Mülltonnen aus engen Stichstraßen müssen zu Sammelpunkten rollen

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Symbolbild.

Möhnesee – Mülltonne vors Haus, dann kommt die Abfuhr: Dieser bequeme Weg der Entsorgung wird voraussichtlich ab Mitte Oktober nicht mehr überall gelten: Weil die Sammelfahrzeuge der Müllabfuhr lange Rückwärtsfahrten vermeiden sollen, müssen die Anlieger aus den entsprechenden Stichstraßen ihre Tonnen dann bis zur nächsten durchgehenden Straße ziehen und an der vorgegebenen Stelle am Straßenrand platzieren.

Was in anderen Kommunen der Region bereits Praxis ist, kommt in wenigen Wochen auch auf die Möhneseer zu. Nach aktuellem Stand sind von dem Gebot, Rückwärtsfahrten zu vermeiden, in Möhnesee 53 Straßen und 276 Haushalte betroffen. Es könnten aber noch einige mehr werden, weil die Prüfung, ob die Müllautos ohne Rückwärtsfahrt zurecht kommen, noch läuft. Die Firma Veolia hat nämlich extra ein kleineres Sammelfahrzeug angeschafft, und in den fraglichen Straßen muss noch geprüft werden, ob das Auto am Ende der Stichstraßen in zwei Zügen wenden kann. 

Das berichtete Franz-Wilhelm Kroll von der Gemeindeverwaltung. Den Hintergrund erläuterte Michael Triphaus von der Entsorgungswirtschaft Soest (ESG) jetzt im Gemeinderat. Demnach gibt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mit der 2016 verabschiedeten Regel 114-601 vor, dass Rückwärtsfahrten bei der Müllabfuhr zu vermeiden sind. Ergänzend komme Paragraf 9 Straßenverkehrsordnung hinzu, der in Absatz fünf regelt, dass beim Rückwärtsfahren niemand gefährdet werden darf. 

Erhebungen zufolge habe es von 2010 bis 2018 bundesweit 27 schwere Unfälle beim Rückwärtsfahren während der Müllabfuhr gegeben, davon 25 tödliche. In sechs Fällen seien Einweiser selbst von einem Müllfahrzeug überrollt und getötet worden. Die besagte Regel sei zwar nicht rechtsverbindlich, so Triphaus, „aber es ist besser man hält sich dran, zumal der Fahrer derjenige ist, der im Zweifel vor Gericht steht“. 

Sind enge Wege oder Stichstraßen ohne Rückwärtsfahrt nicht zu befahren, komme nur noch die Verlegung des Behälterstandorts in Frage. Die betreffenden Bürger fänden das nicht toll, so Triphaus, sie müssten es jedoch hinnehmen. Laut einschlägigen Gerichtsurteilen seien Strecken von 100 bis 130 Meter innerorts zumutbar, außerorts sogar mehr als ein Kilometer. Ebenso müssten Anlieger, denen es Probleme bereitet, die Mülltonne an den Sammelpunkt zu ziehen, dieses Problem gemäß Rechtsprechung selbst lösen. 

Ob wenigstens die Abfallgebühren sinken, wenn dank der Sammelpunkte der Zeitaufwand für die Abfuhr sinkt, wurde von den Experten verneint. Voraussichtlich steigen die Gebühren sogar, weil berücksichtigt werden muss, dass Veolia ein kleineres Müllfahrzeug für die engeren Straßen angeschafft hat.

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