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„Mach Dich vom Acker“: Corona-Hassbotschaft am Auto wegen fremden Kennzeichens

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Von: Marcel Voß

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Dieser Zettel klebte an der Scheibe eines Autos in Möhnesee-Wamel.
Dieser Zettel klebte an der Scheibe eines Autos in Möhnesee-Wamel. © Privat

[Update] „Wir haben doch genug andere Probleme.“ Ein Mann aus Wamel regt sich über einen Zettel auf, der kürzlich am Auto seiner Mutter klebte. Darauf wird diese aufgefordert, sich „vom Acker“ zu machen. Der Hintergrund: Corona.

Möhnesee-Wamel - Aber von vorne: Der Mann aus Wamel, der aus verschiedenen Gründen anonym bleiben möchte, bat am Wochenende seine in Waltrop (Kreis Recklinghausen) wohnende Mutter, nach Möhnesee zu kommen, um auf seinen Sohn aufzupassen. Der Zweijährige sei krank gewesen – kein Corona. Er und seine Frau seien beide berufstätig, erklärte der Vater im Gespräch mit unserer Zeitung. (News zum Coronavirus im Kreis Soest)

OrtsteilWamel
GemeindeMöhnesee
LandkreisKreis Soest

Corona-Hassbotschaft an Autoscheibe wegen fremden Kennzeichens in Möhnesee

Dass die 61-jährige Großmutter des Kindes in Wamel offensichtlich nicht willkommen ist, brachte ein unbekannter Täter mit einer unfreundlichen Botschaft zum Ausdruck: „Wir brauchen kein Corona in Wamel“, ist unter anderem auf dem ausgedruckten Zettel zu lesen, der an einer Scheibe des Wagens mit Recklinghauser Kennzeichen befestigt wurde.

Der Kreis Recklinghausen war zuletzt durch vergleichsweise hohe Corona-Zahlen aufgefallen. Aufgrund der Inzidenzwerte wurde dort zwischenzeitlich auch der Lockdown verschärft.

Mach Dich vom Acker und nehme Deine Muschpoke gleich mit“, heißt es da weiter. Unterzeichnet ist der Brief mit „Die Bürger“. Als „Muschpoke“ (oft auch Mischpoke) wird abwertend die Familie oder Verwandtschaft einer Person bezeichnet.

Corona-Hassbotschaft an Autoscheibe wegen fremden Kennzeichens: „Bodenlose Frechheit“

Als der Wameler davon hörte, sei er zunächst sprachlos gewesen. Doch aus Sprachlosigkeit wurde schnell Wut: „Das ist eine bodenlose Frechheit.“ Seine Mutter sei keine Touristin und nicht zum Spaß vor Ort. Sei sei von den gehässigen Zeilen ebenfalls schockiert gewesen: „Meine Mutter war richtig fertig und konnte danach die ganze Nacht nicht schlafen.“

Was der Wameler klarstellen möchte: „Viele Leute denken zurzeit nicht nach, bevor sie andere Menschen angehen. Das ist für uns alle keine einfache Zeit. Aber nur weil da ein Auto mit fremdem Nummernschild steht, heißt das nicht, dass wir eine Party feiern.“ Ihn ärgert vor allem, dass er und seine Familie nichts Verbotenes getan haben – die derzeitige Corona-Schutzverordnung des Landes NRW erlaubt es, dass die drei Personen aus zwei Haushalteständen zusammenkommen.

Corona-Hassbotschaft an Autoscheibe wegen fremden Kennzeichens: Kein Erfolg bei Polizei

Bei der Polizei sei er aus Verzweiflung am Montag schon gewesen, habe dort aber eine Absage bekommen. In dem Schreiben sei weder eine Bedrohung, noch eine Beleidigung zu erkennen, die eine Anzeige begründen könnte.

Jetzt, am 26. Januar, meldete sich die Polizei aufgrund der Berichterstattung bei dem Möhneseer, um die Anzeige aufzunehmen. Nun soll ein Strafantrag gestellt werden.

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