Keyless-Go-Bande vor Gericht

Möhnesee soll Autodieben als Umschlagplatz gedient haben

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Vor dem Landgericht Bielefeld startete ein Prozess gegen mutmaßliche Autodiebe, die Möhnesee als Umschlagplatz genutzt haben sollen. Für ihre Diebestouren tricksten sie die Keyles-Go-Systeme der Fahrzeuge aus.

Möhnesee / Bielefeld – Nur mit einer Funkkarte sein Auto öffnen und starten zu können, ist schon eine bequeme Sache. Leider nicht nur für den rechtmäßigen Besitzer, sondern auch für böse Buben.

Vier mutmaßliche Autodiebe sitzen seit gestern in Bielefeld auf der Anklagebank: Sie sollen im großen Stil im östlichen Nordrhein-Westfalen Wagen gestohlen und nach Polen geschafft haben – mit einem Parkplatz am Möhnesee als „Umschlagplatz“. 

Sie hatten es ausschließlich auf Autos mit dem so genannten Keyless-Go-System abgesehen: Diese elektronische Fahrberechtigung funktioniert per Funksignal – das von einem elektronischen Schlüssel ausgesendet wird. Das machen sich Autodiebe zunutze: Sie verlängern das Funksignal vom Aufbewahrungsort des Schlüssels bis zum Auto mithilfe spezieller Geräte, so dass sie das Fahrzeug wegfahren können. 

Und genau so soll es auch die Bande angestellt haben, die sich seit gestern vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten muss. Vier Polen im Alter von 30 bis 39 Jahren, zwei von ihnen wohnten in Arnsberg und Hamburg, sollen zwischen August und Dezember vergangenen Jahres insgesamt 30 Autos gestohlen haben. Schwerpunkte der Taten waren der Kreis Gütersloh, der Kreis Lippe und der Hochsauerlandkreis. 

Vom Möhnesee nach Polen

Die Autos wurden stets an einem Parkplatz am Möhnesee an Fahrer übergeben, die sie nach Polen bringen sollten. Ein Teil der Fahrzeuge kam dort auch an, entweder um weiterverkauft oder zur Ersatzteilgewinnung zerlegt zu werden. 

In einigen Fällen trickste das Keyless-Go-System die Diebe aus: Weil der Motor des Autos ausging, konnte er ohne den dazugehörigen Funkschlüssel nicht mehr gestartet werden. Um die Beute nicht abschreiben zu müssen, wurden in mehreren Fällen die Steuergeräte ausgebaut und in Polen umfrisiert, um die Autos wieder in Gang zu bringen. Das konnte nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft bis zu eine Woche dauern – und so lange parkten die Autos unbehelligt am Möhnesee. 

Autos im Wert von fast einer Million

An einer Tankstelle in Körbecke blieb ein 75.000 Euro teurer Mercedes stehen: Der war in Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis gestohlen worden und sollte von einem Bandenmitglied vor der Übergabe betankt werden. Dabei ging der Motor aus – und der Fahrer musste die heiße Ware sausen lassen. Insgesamt sollen die Autos, vor allem Mittelklasse-Pkws, Sportwagen und SUVs, einen Wert von nahezu einer Million Euro haben. 

So kam die Polizei den Tätern auf die Schliche

Die Polizei kam der Bande auf die Schliche, als sich Autodiebstähle im Kreis Gütersloh häuften. Es wurde eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, in der die Polizei Gütersloh mit der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis und der Staatsanwaltschaft Bielefeld übergreifend zusammenarbeitete.

Dass im Oktober 2018 in Polen ein mutmaßlicher Mittäter nach einem Unfall mit einem in Augustdorf (Kreis Lippe) gestohlenen Ford Mustang festgenommen wurde, war für die Ermittler ein Glücksgriff. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Verdächtige der polnischen Polizei umfangreiche Angaben gemacht haben und seine Aussage in dem Verfahren in Bielefeld eine große Rolle spielen. Die vier Angeklagten wurden kurz vor Weihnachten geschnappt. 

Der in Arnsberg wohnende 33-Jährige hatte versucht, einen in Winterberg entwendeten Lexus nach Polen zu fahren, war dabei aber in Nordhessen vom Sondereinsatzkommando aus Bielefeld gestoppt worden. Seine drei Mittäter gingen der Polizei in Meschede ins Netz.

Weitere Termine 

Zunächst sind für den Prozess fünf Termine bis Mitte August angesetzt.

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