Künstler Gero Troike: Lernen in Erlebnislandschaft

MÖHNESEE ▪ Malen, das ist für Gero Troike in allererster Linie eine Entdeckungsreise. Wie sind die Dinge? Wie ist das Licht? Wie sind die Farben, die Flächen, die Strukturen? Wie sieht etwas aus unterschiedlichen Blickrichtungen und Entfernungen aus?

So darf es nicht wundern, das sich im Atelier des Malers, Regisseurs und überhaupt Viel-Schaffenden in seinem idyllisch gelegenen Forsthaus Rißmecke bei Völlinghausen bei aller Vielfalt auch immer wieder die gleichen Motive finden – in unterschiedlichen Formaten und mit einem immer wieder anderen Ansatz und in unterschiedlicher Stimmung.

So wie sich das Licht des Tages ändert, aber auch die Stimmung des Schaffenden selber.

Es ist ein reichhaltiger Erfahrungsschatz, aus dem Gero Troike nach langem künstlerischen Wirken heute schöpfen kann, und mit seinem Angebot möchte er sich ab Januar einen lang gehegten Wunsch erfüllen. „Ich will wieder Unterricht geben, so wie ich das früher schon lange Zeit gemacht habe“, sagt Troike beim Treffen in seinem Atelier – seinem „Heiligtum“ und Rückzugsort. Das Atelier wirkt, wie man es sich vorstellt: Gerahmtes und Ungerahmtes, Tuben, Töpfe, Utensilien. Nicht unaufgeräumt, aber auch nicht penibel sortiert – das Arbeitsumfeld ist bereits eine stimmungsvolle Erlebnislandschaft, die zum Schauen und Erfahren einlädt. Vor allem erst einmal dazu, mit dem Blick auf Beiläufiges zur Ruhe zu kommen, das Ich und die eigentlich jedem innewohnende schöpferische Spielfreude wiederzufinden.

Eine Pause will Troike sich gönnen, oder eher eine Abwechslung: Im April war die Uraufführung der „Patriotin“ an der Volksbühne in Berlin. Troike wirkte als Bühnenbildner und Regisseur. „Es ist ungeheuer interessant“, so sagt Troike, „mit so vielen unterschiedlichen Menschen, unterschiedlichen Berufen zusammenzuarbeiten.“ Zeitgleich ist Gero Troike mit einer ganzen Reihe von Werken an großen Bilderschauen in Berlin, Den Haag und in Tiblissi, manchem besser als Tiflis bekannt, beteiligt. „Ich möchte ab dem kommenden Jahr dann wieder etwas konzentrierter mit Schülern arbeiten, meine Erfahrungen weitergeben“, sagt Troike weiter: „Das Atelier wird dann immer an einem Tag in der Woche geöffnet sein, und ich stehe für die Arbeit mit kleinen Gruppen zur Verfügung.“

Das Angebot richtet sich an jeden, ob jung oder alt, ob erfahren im Umgang mit Farben und Formen oder ob völliger Neuling. Gerne, so unterstreicht Troike, nimmt er auch Jugendliche und junge Erwachsene unter die Fittiche, die künstlerische Berufe anstreben oder in diese Richtung studieren wollen. „Meine Schüler sind bislang immer alle problemlos an Akademien und Universitäten angenommen worden“, darauf weist Troike nicht ganz ohne Stolz hin. Aus der Ruhe bringe ihn auch im Gespräch mit Anfängern nichts: „Ich lade ein zum Schauen und Ausprobieren, und dann sehen wir, was daraus wird...“ Schließlich ist selten ein Meister vom Himmel gefallen.

Wen es aber reizt, sein Talent auszuloten oder auch nur einmal wertvolle Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln, der ist im Atelier in Völlinghausen stets willkommen. Zu entdecken gibt es viel – nicht nur im Atelier: Zwei Schritte vor die Haustüre, und der Entdecker steht mitten in schöner Natur, die sich stetig verändert, je nach Tages- und Jahreszeit und dem Stand der Sonne. „Man muss sich eben nur darauf einlassen“, so lädt Troike ein. Wer am Unterricht teilnimmt, erfährt auch, woher überhaupt die Materialien stammen, mit denen ein Maler zu tun hat, wie etwa eine mobile Staffelei gebaut werden kann, warum ohne vernünftigen Malgrund kein Licht wirken kann, dass man eine Schneelandschaft auch ganz in Ocker halten kann, und welches Holz ein schönes Bild am besten einrahmt. Dabei gilt für den Künstler immer wieder: Kaufen kann jeder – selber machen ist die größere Kunst! brü

Kontakt: Atelier Gero Troike, Forsthaus Rißmecke, 59519 Möhnesee-Völlinghausen, Telefon 0 29 25/655.

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