweißt.  So sieht es aus, wenn das Hotel „Haus Griese“ die Speisen zum Mitnehmen vorbereitet. 

 „Übernachtungen null, zum Essen hier im Hotel, da war heute noch keiner da“, erzählte Meinolf Griese am Telefon: „Die Corona-Krise hat uns alle fest im Griff – wir mussten handeln und die behördlichen Vorgaben in vollem Umfang unverzüglich umsetzen.“ Der Hotelbetrieb ist damit seit Mittwoch stark eingeschränkt, warme Küche für Gäste gibt es nur noch von 8 bis 15 Uhr. Jetzt weit in die Zukunft zu schauen, das gleiche dem Blick in die Glaskugel, sagt Griese. Seit 1998 ist er im Haus, seit 1998 führt er den 1914 gegründeten Traditionsbetrieb in vierter Generation, zusammen mit seiner Frau Yvonne: Jetzt gehe es erst einmal um das Durchhalten von Woche zu Woche – und um ganz viele Telefonate. Mit dem Hotelverband Dehoga sei er im Dauergespräch, ebenso mit der Gemeinde. Die Lage: ernst. Aber nicht hoffnungslos. 

Zuversichtlich trotz der Krise

Stornierungen, sagt Griese, die summieren sich jetzt schon auf einen sechsstelligen Bereich, und dennoch sei er zuversichtlich: „Ich glaube ganz fest, dass wir das alles wieder hinbekommen. Wir müssen jetzt klug und besonnen handeln, wir müssen zusammenhalten – und wir müssen uns jeder einzeln an die Vorgaben halten, damit diese Pandemie abflacht.“ 32 Mitarbeiter hat das gerade erst teilrenovierte Hotel, einschließlich der Teilzeitkräfte. Kurzarbeit ist angesagt. Vier Mitarbeiter wurden gekündigt: Zwei Köche, eine Zimmerdame und eine Servicedame bekamen die Papiere. Griese: „Es hat leider die getroffen, die zuletzt hier angefangen haben – es ging nicht anders, und es ist uns wirklich schwer gefallen. Wir haben lange miteinander gesprochen, alle haben eingesehen, unter welchem Druck wir stehen – und alle sind mit dem festen Versprechen gegangen, dass sie die Ersten sind, die wir nach der Krise wieder an Bord holen.“ Wie er gemeinsam mit der Familie und dem Hotel durch die Krise kommen wolle? Griese „Wir werden alles ausnutzen, was es an Förderprogrammen gibt bei den Banken, wir setzen auf die versprochenen Mittel, die Minister Altmeier in Aussicht gestellt hat, das waren eine halbe Billion Euro, und wir setzen auch auf Mittel aus den 750 Milliarden, die die Europäische Union verteilen will.“ 

"Gerade mal am Anfang"

An eine schnelle Besserung der Lage glaubt Meinolf Griese erst einmal nicht: „Wir sind gerade mal am Anfang, und die Experten sprechen ja von Ansteckungsgefahren bis in den Juni hinein. Mit den Folgen, da werden wir noch Jahre zu tun haben.“ Diese Woche könnte dann erst einmal komplett geschlossen sein. „Kann sein, dass wir nicht drum herumkommen“, sagt Meinolf Griese. „Aber wir sind zuversichtlich.“ Wo immer man sonst anruft, es sind alles Gespräche, die man lieber nicht hätte – die eigentlich unvorstellbar waren bislang. Die Betreiberfamilie Wild vom Möhnehof Sämer etwa meldet: „Wir halten uns an die Vorgaben und haben für unsere Gäste von 11 bis 15 Uhr geöffnet.“ Thomas Figge ist seit Juni 2018 Hoteldirektor im Haus Delecke. Er spricht ganz offen von einer Katastrophe: „Uns wird die Geschäftsgrundlage entzogen durch die Verordnungen. Wir haben Kurzarbeit angemeldet bis Juni. Ab Montag machen wir komplett zu.“ Vorstellen können hätte er sich so etwas nicht: „Jetzt haben wir die schlechten Monate gerade hinter uns, haben uns auf den Saisonstart mit umsatzstarken Monaten gefreut – und dann das!“ Karin Schulte betreibt seit dreieinhalb Jahren das Hotel „Forsthaus Wiesmann“ am Südufer. „Wir machen zu ab Montag, den 23. Wir haben schon die ganze Woche über geschlossen“, erzählt sie. „Wir waren letzte Woche in München – da war die Geschichte mit dem Virus schon überall in den Köpfen. Als wir dann hier in Möhnesee waren, da haben wir die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wie die Menschenmassen sich so am See tummeln können, wie sie da so gar nicht darauf achten, Abstand zu halten…“ 

Keine Ahnung, wie es weitergeht

Wie es mit dem Hotel weitergehen werde? „Sagen Sie’s mir!“, antwortet die Inhaberin, „ich habe keine Glaskugel!“ Unterstützung, das werde wichtig sein für alle, damit die Betriebe überleben können. Es sei ja überhaupt nicht klar, wie lange die Krise dauern werde. Und dann sei es auch eine Frage, wie verängstigt die Leute seien, wenn denn mal wieder bessere Zeiten kommen: „Wir müssen es auf uns zukommen lassen."

Am Sonntag beschloss die Regierung auf jeden Fall erstmal eine Kontaktsperre für mindestens zwei Wochen. Davon sind auch Restaurants betroffen, sie müssen jetzt für Gäste schließen. Lieferservice und Abholung sollen aber weiterhin möglich sein.  

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