Der Linkturm gegenüber der Möhnetalsperre ermöglicht einen Blick in die Vergangenheit

+
Der Linkturm, erbaut von Ernst Link, steht am Ufer des Möhnesees. In seiner langen Geschichte hatte er schon viele Besitzer und Nutzer. Inzwischen steht er seit 28 Jahren leer.

Möhnesee - Unterhalb von Haus Delecke, direkt am Wasser des Möhnesees liegt der Linkturm. Errichtet und benannt nach Ernst Link, dem Erbauer der Möhnetalsperre. Der Turm hat eine interessante Geschichte.

Von hier hat man einen traumhaften Blick über den See und die beeindruckende Staumauer. Als der Turm erbaut wurde, war die Staumauer bereits lange abgeschlossen. 

„Er war nie der Arbeitsplatz von Ernst Link, sondern sollte als Ersatz für ein nie umgesetztes Wohnhaus dienen“, erzählt Ulf Dietmar Link, der Enkel von Ernst Link. „Der Turm wurde auch erst 16 Jahre nach Fertigstellung der Sperre gebaut.“ 

Ulf Dietmar Link hat selbst viel Zeit im Linkturm verbracht. Zuvor hatte Ernst Link das Grundstück am sogenannten „Buschberg“ vom Rittergutsbesitzer Anton Moenikes zu Delecke erworben. 

Durch seine lange Arbeit an der Möhnetalsperre fühlte er sich dem Ort verbunden. Die Pläne des Hauses nahmen Gestalt an und das Grundstück wurde ab 1925 auf den Bau vorbereitet.

Dabei gehörte Ernst Link nicht der gesamte Buschberg unterhalb von Haus Delecke. Die Uferstreifen blieben im Besitz des damaligen Ruhrtalsperrenverbands, wurden jedoch an Ernst Link verpachtet. 

1929 wurde das Projekt Wohnhaus jedoch eingestellt. Stattdessen errichtete Ernst Link den Linkturm auf dem gepachteten Gebiet. Bis 1939 nutzte die Familie Link den Turm und ihr benachbartes Grundstück. 

Dann wurde das Gelände von der Wehrmacht beschlagnahmt. Sie errichtete dort eine kleine Garnision inklusive Barracken, Munitionsunterständen und einer Flugabwehrkanone.

„Wir haben immer etwas Bauchschmerzen, wenn sich Menschen hier hereinschleichen, denn es könnten noch Munitionsreste in den Wäldern liegen“, sagt Ulf Dietmar Link. 

Auch nach dem Krieg konnte die Familie Link ihren Turm nicht genießen. Nachdem die Kriegsschäden beseitigt waren, wurde ein Einwohner Deleckes in den Turm einquartiert, obwohl das Gebäude nicht als „Dauerwohnstätte“ gedacht war. 

Erst 1956 konnten die Links wieder ihren Turm nutzen, leider war Ernst Link zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. 1986 kündigte der Ruhrtalsperrenverband den Pachtvertrag auf, woraus sich ein jahrelanger Rechtsstreit entwickelte. 

Schlussendlich einigte man sich auf einen Vergleich. Familie Link wurde ausbezahlt und der Turm mitsamt den Uferstreifen wurde an die Betreiber des Haus Delecke verpachtet. 

Falls diese einmal Pläne für den Turm hatten, wurden sie nie umgesetzt. 

Seit 28 Jahren steht der Turm nun ungenutzt am Seeufer. Die Familie Link nutzt jedoch auch weiterhin ihr Grundstück zwischen Turm und Haus Delecke. 

Im Sommer wird gezeltet und campiert, es gibt einen großen Garten, ein kleines Häuschen und viel Platz für die Nachkommen von Ernst Link. 

Ein Gedenkstein erinnert noch heute an den Erbauer der Möhnetalsperre und des Linkturms. 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare