Vorfall in Völlinghausen Ostern 2020

Landgericht verurteilt Automaten-Knacker

Nicht ersetzt wurde der Geldautomat in Völlinghausen.
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Nicht ersetzt wurde der Geldautomat in Völlinghausen.

Die Bande, die Ostern 2020 den Geldautomaten in Völlinghausen aufgebrochen hatte, ist von einem Brandenburger Gericht zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Potsdam schickte zwei der Haupttäter wegen mehrfachen schweren Bandendiebstahls jeweils für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Völlinghausen/Potsdam – Ein weiterer Komplize muss für viereinhalb Jahre in Haft; er erhielt einen Bonus, weil er früh gestanden und zur Aufklärung der Einbruchsserie beigetragen hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Landgericht verurteilt Automaten-Knacker: 27 Einbrüche

Die 30 bis 40 Jahre alten Familienväter, die aus Berlin und dem westlich davon gelegenen Havelland stammen, gaben hohe Schulden als Motiv an. Insgesamt 27 nächtliche Einbrüche gingen zwischen April 2019 und April 2020 auf das Konto der Bande, die allein 21 Mal die Safes von Burger-King-Filialen Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen öffnen wollte – was meist gelang. Ab März 2020 nahmen sie zunehmend Geldautomaten in gänzlich anderen Regionen Deutschlands ins Visier. Da aber überwachte die Polizei schon ihre Telefone und nahm die Männer im Mai 2020 fest. Der Einbruch in die Sparkasse Völlinghausen im April 2020 war dabei die vorletzte Tat der Bande.

Die dort gestohlenen 97 000 Euro waren dabei der zweithöchste erbeutete Betrag auf der Diebestour. Noch mehr Geld wurde nur aus einem chinesischen Restaurant in Berlin mitgenommen. Nicht immer machten sie große Beute: Weil sich die Einbrecher in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) gestört fühlten, brachen sie die Tresoröffnung ab – und griffen stattdessen die Spendenkasse für das Kinderhilfswerk.

Die drei Haupttäter seien von Anfang an als Bande aktiv gewesen, befand das Gericht, auch wenn sie oft nur zu zweit zuschlugen. Bei jedem Angeklagten sah das Gericht zwischen 15 und 20 Taten als erwiesen ansah. Als „hochprofessionell“ und „keine Einbrechertruppe auf Selbstfindungstour“ charakterisierte der Vorsitzende Richter Axel Gerlach deren Vorgehen, es habe vom ersten Tag an eingeübt und einstudiert gewirkt.

Landgericht verurteilt Automaten-Knacker: 400.000 Euro Beute

Gelegentlich holten sie sich weitere Unterstützung; ein vierter Mann wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, weil er bei zwei Diebeszügen half.

Obwohl alle vier die Einbrüche weitgehend gestanden hatten, wurde in fünf Monaten 16 Mal verhandelt, ehe am vergangenen Freitag das Urteil fiel.

Neben den Haftstrafen wurde die Einziehung von knapp 400 000 Euro Tatbeute sowie eines Autos, eines Quads, von Tabakwaren, Silberbarren, mehreren Spreizern, Burger-King-Gutscheinen und vielen weiteren Dingen angeordnet.

Der darüber hinaus entstandenen Sachschaden durch die Einbrüche beläuft sich auf rund 250 000 Euro. Schon vor dem Ende der einstündigen Urteilsverkündung kam es zu heftigen Wortgefechten bei Angeklagten und deren Angehörigen im Gerichtssaal. Dort beschimpften sich Mitglieder der Familien und bezichtigten sich gegenseitig, selbst Dreck am Stecken zu haben. Unmittelbar vor diesem Streit hatte das Gericht jenen Verurteilten, der zur Aufklärung beigetragen hatte, als einziges Bandenmitglied aus der Untersuchungshaft entlassen. Richter Gerlach hatte das unter anderem damit begründet, dass dessen Umfeld nicht so kriminogen sei. Daraufhin eskalierte die Situation. Dass Partner der Angeklagten beim Verkauf von Diebesgut mitgeholfen haben könnten, war bereits während der Urteilsbegründung zur Sprache gekommen.

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